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Hannovers Sportlicher Leiter Gerhard Zuber ist beeindruckt vom Werder-Fußball in dieser Saison.

Klemm-Brett

Hannovers Sportlicher Leiter Zuber: „Werders facettenreicher Fußball ist schön anzusehen“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem Rückrundenstart gegen Hannover 96 mit einem Kurz-Interview, einer Form-Analyse und einem flotten Spruch von 96-Manager Horst Heldt.

Gerhard Zuber, Sportlicher Leiter Hannover 96, im Kurz-Interview

Trainer André Breitenreiter hat im Trainingslager massive Verstärkungen gefordert. Konnten Sie ihm alle personellen Wünsche erfüllen? Wie sind Sie mit den Transferaktivitäten zufrieden?

Gerhard Zuber: Der Trainer hat seine Empfehlungen abgegeben, nichts gefordert. Mit den bisherigen Transfers sind wir sehr zufrieden, Kevin Akpoguma und Nicolai Müller haben im Trainingslager schon gezeigt, warum wir sie unbedingt haben wollten.

Die Transferperiode dauert noch bis Ende Januar. Wird es noch Einkäufe oder Leihgeschäfte geben?

Zuber: Wir beobachten den Markt genau und sind in engem Austausch mit Martin Kind. Wir halten die Augen offen, um zuschlagen zu können, wenn noch etwas – auch in wirtschaftlicher Hinsicht – machbar ist.

Was stärkt Sie in Ihrer Zuversicht, dass 96 in der Rückrunde besser abschneidet als im letzten Jahr und den Klassenerhalt schafft?

Mit elf Punkten liegt die Messlatte ja nicht so hoch (lacht). Aber im Ernst: Wir wissen, dass wir es in der Rückrunde besser machen müssen. Deshalb haben wir alles gründlich analysiert und in der Vorbereitung intensiv an unseren Schwächen gearbeitet. Wir stehen alle zusammen und werden gemeinsam versuchen, den Klassenerhalt zu schaffen.

Werder schwächelte zuletzt nach gutem Start. Wie beurteilen Sie das Leistungsvermögen des ersten Gegners?

Werder hatte einen überragenden Start und ist zum Schluss der Hinrunde etwas eingebrochen – die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte. Ich bin überzeugt, dass Werder diese Saison ein Wörtchen mitreden wird bei den Europa-League-Plätzen. Werder spielt einen technisch und taktisch hochwertigen Fußball, schön anzusehen, mit vielen Facetten. Die Mannschaft hat eine richtige gute Entwicklung genommen.

Wissenswertes zum Werder-Spiel gegen Hannover 96: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Spruch

„Druck habe ich eigentlich nur morgens nach dem Aufstehen.“

Manager Horst Heldt auf die Frage, wie er den zunehmenden Belastungen nach der Niederlagenserie widerstehe.

Fehlstart ins Trainingslager

96 legte schon vor dem Start ins Trainingslager in Spanien eine unfreiwillige Vollbremsung hin. Die Anreise auf die iberische Halbinsel verzögerte sich, weil der Flieger gravierende Probleme hatte. Die Bombardier CS 100 der Swiss Air hatte einen Defekt an den Bremsen, so dass ein Start unmöglich war. Die Delegation saß schon im Flieger, musste wieder aussteigen. Es wurde ein Notfallprogramm entwickelt. Die Hannoveraner nahmen einen Umweg über München, die Anreise nach Malaga verzögerte sich um Stunden, da in Bayern eine Wartezeit einkalkuliert werden musste. 

Die Folge: Die Reisegesellschaft kam verspätet in Andalusien an, gut 14 Stunden dauerte das Unternehmen. Weitere Konsequenz: Das ungewollte Reisechaos führte dazu, dass die erste Trainingseinheit unter spanischer Sonne ausfallen musste. Glück im Unglück hatte indes der Manager. Horst Heldt war auf anderen Wegen nach Südspanien unterwegs und pünktlich vor Ort.

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Baustelle

96 fehlt ein Knipser. Niclas Füllkrug, der Aufsteiger des Vorjahres, konnte lange nicht an die Form anknüpfen, zumal er angeschlagen war. Mit 14 Treffern, dazu noch vier Assists, hatte sich der Ex-Bremer in den Vordergrund gespielt und für manche bei der Not in der Nationalelf sogar in den Dunstkreis von Jogis Elitetruppe. Not am Mann im Sturm, da mit dem Neu-Bremer Martin Harnik (9 Tore und 3 Assists) und dem Neu-Wolfsburger Felix Klaus (4 Tore und 7 Assists) auch die treffsichersten Angreifer der Vorsaison fehlen.

Lücken, die weder Bobby Wood noch Takuma Asano bisher füllen konnten. Auch Hendrik Weydandt, Torschütze im Hinspiel gegen Werder (1:1) und der Mann, der aus der Regionalliga kam und für die Reserve eingeplant war, kann da nicht kontinuierlich in die Bresche springen. Die Lage im Angriff hat sich inzwischen noch dramatisiert: Füllkrug fällt für den Rest der Saison aus, musste operiert werden. Der Eingriff bestätigte die schlimmsten Vermutungen: schwere Knieverletzung, Knorpelschaden. Nun soll es Rückkehrer Jonathas richten.

Hannovers Winter-Transfers

Dass nachgebessert werden muss, stand außer Frage. 96 wollte in der Transferperiode aktiv werden, um für den Abstiegskampf gerüstet zu sein. Klubchef Martin Kind hatte grünes Licht gegeben. Manager Horst Heldt fand das Patentrezept: Ausleihe als kostengünstige Möglichkeit, die Truppe zu verstärken. Zu Beginn der Transferperiode vermeldeten die Niedersachsen zwei spektakuläre Leihgeschäfte. 

Zunächst holten sie mit Kevin Akpoguma den dringend benötigten Innenverteidiger. Der bis 2021 bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag stehende 23-Jährige soll bei dem Abstiegskandidaten die nötige Spielpraxis erhalten. In der Hinrunde absolvierte Akpoguma nur acht Spiele für die Kraichgauer, zuletzt stand er am 12. Spieltag beim 3:3 in Berlin in der Elf. Manager Heldt sagte über den Junioren-Nationalspieler: „Kevin passt perfekt in unser Anforderungsprofil.“ 

Nur wenige Stunden später gab es die zweite Erfolgsmeldung. Nicolai Müller wurde von Eintracht Frankfurt ausgeliehen, ebenfalls bis zum Saisonende. Der vom HSV zu Saisonbeginn nach Frankfurt transferierte Stürmer hatte sich in Hessen nicht durchsetzen können: nur sieben Einsätze, zwei Tore. Der 31-Jährige verfügt indes über eine enorme Erfahrung, die er sich in 171 Erstliga-Partien erworben hat, in denen er 39 Treffer erzielte. 

Manager Heldt über den Coup: „Nicolai ist auf nahezu allen Angriffspositionen einsetzbar.“ Zudem steht die Rückkehr des brasilianischen Stürmers Jonathas vor dem Abschluss. Ob der 29-Jährige bereits gegen Werder Bremen im Kader stehen wird, ließ Heldt offen: „Theoretisch könnte er am Freitag mit dem Team trainieren."

Form

Die Generalprobe glückte: 4:1 gewannen die Roten im letzten Test gegen Heracles Almelo, wobei Stürmer Bobby Wood ein Doppelschlag glückte, zudem trafen Weydandt und Neuzugang Müller. Doch die Sorgen bleiben. Große Personalsorgen. Ihlas Bebou zog sich zum Ende des Trainingslagers eine Muskelverletzung zum, fehlt bis zu acht Wochen. 

Nach dem Ausfall von Niclas Füllkrug bedeutet dies den Verlust eines weiteren Hoffnungsträgers. Auch Noah Joel Sarenren Bazee (22) bleibt ein Dauerpatient: Haarriss am Scheinbein. Den Japaner Takuma Asano plagen muskuläre Probleme, so dass er auf den Asien-Cup verzichten musste, an dem sein Landsmann Genki Haraguchi teilnimmt. Daher fällt Haraguchi für den Rückrundenstart aus.

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