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Von 2000 bis 2015 pfiff Peter Gagelmann in der 1. Bundesliga.

Ex-Schiri nimmt Kollegen in Schutz

Gagelmann: „Der Video-Beweis hätte nichts geändert“

Bremen – Peter Gagelmann war selbst jahrelang Bundesliga-Schiedsrichter. Am Mittwochabend saß der Bremer im Weserstadion, als der Unparteiische Daniel Siebert nach einem Zweikampf zwischen Werder-Profi Theodor Gebre Selassie und Münchens Kingsley Coman auf den Elfmeterpunkt zeigte. Robert Lewandowski nutzte den Strafstoß zum 3:2-Siegtreffer, der FC Bayern steht im Finale.

Hätte Gagelmann genauso entschieden? Oder wäre der 50-Jährige – anders als Siebert – zum Bildschirm am Spielfeldrand gegangen, um sich die Szene noch mal anzuschauen? Die DeichStube hat bei Peter Gagelmann nachgefragt.

Herr Gagelmann, Fußball-Deutschland diskutiert über den Elfmeter der Bayern in Bremen – war es einer?

Ich hatte von der Nordtribüne aus einen sehr guten Blickwinkel und habe sofort gesagt: Der hat ihn umgestoßen, also Elfmeter. Leider hat sich meine Einschätzung nicht bestätigt.

Wie meinen Sie das?

Auf den TV-Bildschirmen im Stadion läuft das Spiel zeitversetzt. Und die dort unmittelbar gezeigten Bilder spiegelten nicht den realen Eindruck wider. Aber es gab auch nicht die optimale Kameraperspektive, die den Zweikampf vor allem in der Dynamik richtig darstellt.

Also kein Elfmeter?

Das kann man so auch nicht sagen. Es gibt im Fußball nicht immer ein klares Ja oder Nein – selbst nicht durch den Video-Schiedsrichter.

Warum?

Weil es sich nicht nur um eine faktische Entscheidung handelt wie beim Abseits. Da wird eine Linie gezogen, dann ist alles klar. Bei Foul- oder Handspiel bleibt immer ein Ermessensspielraum.

Schon gelesen? Kritik von Video-Beweis-Chef Drees: Elfmeter-Entscheidung „nicht korrekt“

Warum hat sich der Schiedsrichter gerade bei diesem so wichtigen Spiel nicht per Video vergewissert, ob er richtig liegt?

Die Bedeutung des Spiels ist dem Schiedsrichter selbstverständlich bewusst. Der Ablauf ist meistens so: Der Schiedsrichter pfeift, es kommt zum Kontakt mit dem Video-Assistenten, der nach der Wahrnehmung des Schiedsrichters fragt – in diesem Fall ist wahrscheinlich der Stoß am Oberkörper die Antwort. Kann der Video-Assistent diesen Stoß auch auf den TV-Bildern erkennen, gibt es keinen Grund, den Schiedsrichter noch mal selbst zum Bildschirm am Spielfeldrand zu schicken. In diesem Fall, hätte das, glaube ich, auch nichts geändert.

Wirklich nicht?

Das war halt eine typische Kannste-musste-aber-nicht-Entscheidung. Die TV-Bilder waren nicht klar genug, um in die eine oder andere Richtung zu entscheiden, also bleibt es bei der Wahrnehmung auf dem Platz. Ich würde mir übrigens wünschen, wenn dabei auch mal eine andere Frage gestellt wird.

Welche?

Was macht da eigentlich Theodor Gebre Selassie? Kingsley Coman fliegt geradezu in den Strafraum – und Gebre Selassie versucht, mit seinem Körper ihn nicht vorbei zu lassen. Damit ist er ein hohes Risiko eingegangen.

Aber wo ist in der 78. Minute eines DFB-Pokal-Halbfinales das berühmte Fingerspitzengefühl, nur noch ganz klare Elfmeter zu geben?

So ein Fingerspitzengefühl kann es doch gar nicht geben, weil es jede Mannschaft in einer bestimmten Situation anders einfordert. Wir wollen als Schiedsrichter immer die richtige Entscheidung treffen, nur darum geht es. Und glauben Sie mir: Es ist nicht schön, durch eine vielleicht nicht richtige Entscheidung ein Spiel entschieden zu haben. Der Schiedsrichter ist Sportler und will wie jeder Spieler und Trainer eine klasse-Leistung abliefern und möchte am darauffolgenden Tag nicht im Mittelpunkt stehen.

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