+
Für Trainer Florian Kohfeldt und seinen SV Werder waren die Bayern am Samstag nicht zu knacken.

Werder verliert 1:2 gegen den Rekordmeister

Taktik-Analyse: Kohfeldts Anti-Bayern-Plan ging nicht auf

Werder-Coach Florian Kohfeldt forderte von seiner Elf vor dem Bayern-Spiel, sie solle ihrer Philosophie treu bleiben. Das Vorhaben gelang ihr aber nur phasenweise. Unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher entschlüsselt Kohfeldts Plan und erklärt, warum die Bayern an diesem Nachmittag nicht zu knacken waren.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Vor dem Spiel gegen Bayern München stellte sich so mancher Werder-Fan diese Frage. Nach zuletzt 17 Pflichtspiel-Niederlagen in Folge gegen den Rekordmeister wollte Werder endlich wieder punkten. Spätestens das 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf machte klar, wie verwundbar die Bayern in dieser Saison sind. Bremens Coach Florian Kohfeldt spuckte vor der Partie entsprechend forsche Töne. Seine Mannschaft solle auch gegen die Bayern ihrer Philosophie treu bleiben und sich nicht verstecken.

Ein Vorsatz ist die eine Sache, die Umsetzung eine andere. Von forschen Bremern war in der Anfangsviertelstunde wenig zu sehen. Kohfeldt hatte seine Mannschaft in einem 4-3-3-System auf den Platz geschickt. Defensiv wurde die Formation zu einem 4-1-4-1. Werder verharrte zunächst im Mittelfeld und überließ den Bayern das Spiel.

Bayern dominant im neuen System

FCB-Trainer Niko Kovac hatte seine Elf im Vergleich zur Vorwoche taktisch verändert. Statt im angestammten 4-3-3-System begannen die Münchener mit einem 4-2-3-1. Leon Goretzka und Joshua Kimmich ordneten von der Doppelsechs das Münchener Spiel. Gerade in der Anfangsphase verpasste es Werder, Zugriff herzustellen auf die beiden Nationalspieler. Das Duo konnte aus dem Mittelfeld schalten und walten.

Das zweite Problem der Bremer: Die Viererkette harmonierte in der Anfangsphase nicht. Immer wieder öffneten sich Lücken zwischen den Verteidigern, in die Münchener Angreifer stießen. Dadurch waren die Bremer überraschend anfällig gegen lange Bälle hinter die Abwehr. Gerade die Außenstürmer nutzten diese Lücken. Serge Gnabry stahl sich als einrückender Rechtsaußen immer wieder davon. Der ehemalige Bremer besorgte den Münchener Führungstreffer (20.).

Die Grafik zeigt die offenen Schnittstellen der Bremer Abwehr und wie Gnabry und Ribery sich in diese hineingestohlen haben. (Klicken zum Aufklappen)

Ansätze von Ballbesitzfußball – aber nur Ansätze

„Ich glaube, dass sich Möglichkeiten ergeben, aus kontrolliertem Ballbesitz ins Kombinationsspiel zu kommen“, sagte Kohfeldt vor der Partie. In der Tat ergaben sich diese Möglichkeiten – allerdings für die Bayern. Werder versuchte, das Spiel aus der eigenen Hälfte konstruktiv aufzubauen. Die Bayern pressten jedoch in einem aggressiven 4-2-4. Gerade im Mittelfeld agierten die Bayern äußerst mannorientiert. Bremen verlor gegen das überraschend aggressive Pressing der Bayern in der Anfangsphase mehrfach den Ball.

Kontrolle über das Spiel erlangte Werder erst nach Münchens Führungstreffer. Die Münchener zogen sich jetzt in die eigene Hälfte zurück, sie verteidigten in einem engen 4-4-2. Gegen passivere Münchener begann die beste Phase des Bremer Spiels. Sie konnten nun jenem Spielstil nachgehen, der sie zu Beginn der Saison so erfolgreich gemacht hatte: Geduldig ließen sie den Ball laufen, um im Anschluss gezielt Überzahlen auf dem Flügel herzustellen. Max Kruse wich nun häufig auf die linke Seite aus.

Einzelkritik mit Noten: Was ist bloß mit Klaassen los?

Die Bayern schienen auf diese Überzahlen der Bremer nicht vorbereitet gewesen zu sein. Sie verpassten es, Zugriff herzustellen auf den Seiten. So kam Bremen gleich mehrfach über die Flügel vor das Tor. Eine Kruse-Flanke brachte den Ausgleich durch Yuya Osako (33.). Kurios: In der Phase zwischen Münchener Führungstreffer und Bremer Ausgleichstreffer hatte Werder fast 70 Prozent Ballbesitz. Derart passiv haben die Bayern schon lange nicht mehr agiert.

Leider endete die Bremer Druckphase so abrupt, wie sie begonnen hatte. Spätestens nach Wiederanpfiff dominierten die Bayern erneut das Geschehen. Sie setzten wieder auf ein ruhiges Ballbesitzspiel gepaart mit einem aggressiven Pressing. Die Bremer verpassten es erneut, den Zugriff im Mittelfeld zu suchen. Auch defensiv verbesserte sich das Bayern-Spiel: Die Bayern verteidigten etwas breiter, sodass sie Bremens Flügelangriffe kontrollieren konnten.

Nachbericht: Ein Team am Limit

Dank cleverer Wechsel: Bayern behalten Spiel im Griff

Nach Gnabrys zweitem Treffer (50.) verflachte die Partie. Bremen bekam gegen das aggressive Münchener Pressing kaum konstruktive Angriffe zustande. Kohfeldt versuchte, mit seinen Einwechslungen offensiven Schwung ins Spiel zu bringen. Doch weder die Umstellung auf ein 4-4-2-System noch das ultraoffensive 4-3-3-System der Schlussphase brachten echte Torgefahr. Dafür sorgten auch die Wechsel von Kovac: Just als seine Bayern den Faden zu verlieren drohten, stellte er mit der Einwechslung von Thiago (80.) auf ein defensives 4-1-4-1-System um. Die Bayern hatten fortan das Mittelfeld und damit auch die Partie im Griff.

Somit wurde es auch dieses Mal nichts mit dem erhofften Sieg gegen die Bayern. Das lag auch an einem starken Gegner: Von einer kurzen Phase in der ersten Halbzeit abgesehen agierten die Bayern dominant und abgeklärt. Mit ihrem 4-2-3-1-System und der neu gebildeten Doppelsechs standen sie wesentlich sicherer gegen Konter und konnten zugleich mehr Impulse nach vorne bringen. So ließ der große FC Bayern den kleinen SV Werder Bremen den Klassenunterschied spüren.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Kommentare