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Stellt Werder-Trainer Florian Kohfeldt Nuri Sahin gegen dessen Ex-Club Borussia Dortmund auf.

Die emotionale Rückkehr des Werder-Profis

Sahin entscheidet mit, ob er in Dortmund spielt

Bremen - Der Abschied von seinem BVB fiel ihm schwer, doch bei seiner Borussia in Dortmund kam Nuri Sahin einfach nicht mehr so zum Zuge, wie sich der 30-Jährige das vorstellte.

Ersatzmann – das war nicht sein Anspruch. Der 52-fache türkische Nationalspieler flüchtete Ende August nach Bremen, sportlich gesehen ein Rückschritt – und für Sahin bislang nicht der gewünschte Fortschritt. Denn ausgerechnet bei seiner Rückkehr am Samstag nach Dortmund droht ihm die Bank. Ist ihm das zuzumuten, würde ihn das nicht emotional zu sehr belasten?

„Nein“, antwortet Coach Florian Kohfeldt sofort und betont: „Nuri ist 30 Jahre alt und hat so viel Erfahrung gesammelt, dass es ihn nicht aus der Bahn werfen würde, sollte es so kommen.“ Als Trainer würde ihn diese besondere Situation ganz und gar nicht kalt lassen, „weil es mir wichtig ist, diese Emotionalität der Spieler zu berücksichtigen. Aber letztendlich kann das kein Grund sein, ob ich einen Spieler aufstelle oder nicht.“

Sahin als Libero gegen Dortmund?

Damit steht im Fall Sahin nur fest: Der Mittelfeldspieler wird vor dem Anpfiff offiziell vom BVB verabschiedet und dabei ganz viel Applaus bekommen. Und dann? „Nuri hat berechtigte Hoffnungen, in der Startelf zu stehen“, sagt Kohfeldt, verzichtet aber auf eine Einsatzgarantie. Die Lage ist etwas verzwickt. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Philipp Bargfrede galt Sahin eigentlich als gesetzt, doch gegen Düsseldorf ließ ihn Kohfeldt draußen, brachte Maximilian Eggestein als Sechser und erstmals Kevin Möhwald in der Startelf. Das klappte gut – und wäre durchaus auch eine Möglichkeit für die Partie beim Tabellenführer.

Kohfeldt könnte aber auch an den 2:1-Sieg vor fast genau einem Jahr in Dortmund denken. Damals hatte er mit einer Dreierkette inklusive Bargfrede als Libero überrascht. Diese Rolle könnte nun Sahin übernehmen, von dort aus das Bremer Spiel lenken. Aber ist er dafür robust und schnell genug?

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Für Kohfeldt stellt sich bei Sahin nicht die Qualitätsfrage. „Ich bin mit ihm sehr zufrieden“, sagt der Coach. Dem ehemaligen türkischen Nationalspieler sei es zuletzt eben nur wie vielen seiner Bremer Kollegen ergangen: „Er hat ein wenig dieses Selbstverständnis verloren, mit Ball so dominant aufzutreten, wie wir uns das wünschen.“

Mit keinem anderen Spieler im Kader geht Kohfeldt in den Gesprächen dabei so ins Detail wie mit Sahin: „Ich weiß ja, dass er Trainer werden will. Man kann mit ihm Gespräche führen, die über ein normales Trainer-Spieler-Gespräch hinausgehen, auch über taktische Dinge oder die Herangehensweise an Spiele.“ Das ist auch ein Grund, warum sich der Coach keine Sorgen macht, dass Sahin enttäuscht sein könnte. „Wir werden sprechen und zu einer guten Entscheidung kommen – und zwar im Sinne der Mannschaft“, erklärt Kohfeldt und schwärmt: „Das ist, was ich ihm am höchsten anrechne: Nuri stellt sich nie über die Mannschaft. Das ist eine Eigenschaft, die große Spieler auszeichnet.“

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Kohfeldt über Sahin: „Neben dem Platz Erwartungen zu 1.000 Prozent erfüllt“

Von zwölf möglichen Bundesliga-Spielen für Werder absolvierte Sahin bislang acht, stand dabei sieben Mal in der Startelf. Vier Mal blieb der 30-Jährige nur auf der Bank. Mit ihm gewann Werder zwei Mal, vier Partien gingen verloren, zwei endeten Unentschieden. Ein Tor und eine Vorlage stehen auf Sahins Konto. Überragend sind diese Statistiken nicht, da war eigentlich mehr erwartet worden. Doch Kohfeldt lenkt den Blick gerne auch in eine andere Richtung: „Neben dem Platz hat er die Erwartungen zu 1.000 Prozent erfüllt. Nuri war vom ersten Tag an jemand, der in der Kabine mit Worten zum Erfolg beiträgt. Er hat eine ganz besondere Wirkung, wie er Professionalität und den Willen zu gewinnen lebt.“

Und was sagt Sahin selbst zu seinem ersten Spiel als Gegner der Borussia? Nichts! Der 30-Jährige hat alle Interview-Wünsche abgelehnt, saß auch nicht auf dem Podium der Werder-Pressekonferenz vor dem BVB-Spiel. Aus gutem Grund, wie Kohfeldt berichtet. Sahin wäre es schlichtweg unangenehm gewesen, so viele Fragen zu seiner Situation beantworten zu müssen.

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