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Werder-Trainer Florian Kohfeldt hatte seine Mannschaft taktisch gut auf Gladbach eingestellt. Trotzdem stand am Ende eine Niederlage.

1:3-Niederlage gegen Gladbach

Taktik-Analyse: Kohfeldts Plan war gut – Plea war besser

Gegen Gladbach hagelt es für Werder Bremen die dritte Niederlage in Folge. Doch diesmal war kein schwacher Matchplan Schuld an der Niederlage. Bremen ging gut vorbereitet in die Partie. Doch selbst das half nicht gegen Gladbachs Sturmwunder Alassane Plea, schreibt unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Fußball ist ein seltsamer Sport. Es gibt Tage, an denen ein Team nichts richtig macht – und dennoch kurz vor Schluss den Ball ins Tor würgt und siegt. Und es gibt Tage, an denen ein Team sehr vieles richtig macht – und am Ende trotzdem unter die Räder kommt. Solch einen Tag erwischte Werder Bremen am Samstag.

Bei den Niederlagen gegen Bayer Leverkusen (2:6) und Mainz 05 (1:2) wählte Werder-Coach Florian Kohfeldt jeweils einen verkehrten Matchplan. Gegen Gladbach kann man ihm diesen Vorwurf kaum machen. In der ersten Halbzeit stellten die Bremer ihre Gegner weitestgehend matt, während sie sich in der zweiten Halbzeit zahlreiche Chancen erarbeiteten.

Enges Mittelfeld lässt Gladbach keinen Raum

Kohfeldt wählte für diese Partie eine 4-4-1-1-Variante. Der Clou: Die Außenstürmer-Rollen übernahmen mit Davy Klaassen und Maximilian Eggestein zwei Spieler, die eigentlich im Zentrum heimisch sind. Klaassen und Eggestein besetzten nicht klassisch die Flügel, sondern agierten nah an der Bremer Doppelsechs. Max Kruse spielte als hängende Spitze zudem nur dicht vor der Viererreihe. Dementsprechend eng agierte Bremen im Mittelfeld.

Defensiv ging dieser Kniff vollends auf. Gladbach entfachte in dieser Saison viel Gefahr über das zentrale Mittelfeld. Das Dreier-Mittelfeld innerhalb ihres 4-3-3-Systems genießt viele Freiheiten. Gerade Jonas Hofmann stiehlt sich im Zentrum immer wieder davon, um die Stürmer mit Pässen zu füttern. Gegen Bremens enges Mittelfeld war Hofmann kaum zu sehen. Kruse wiederum nahm Gladbachs Sechser Tobias Strobl aus dem Spiel. Gladbach gelang kaum Raumgewinn.

Die Grafik zeigt Bremens Anordnung bei Ballbesitz. Im Mittelfeld konnten die Gladbacher Manndeckungen aufnehmen. Wenn sie den Druck erhöhen wollten, rückten Stindl, Hofmann und Neuhaus auf Werders erste Aufbaulinie. Meistens begnügten sie sich jedoch damit, Bremens Mittelfeld schachmatt zu setzen; das gelang natürlich im Gegenzug auch den Bremern.

Allerdings hatten auch die Gladbacher die Offensive des Gegners gut im Griff. Bremen wählte im Aufbau eine bisher in der Liga nicht getestete Variante: Nuri Sahin ließ sich bei Ballbesitz zwischen die Verteidiger fallen, die Außenverteidiger rückten wiederum weit vor. Das erlaubte Eggestein und Klaassen, vom Flügel ins Zentrum zu ziehen. Bremen baute das Spiel aus einem 3-1-5-1 auf.

Gladbach war im Mittelfeld jedoch gut aufgestellt gegen diese Variante. Sie wählten gegen den Ball eine Mischung aus 4-1-4-1 und 4-5-1. Auch sie agierten im Mittelfeld sehr eng. Damit neutralisierten sie die Rollen von Eggestein und Klaassen. Sahin wiederum wurde vom Gladbacher Stürmer Lars Stindl angelaufen.

Der Auftritt des Alassane Plea

Frei waren im Bremer Spielaufbau einzig die Innenverteidiger. Diese nutzten den Raum vor sich nur selten für Dribblings. Stattdessen wählten sie häufig die lange Variante. Martin Harnik suchte ständig die Lücke in der gegnerischen Abwehr, blieb bei der Annahme der langen Bälle jedoch glücklos. Somit neutralisierten sich beide Teams über weite Strecken der Partie.

In solchen engen Spielen können Kleinigkeiten den Unterschied machen. Die Kleinigkeit an diesem Nachmittag war Gladbachs Stürmer Alassane Plea. Der Franzose begann nominell als Linksaußen, zog jedoch häufig in die Mitte. Diese Läufe in die Mitte hatte Bremen dank des engen Mittelfelds zwar gut im Griff; jedoch verloren sie den Franzosen gleich dreimal aus den Augen: einmal kurz vor, zweimal kurz nach der Pause. Plea nutzte diese drei Möglichkeiten, um seine Gladbacher uneinholbar in Führung zu bringen.

Zwar hatte keiner der Treffer primär taktische Gründe; es waren Verkettungen individueller Fehler sowie starke Einzelleistungen des Gladbacher Stürmers. Dass Gladbach nach der Pause zu besseren Konterchancen kam, lag aber auch an Kohfeldts taktischen Umstellungen: Er ließ zwar auch nach der Pause weiter ein 4-4-1-1 spielen, mit der Einwechslung von Johannes Eggestein (für Philipp Bargfrede) besetzte Bremen die einzelnen Positionen jedoch offensiver. Johannes rückte auf die Außen-Position, sein Bruder Maximilian wechselte ins zentrale Mittelfeld. Die Balance des Bremer Spiels war offensiver, was Gladbach zu Kontern einlud.

Gleichzeitig belebten diese Umstellungen das Bremer Offensivspiel. Gerade in der Schlussphase entfachte Werder eine hohe Wucht in der gegnerischen Hälfte. Mit der Einwechslung von Claudio Pizarro (75., für Sahin) stellte Kohfeldt auf eine sehr offensive Raute um. Kruse gab den Zehner hinter einer Doppelspitze Pizarro/Harnik. Doch anders als den Gladbachern fehlte den Bremern die Qualität im Abschluss.

Fazit: Kein Vorwurf an Kohfeldt - Werder fehlt ein Vollstrecker

Am Ende stand die dritte Niederlage in Folge zu Buche. Doch anders als gegen Leverkusen und gegen Mainz kann man Kohfeldt an diesem Tag nur wenige Vorwürfe machen. Der Matchplan war solide, zerschellte aber an einem defensiv bärenstarken Gladbacher Mittelfeld. In der zweiten Halbzeit stellte Kohfeldt früh auf Offensive um, was Bremen einige gute Möglichkeiten bescherte.

Den Unterschied machte an diesem Tag Gladbachs Stürmer Plea, der seine Chancen eiskalt nutzte. Das ist vielleicht der Unterschied zwischen einem Team wie Gladbach und den Bremern im Moment: Ihnen fehlt vorne ein Vollstrecker, der im Zweifel enge Spiele für sie entscheidet.

Fotostrecke: Plea trifft dreifach - Sahins Tor-Premiere wertlos

Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach
Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach © gumzmed ia
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