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Nico (li.) und Keven (r.) Schlotterbeck vom SC Freiburg dürfen sich seit kurzem Bundesliga-Spieler nennen.

Brüderpaar aus dem Breisgau

Die Schlotterbecks: Die Freiburger Antwort auf die Eggesteins

Bremen - Von Frank Hellmann. Ob es an den vielen Sonnenstunden in dieser Region liegt? Nirgendwo scheinen deutsche Talente besser zu gedeihen als beim SC Freiburg. Seit Neuestem ist ein Brüderpaar dabei, das die badische Antwort auf die bremischen Geschwister Maximilian und Johannes Eggestein sein könnte. Gestatten: Keven und Nico Schlotterbeck.

Der eine 21 Jahre, der andere 19 Jahre jung. Vor der Saison als Perspektivspieler vorgesehen, doch als die Personalprobleme beim Sportclub bedrohliche Ausmaße annahmen, debütierte am 20. Spieltag zuerst Keven Schlotterbeck.

Seinem Einstand beim VfB Stuttgart (2:2) folgten Startelf-Einsätze bei Borussia Mönchengladbach (1:1) und gegen den FC Bayern (1:1). Der 1,89-Meter-Hüne verteidigte bereits wie ein Großer. Der Linksfuß trat ohne jegliches Lampenfieber an. „Ich bin eine sehr entspannte Person. Es kommt schon vor, dass der eine oder andere zu mir sagt: Mensch, geh’ doch mal ein bisschen aus dir raus“, sagte er kürzlich im Interview mit der „Badischen Zeitung“. „In den ersten Partien hat es sich so angefühlt, als spiele ich gegen den TSV Essingen in der Verbandsliga. Da konnte ich das Drumherum komplett ausblenden.“

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Nico Schlotterbeck bald Konkurrent von Bruder Keven?

Nur zuletzt beim 0:5 gegen Mainz 05 stand der Novize wie die meisten Mitspieler neben den Schuhen. Spannend, ob Trainer Christian Streich als Reaktion auf die Partie gleich eines seiner größten Defensivtalente opfert. Der ältere Schlotterbeck bringt einiges mit, um vielleicht mal in die Fußstapfen eines Matthias Ginter zu schlüpfen, der in Freiburg reifte und mittlerweile in der Nationalmannschaft eine feste Größe ist. Schlotterbecks Spielaufbau sieht erstaunlich reif aus, verbesserungswürdig sind Antritt und Athletik. Aber er trainiert auch erst seit einem halben Jahr auf professionellem Niveau. „Ich habe ja gerade noch sechste Liga gespielt. Langsam gewöhne ich mich an das Tempo.“

Auch der jüngere Schlotterbeck hat in der Rückrunde Bundesliga-Luft geschnuppert: Im Heimspiel gegen Hertha BSC (2:2) wurde Nico gebraucht, als sich Philipp Lienhart eine Gehirnerschütterung zuzog. Auch der „Kleine“ ist Innenverteidiger – und bald schon der Konkurrent des großen Bruders? Ihre Unterschiede beschreibt Keven Schlotterbeck so: „Nico ist eigentlich das komplette Gegenteil von mir. Vor allem während unserer Kindheit war er viel aufgedrehter als ich. Früher haben wir uns oft in die Haare bekommen, weil er einfach ein bisschen frech war.“ Charakterliche Ähnlichkeiten wie bei den Eggesteins sind also kein Markenkern des Freiburger Duos.

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Im Gegensatz zu den in Bremen gesetzten Eggesteins – Maximilian hat 85 Bundesliga-Einsätze, Johannes 27 auf dem Konto – haben die Schlotterbecks auch noch kein gemeinsames Bundesliga-Spiel bestritten. Die Brüder wechselten erst 2017 nach Freiburg. Keven kam vom Verbandsligisten TSG Backnang und Nico vom Nachwuchs des Karlsruher SC, um zunächst für die U19 des SC Freiburg zu spielen. Die Beförderung zu den Profis kam dann gar nicht so überraschend, denn der Weg in die Bundesliga scheint im Schwarzwald so kurz wie nirgendwo anders.

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„Wir machen das mit Überzeugung und mit der Unterstützung der älteren und erfahreneren Spieler – dafür stehen wir in Freiburg auch“, erklärt Trainer Christian Streich. Bis der doppelte Schlotterbeck auf die Bundesliga-Stürmer angesetzt wird, wird es jedoch noch dauern. Vielleicht können sie sich ja an einem Verwandten orientieren: Ihr Onkel Niels Schlotterbeck, der eine Fußballschule betreibt, hat es im Profifußball bei diversen Vereinen versucht. Sein größter Erfolg war es, mit den Stuttgartern Kickers 1987 bis ins Pokalfinale zu kommen, wo er auch auf der Anzeigetafel des Berliner Olympiastadion stand: Ihm unterlief nämlich gegen den Hamburger SV das Eigentor zum 1:3-Endstand.

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