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„Wir haben ein schlechtes Spiel gemacht“, sagte Max Kruse und legte die deutliche Betonung auf „ein“. Gegen Mainz will Werder wieder punkten.

Kapitän zerhackt das 2:6 gegen Leverkusen

Kruse, die Axt

Bremen - Immer, wenn Max Kruse auf Pressekonferenzen erscheint, erzeugt er – ob gewollt oder nicht – eine Aura des Gelangweiltseins. Der Werder-Kapitän wirkt oft wenig interessiert an den Themen, die auf den Tisch kommen. Ein bisschen anders war es am Freitag, zwei Tage vor dem Auswärtsspiel bei Mainz 05 (Sonntag, 18.00 Uhr).

Kruse war sehr daran gelegen, die Nachwehen des 2:6 gegen Bayer Leverkusen eine Woche zuvor wegzureden. So wurde das, was er sich zu sagen vorgenommen hatte, zu einer Art verbalen Axt, mit der er immer wieder auf dieses bittere 2:6 einschlug. „Wir haben ein schlechtes Spiel gemacht“, sagte er beispielsweise und legte die deutliche Betonung auf „ein“. Soll heißen: Es war ein Ausrutscher und deshalb nicht der Rede wert. „In diesem Spiel kam alles zusammen für uns – aber das war‘s dann hoffentlich auch für die nächsten Wochen“, sagte Kruse und wischte so den Frust und die mögliche Verunsicherung weg.

Oder sagen wir es so: Er gab sich alle Mühe, das zu tun. Das Ziel war, die Niederlage, die den ersten schweren Dämpfer der bislang so erfolgreichen Saison darstellt, zur Bedeutungslosigkeit zu zerbröseln. Alles Vergangenheit, alles nicht so schlimm, alles abgehakt. In den Köpfen der Spieler sei das schon so, behauptete der Käpt‘n, der nach eigener Aussage „keine große Aufbauarbeit“ bei seinen Kollegen habe leisten müssen: „Leverkusen ist schon Geschichte.“

Mainz wartet seit sieben Pflichtspielen auf einen Sieg

Das 5:1 im DFB-Pokal gegen Regionalligist Weiche Flensburg hat sicherlich geholfen, schnell vergessen zu können. Doch wenn Werder in Mainz antritt, gibt es schon ein paar parallele Spuren zu der Partie gegen Leverkusen. Dünnere wie den Wochentag und die Anstoßzeit, die gleich sind. Aber auch dickere wie die Ausgangslage beim Gegner.

Ähnlich der Werkself hat auch Mainz 05 in den Wochen vor dem Werder-Match nichts gewonnen. Sechs sieglose Spiele in der Liga, dazu die 2:3- Niederlage nach Verlängerung im DFB-Pokal beim FC Augsburg – die Rheinhessen erleben ergebnistechnisch eine echte Krise. Dass sie fußballerisch nicht so schlecht sind wie ihr Tabellenplatz es aussagt (aktuell Rang 13 mit nur fünf erzielten Toren in neun Spielen), ist die große Gemeinsamkeit mit Leverkusen. Also: Vorsicht, Werder?

Ja, Vorsicht. Natürlich Vorsicht. Wie immer, meint Kruse. Aber Werder will sich wegen des 2:6 eben auch nicht kleinmachen: „Wir sollten aus diesem einen Spiel jetzt keine große Sache machen. So ein Erlebnis hat jeder mal. Außerdem: Besser einmal 2:6 verlieren als dreimal 1:2. Wir haben unsere Schlüsse aus dem Spiel gezogen – und damit ist es dann auch gut.“ Aus der Fußballer-Sprache übersetzt sollte das wohl heißen: Jetzt nervt uns nicht mit dem 2:6 – es wird schon wieder besser werden.

Die Mainzer Opel-Arena ist als Schauplatz ein guter, eigentlich sogar der perfekte Ort, um wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren. Denn dort hat Werder zuletzt viermal in Folge gewonnen, fühlt sich also pudelwohl in des Gegners guter Stube. Doch auf diese Serie will Max Kruse genauso wenig geben, wie auf das 2:6. „Außer dass wir in Mainz viele Punkte geholt haben, bedeutet das nichts“, sagte er. Ableitungen auf die aktuelle Partie sind aus seiner Sicht Unsinn – wie auch Ableitungen des 2:6 von ihm zerhackt werden: „Alles, was wichtig ist, ist, dass wir es diesmal besser machen.“

Dass er dabei helfen wird, ist mittlerweile garantiert. Das Wehwehchen, das ihn am Einsatz im Pokal gegen Flensburg gehindert hatte, hat sich verflüchtigt. „Mir geht es gut, einem Einsatz steht nichts im Weg“, so Kruse.

Max Kruse: Seine Karriere in Bildern

Max Kruse spielt zum zweiten Mal für die Bremer. In der Jugend kickte der Angreifer für den SC Vier- und Marschlande, 2006 wechselte er in die U19 des SV Werder.
Max Kruse spielt zum zweiten Mal für die Bremer. In der Jugend kickte der Angreifer für den SC Vier- und Marschlande, 2006 wechselte er in die U19 des SV Werder. © Gumz
Sein Bundesliga-Debüt bei den Werder-Profis gab Kruse unter Trainer Thomas Schaaf am 29. September 2007 gegen Arminia Bielefeld.
Sein Bundesliga-Debüt bei den Werder-Profis gab Kruse unter Trainer Thomas Schaaf am 29. September 2007 gegen Arminia Bielefeld. © imago
Werder feierte einen 8:1-Kantersieg, Kruse konnte Sturmkollege Markus Rosenberg ein Tor auflegen. Hier jubeln beide nach dem Treffer.
Werder feierte einen 8:1-Kantersieg, Kruse konnte Sturmkollege Markus Rosenberg ein Tor auflegen. Hier jubeln beide nach dem Treffer. © imago
Der Durchbruch gelang dem Angreifer in Bremen aber nicht. Kruse wechselte 2009 von der Weser nach Hamburg zum FC St. Pauli.
Der Durchbruch gelang dem Angreifer in Bremen aber nicht. Kruse wechselte 2009 von der Weser nach Hamburg zum FC St. Pauli. © imago
Bei den „Kiezkickern“ hielt es den gebürtigen Hamburger drei Jahre, dann folgte der Wechsel zum SC Freiburg.
Bei den „Kiezkickern“ hielt es den gebürtigen Hamburger drei Jahre, dann folgte der Wechsel zum SC Freiburg. © imago
Die Freiburger reichten Kruse nach einer Saison weiter an Borussia Mönchengladbach. Dort spielte der Stürmer bis 2015, ehe sich der VfL Wolfsburg die Dienste des Offensivmannes sicherte.
Die Freiburger reichten Kruse nach einer Saison weiter an Borussia Mönchengladbach. Dort spielte der Stürmer bis 2015, ehe sich der VfL Wolfsburg die Dienste des Offensivmannes sicherte. © imago
Im August 2016 dann die Rückkehr. Kruse unterschrieb beim SV Werder.
Im August 2016 dann die Rückkehr. Kruse unterschrieb beim SV Werder. © gumzmedia
Nach einer langen Verletzungspause zu Beginn der Saison startete Kruse richtig durch. Allein in der Rückrunde erzielte der Stürmer 13 Tore.
Nach einer langen Verletzungspause zu Beginn der Saison startete Kruse richtig durch. Allein in der Rückrunde erzielte der Stürmer 13 Tore. © gumzmedia
Beim 4:2-Sieg gegen den FC Ingolstadt am 30. Spieltag gelang dem begehrten Torjäger sogar ein Viererpack - sorgte im Alleingang für drei Punkte.
Beim 4:2-Sieg gegen den FC Ingolstadt am 30. Spieltag gelang dem begehrten Torjäger sogar ein Viererpack - sorgte im Alleingang für drei Punkte. © gumzmedia
Zu Beginn der Saison 2017/18 lief es aber noch nicht so rund - und Kruse brach sich am vierten Spieltag sein Schlüsselbein. Nur fünf Wochen später stand er aber schon wieder auf dem Platz.
Zu Beginn der Saison 2017/18 lief es aber noch nicht so rund - und Kruse brach sich am vierten Spieltag sein Schlüsselbein. Nur fünf Wochen später stand er aber schon wieder auf dem Platz. © gumzmedia
Im vierten Spiel nach seiner Verletzung war er dann wieder komplett zurück: Kruse gelang ein lupenreiner Hattrick beim 4:0-Sieg über Hannover 96 am zwölften Spieltag.
Im vierten Spiel nach seiner Verletzung war er dann wieder komplett zurück: Kruse gelang ein lupenreiner Hattrick beim 4:0-Sieg über Hannover 96 am zwölften Spieltag. © gumzmedia
Max Kruse ist nun nicht mehr nur Torjäger sondern agiert in der Saison 2017/18 viel zwischen den Abwehrlinien als Ballverteiler.
Max Kruse ist nun nicht mehr nur Torjäger sondern agiert in der Saison 2017/18 viel zwischen den Abwehrlinien als Ballverteiler. © gumzmedia
Im August 2018 ernannte Trainer Florian Kohfeldt Max Kruse zum neuen Werder-Kapitän.
Im August 2018 ernannte Trainer Florian Kohfeldt Max Kruse zum neuen Werder-Kapitän. © gumzmedia

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