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Hertha-Coach Pal Dardai erwartet ein spannendes Spiel am Samstag gegen den Konkurrenten Werder.

Klemm-Brett 

Hertha-Trainer Dardai im Interview: „Werder? Das wird spannend“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem Spiel bei Hertha BSC unter anderem mit dem Berliner Trainer Pal Dardai im Kurz-Interview.

Pal Dardai im Interview

Pal Dardai (42) ist seit Februar 2015 Cheftrainer bei Hertha BSC. Der Ungar, der schon Nationaltrainer in seiner Heimat war, kann auf eine bisher erfolgreiche Saison mit seiner Elf zurückblicken.

Hertha und Werder spielen einen attraktiven Fußball, nur nicht immer erfolgreich. Sehen Sie auch diese Parallele zwischen den beiden Teams?

Ich sehe in jedem Fall bei beiden Mannschaften eine gute Entwicklung und Potenzial. Das hat sicher auch damit zu tun, dass in beiden Vereinen die Trainer mit Vertrauen, Ruhe und Unterstützung durch die Führung arbeiten können. Jetzt geht es im nächsten Schritt darum, gute Leistungen konstant zu zeigen. Das gilt für uns und wohl auch für Werder.

Zuletzt haben Sie von einer „Blockade im Kopf“ Ihrer Spieler gesprochen. Wie wollen Sie diese lösen?

Damit meinte ich, dass wir unsere Lockerheit, unsere Spielfreude und unsere Gier auch in den Spielen zeigen, in denen wir einen Schritt nach oben in der Tabelle machen können. Mit Drucksituationen kann die Mannschaft umgehen. Das hat sie schon häufig bewiesen. Mit den „positiven Drucksituationen“ hatten wir aber immer wieder mal Probleme. Daran arbeiten wir. Das hat letztlich auch mit Erfahrung zu tun.

Berlin oder Bremen - welcher Klub hat die größeren Chancen ins Rennen um die internationalen Plätze einzugreifen?

Wir schauen nur auf uns und wollen uns von Spiel zu Spiel darauf konzentrieren, unsere Leistung konstant auf den Platz zu bringen. Und die nächste Aufgabe heißt Werder Bremen. Das wird spannend.

Wie sind Sie mit der Entwicklung des Ex-Bremers Davie Selke zufrieden?

Davie hat sich bei uns bisher sehr gut entwickelt. Er gibt in jedem Training Gas und arbeitet an sich. Erster Kontakt, Passspiel, Laufwege, Kombinationsspiel, überall hat er sich verbessert. Er hat schon acht Torvorlagen in dieser Saison. Das spricht für sich.

Wissenswertes zum Werder-Spiel gegen Hertha BSC: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Rückblende: Martin Harniks besonderes Tor

Es war ein historischer Moment beim Hinspiel gegen die Berliner Hertha. Ein besonderer Moment für Martin Harnik, den Heimkehrer, der Werder im August 2009 verlassen hat und seine Wanderschaft durch die Liga in Düsseldorf, Stuttgart und Hannover startete. In der 11. Spielminute traf der Österreicher ins Tor – per Hacke. Exakt 4049 Tage nach seinem letzten Treffer für Werder, dem bis dahin einzigen für den Club, bei dem er zum Profi geworden war. Eine relativ lange Zeitspanne zwischen den Erfolgserlebnissen, im Liga-Vergleich nur von Stefan Kuntz (4509), Georg Volkert (4109) und Reinhold Hintermaier (4106) übertroffen.

Hinspiel Werder gegen Hertha

Ein Griff in die Trickkiste. Florian Kohfeldt verblüffte und nahm eine Anleihe bei Thomas Schaaf, der nun als Technischer Direktor bei Werder engagiert ist. Die berühmte Raute, die Werder-Raute, bei Schaaf einst das Erfolgsgeheimnis. Kohfeldt ließ Nuri Sahin auf der Sechs agieren, brachte Maxi Eggestein und Davy Klaassen auf den Halbpositionen und nominierte Yuya Osako in der Offensivzentrale. Es klappte vorzüglich. Werder dominierte beim Vergleich mit dem Tabellennachbarn aus der Hauptstadt und bot einen fantastischen ersten Durchgang.

Tore durch Martin Harnik und Milos Veljkovic vor der Pause, durch Max Kruse nach dem Wechsel und dem zwischenzeitlichen Anschlusstor durch Javairo Dilrosun. Ein Spiel, das Werders Ansprüche untermauerte und den Höhenflug fortsetzte. Werder stand nach dem fünften Spieltag auf einem Platz, der die Qualifikation für die Champions League bedeutet.

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Bilanz Werder gegen Hertha

Nachahmen lohnt sich. So lange ist es noch nicht her, dass Werder zuletzt im Berliner Olympiastadion gewonnen hat: 1:0 am 10. Dezember 2016. Max Kruse schoss damals das Goldene Tor für die von Alexander Nouri betreute Auswahl. Eine Partie, in der Claudio Pizarro 90 Minuten auf dem Feld stand und auch ein gewisser Serge Gnabry spielte, bis er in 88. Minute gegen Zlatko Junuzovic ausgewechselt wurde. Werder gewann in der Bundesliga-Geschichte insgesamt zehn von 35 Auswärtsspielen an der Spree, der Hausherr blieb 15 Mal siegreich. Die Gesamtbilanz: 71 Spiele, 36 Werder-Siege, 19 Hertha-Siege, 16 Remis bei einer Tordifferenz von 126:83.

Spruch

„Herzlichen Glückwunsch, jetzt bist du Bayern-Jäger. Ich gebe den Stab weiter.“

Herthas Coach Pal Dardai nach der Niederlage im Hinspiel zum Kollegen Florian Kohfeldt, dessen Elf die Berliner überholt hatte und über Nacht Zweiter war.

Fotostrecke: So tanzte sich Werder zum ersten Heimsieg

Werder Bremen gegen Hertha BSC.
Werder Bremen gegen Hertha BSC. © gumzmedia
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Werder Bremen gegen Hertha BSC.
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Werder Bremen gegen Hertha BSC.
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Werder Bremen gegen Hertha BSC.
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Werder Bremen gegen Hertha BSC.
Werder Bremen gegen Hertha BSC. © dpa
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Werder Bremen gegen Hertha BSC. © dpa
Werder Bremen gegen Hertha BSC.
Werder Bremen gegen Hertha BSC. © dpa

Altmeister Wolfgang Sidka

Wolfgang Sidka (64), von 1982 bis 1987 bei Werder, spielte von 1971 bis 1980 für die Hertha. Als Trainer war der gebürtige Berliner von 1997 bis 1998 in Bremen tätig, zuletzt auch beim FC Oberneuland und im Irak.

„Alle in Berlin begrüßen die Entwicklung bei der Hertha. Jahrelang gab es nur einen abwartenden Fußball mit Quer- und Rückpässen sowie langweiligem Ballgeschiebe. Nun dürfen wir uns freuen über eine attraktivere Gangart, einen Tempofußball, der wieder Spaß bringt und zum Zuschauen animiert. Beispielhaft dafür sind Profis wie Dilrosun und Lazaro sowie das tolle Mittelfeld mit Maier, Grujic und Duda, der nach zwei enttäuschenden Jahren endlich stattfindet. Das Produkt ist ansehnlich: ein attraktiver Fußball, Kombinationsspiel, es macht Spaß zuzugucken. In seinem vierten Jahr hat es Trainer Pal Dardai verstanden, eine neue Spielidee zu entwickeln. Früher war es ein abwartender Fußball, mit Ibisevic und Kalou vorn, die es allein richten mussten.

Nun spielt Hertha ansehnlich und nach vorn. Leider hat sich dieser Aufschwung noch nicht im Tabellenplatz bemerkbar gemacht. Hertha könnte besser stehen, könnte näher an den Rängen platziert sein, die die Qualifikation für den Europa-Cup bedeuten. In dieser Hinsicht durchaus vergleichbar mit meinem zweiten Ex-Club Werder, denn Berlin hat wie auch Bremen leichtfertig sehr viele Punkte verschenkt. Insgesamt sehe ich die Entwicklung recht positiv. Auch Manager Michael Preetz, der nach zwei Abstiegen schon heftig in der Kritik stand, beweist nun mehr und mehr ein glückliches Händchen bei seinen Personalentscheidungen.“

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Elfmeter gegen Hertha

Die Berliner verschuldeten an den ersten fünf Spieltagen jeweils mindestens einen Strafstoß, so auch in der Partie gegen Werder. Max Kruse verwandelte ebenso wie Wolfsburgs Yunus Malli und Gladbachs Thorgan Hazard. Mikael Ishak aus Nürnberg und Daniel Caligiuri von Schalke 04 scheiterten.

Personalpolitik

Zurückhaltung auf dem Transfermarkt. Hertha holte im Winter keinen Neuen, setzt auf das vorhandene Personal. In der Hinserie war das Aufgebot zeitweise ausgedünnt wegen der Verletzungsmisere, nun kommen die angeschlagenen Akteure zurück, so dass der Kader nach Auffassung der Verantwortlichen in puncto Breite und Schlagkraft nichts zu wünschen übrig lässt.

Bestes Beispiel: Beim 3:1 in Nürnberg verstärken Marko Grujic, Karim Rekik und Niklas Stark die Truppe, die anschließend gegen Schalke 2:2 spielte und dann mit 0:1 gegen Wolfsburg eine bittere Heimniederlage einsteckte. Die 50. Niederlage übrigens für Trainer Dardai, der zu diesem Zeitpunkt auf eine ausgeglichene Bilanz verweisen konnte: 50 Niederlagen bei 50 Siegen und 37 Unentschieden. Mit dem 3:0 in Gladbach ist dann noch ein weiterer Sieg dazugekommen.

Der Ex-Bremer Davie Selke (l.) und Vedad Ibisevic überzeugen bei Hertha BSC. Bleiben sie noch länger in der Hauptstadt?

Vertragsverlängerungen

Ein neuer Kontrakt als Lohn für ausgezeichnete Arbeit: Pal Dardai verlängerte Mitte Dezember seinen Vertrag als Cheftrainer bei den Profis bis 2021. Sein Vertrag als Nachwuchstrainer ist weiterhin gültig – unbefristet, wie es heißt. Dardai muss sich im Sommer einen neuen Assistenten suchen. Rainer Widmayer, seit Jahren an seiner Seite, wechselt nach Stuttgart. Chef Dardai hat „Zecke“ Neuendorf, Betreuer der U17, ins Gespräch gebracht, doch Manager Michael Preetz scheint eine externe Lösung zu befürworten.

Zeit für Vertragsverlängerungen: Auch Per Skjelbred bleibt bis 2020. Gespräche mit Vedad Ibisevic stehen nun an. Der Poker um Laufzeit und Gehalt hat begonnen. Viel Arbeit für Manager Preetz, um die Elf zusammenzuhalten. Marko Grujic ist nur bis Saisonende ausgeliehen, Valentino Lazaro, vielleicht der Aufsteiger der Spielzeit, Arne Maier, das hochbegabte Eigengewächs, sowie Davie Selke liebäugeln womöglich mit größeren Clubs. Zudem kehrt Fabian Lustenberger in die Schweiz zurück. Hertha vor dem Umbruch? „Nein“, antwortet Preetz, „wir gehen entspannt dieses Thema an und sind vorbereitet.“

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Serienkiller

Wieder einmal erwiesen sich die Berliner als Serienkiller. In Gladbach gewannen sie am letzten Spieltag 3:0, der erste Erfolg dort seit September 2008. In Gladbach, wo die Borussia zwölf Heimsiege in Serie feiern konnte. Berlin bleibt damit in Partien gegen die drei Topteams Dortmund, München und Mönchengladbach in dieser Spielzeit ungeschlagen. „Unser bestes Auswärtsspiel“, lobte Trainer Dardai.

Salomon Kalou, Ondrej Duda und Davie Selke in seinem 100. Bundesliga-Spiel hießen die Torschützen für die Truppe, die 31 Punkte und damit einen Zähler mehr als Werder aufweist. Erneut also ein Duell der Tabellennachbarn wie im Hinspiel (okay, die mit Werder punktgleiche TSG Hoffenheim steht offiziell noch dazwischen). Dabei kann Dardai personell aus dem Vollen schöpfen. Lazaro hat seine Gelbsperre abgebrummt, Maier und Dilrosun trainieren wieder, und mit Ibisevic stand ein Hochkaräter zuletzt nicht in der Startelf.

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