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Werder-Trainer Florian Kohfeldt hatte nach dem  Pokal-Triumph gegen Borussia Dortmund gut lachen.

Nach Elfmeterkrimi gegen Dortmund

Taktik-Analyse: Escher erklärt den Werder-Wahnsinn

Über weite Strecken des DFB-Pokal-Achtelfinals machte Werder Bremen dem Favoriten Borussia Dortmund mit einer defensiven Taktik das Leben schwer. Unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher erklärt, wieso der BVB an Werders Defensivwall abprallte – und wie Florian Kohfeldt mit einer taktischen Umstellung die wahnwitzige Verlängerung erst möglich machte.

Im modernen Fußball wird ständig die Taktik umgestellt. Fußballer haben sich längst daran gewöhnt. Häufig sind diese taktischen Wechsel ohnehin nur geringer Natur: nach einer Umstellung von Dreier- auf Viererkette müssen sich die Spieler nur leicht anders positionieren. Schwieriger wird es jedoch, wenn nicht nur taktische Details, sondern die gesamte Spielidee während des Spiels ausgetauscht wird – sei es freiwillig oder aufgrund eines plötzlichen Rückstandes. Werder Bremen bewies im Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Dortmund, dass sie auch größere Umstellungen bewerkstelligen können.

Fünferkette mit Nuri Sahin

Werder-Coach Florian Kohfeldt überraschte mit seiner Aufstellung. Nuri Sahin durfte an seiner alten Wirkungsstätte von Beginn an ran. Jedoch startete er nicht auf der angestammten Position im zentralen Mittelfeld, sondern im Abwehrzentrum. Er war zentraler Akteur einer Fünferkette. Philipp Bargfrede wiederum gab den alleinigen Sechser vor der Abwehr.

Formativ stellte sich Bremen in einem 5-3-2-System auf. Der Vorteil dieser Formation: Mit drei zentralen Mittelfeldspielern lässt sich hohe Kontrolle über das Zentrum ausüben. Auch die beiden Stürmer können mithelfen, dass erst gar keine Pässe ins zentrale Mittelfeld gelangen. Genau dies taten Max Kruse und Milot Rashica. Sie blockierten die Zuspielwege ins Zentrum.

Im Mittelfeld wiederum agierte Bremen äußerst nah am Mann. Davy Klaassen rückte immer wieder heraus, um Dortmunds Spielgestalter Axel Witsel zu stören. Auch sonst spielte Bremen mannorientierter als sonst, verfolgte die Läufe der Dortmunder Akteure teils zehn Meter oder weiter.

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Mauerfußball, Mann gegen Mann

Dahinter steckte Kalkül: Werder wollte verhindern, dass Dortmund ihre gefürchteten Direktpass-Kombinationen starten kann. Häufig lassen sich dabei Dortmunds Angreifer fallen, während gleichzeitig die Außenverteidiger oder Sechser nach vorne starten. Werder blockierte diese Läufe mit einer engen Manndeckung. Der Fünferkette sei Dank konnten einzelne Verteidiger immer wieder aus der Abwehr heraus Dortmunds Angreifer verfolgen. Abgesichert wurden sie von Sahin, der seine Sache als zentraler Abräumer sauber erledigte.

Diese mannorientierte Spielweise verband Bremen in der Anfangsphase mit einem hohen Pressing. Mit der Führung im Rücken zog Bremen sich nach und nach weiter zurück. Ab der Mitte der ersten Halbzeit begannen sie, sich am eigenen Strafraum zu verbarrikadieren. Die Läufe der Dortmunder verfolgten sie weiterhin, allerdings waren sie nun besonders darauf bedacht, Dortmund keine Räume in der Tiefe anzubieten.

Dortmund biss sich an der engen Werder-Defensive die Zähne aus. Sie hatten zwar die Kontrolle über die Partie, hatten in manchen Phasen der Partie über 70% Ballbesitz. Doch sie kamen nicht zu gefährlichen Chancen. Witsel und Thomas Delaney ließen sich immer weiter fallen, um der Deckung zu entgehen. Dadurch fehlte ihnen wiederum die Bindung an die eigenen Offensivkräfte.

Die Grafik zeigt Werders enge Formation im Zentrum, mit der sie Dortmunds Doppelsechs kalt gestellt haben.

Plötzlich setzt Kohfeldt alles auf eine Karte

Auch der Ausgleichstreffer kurz vor der Pause änderte nichts an der Arithmetik der Partie. Werder zog sich auch nach dem Wiederanpfiff wieder weit zurück, überließ Dortmund den Ball. Diese fanden weiterhin keinen Weg vorbei an der Abwehr. Werders Offensivbemühungen waren ebenso harmlos. Dadurch dass Rashica und Kruse defensiv teils im eigenen Drittel aushalfen, fehlte vorne jegliche Präsenz für schnelle Konter.

Dieses taktische Patt hielt an, bis ein Trainer reagierte. Überraschenderweise war es nicht BVB-Coach Lucien Favre, sondern Kohfeldt, der offensiv wechselte. Mit der Einwechslung von Kevin Möhwald (76., für Sahin) löste sich Werders Fünferkette auf. Möhwald ging auf die Achter-Position, Klaassen rückte eine Reihe weiter vor. Bremen agierte fortan in einem 4-3-1-2-System, einer sogenannten Raute. Von totaler Defensive auf totale Offensive; nicht jede Mannschaft kann plötzlich derart den Schalter umlegen. Bremen gelang es.

Fortan entstand ein deutlich flotteres Spiel. Mit der offensiveren Formation liefen die Bremer ihren Gegner nun wieder früher an. Vor allem hatten sie nun offensiv mehr Präsenz. Klaassen kam zwischen den Dortmunder Viererketten häufiger an den Ball, leitete mehrere gute Angriffe ein. Im Gegenzug stand Werder nun defensiv offener; eine logische Schlussfolgerung, agierten sie nun doch mit einer Vierer- statt einer Fünferkette.

Fotostrecke: So lief der Pokal-Fight gegen den BVB

Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
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Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © imago
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
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Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © AFP
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © dpa
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © imago
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © AFP
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © dpa
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
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Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
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Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © dpa
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Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
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Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © dpa
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt.
Werder Bremen hat im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund gespielt. © gumzmedia

Verlängerung

So war der Boden vorbereitet für einen Krimi in der Verlängerung. Werder spielte weiterhin mutig nach vorne, suchte die Entscheidung. Favre wechselte wiederum klug. Er brachte mit Brun Larsen (für Raphael Guerreiro) und Maximilian Philipp (für Götze) zwei Offensivkräfte, die sich bewusst weit vorne postierten. Dortmund lauerte nun auf schnelle Konter gegen eine Bremer Mannschaft, die den Ball laufen ließ. Die Rollen der regulären Spielzeit kehrten sich nun um.

Der Wahnsinn der Verlängerung lässt sich aber nicht rein taktisch erklären. Spätestens nach dem 2:2 brachen alle taktischen Dämme. Beide Teams agierten mit offenem Visier, öffneten Räume und ließen somit mehr Chancen zu als in den regulären neunzig Minuten. Der Ausgleich gelang Werder mit Hauruck-Taktik, als sie in der Not alles nach vorne warfen, was zwei Beine und einen Kopf hatte.

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Am Ende belohnte sich Werder selbst für eine couragierte Leistung. Die offensiven Wechsel von Kohfeldt hätten durchaus schiefgehen können. An diesem Abend bereiteten sie den Boden für ein zweifaches Comeback – und für ein Pokalspiel, das so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird.

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