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Der Coach hat gut lachen: Kohfeldts Taktik ging gegen Breitenreiters Hannoveraner auf.

1:0-Sieg zum Rückrundenauftakt

Taktik-Analyse: Flexibles Werder dominiert planlose Hannoveraner

Die Partie dominiert, am Ende 1:0 gewonnen: Die Rückrunde beginnt vielversprechend für Werder Bremen. Wie immer schaut unser Taktikanalyst Tobias Escher genau hin: Welche Taktik wählte Florian Kohfeldt? Wie gelang es Werder, die Angriffe von Hannover 96 zu neutralisieren? Und wieso wurde es am Ende doch noch einmal spannend?

Das Wort Flexibilität gehört mittlerweile zum festen Vokabular eines jeden Fußball-Trainers. Auch Werder-Coach Florian Kohfeldt verfolgt den Traum, flexibel spielen zu lassen. In der Winterpause habe er neue Varianten einstudieren lassen, so der Trainer. Gegen Hannover 96 ließ sich diese neue Flexibilität auch in der Praxis beobachten.

Eine Mischung aus allem

Nominell hielt Kohfeldt fest an der Rauten-Variante, die er bereits zum Ende der Hinrunde anwandte. Max Kruse begann als Zehner hinter einem Doppelsturm aus Milot Rashica und Martin Harnik.

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Auf dem Feld interpretierten die Bremer dieses System allerdings äußerst flexibel. Wenn Bremen die Hannoveraner früh anlief, bewegte sich Kruse zwischen die beiden Stürmer. Bremen störte in einem 4-3-3. Sobald sich Bremen weiter zurückzog, füllte ein Angreifer die Mittelfeld-Reihe auf. Das Besondere: Er ließ sich nicht etwa ins Zentrum fallen, sondern auf den linken Flügel. Meist übernahm Rashica diesen Part, manchmal half auf der linken Seite jedoch auch Kruse oder Harnik aus. Es entstand ein kompaktes 4-4-2.

Hohes Pressing der Bremer

Nicht nur aufgrund dieser Formationswechsel zeigte sich Bremens Spiel im Vergleich zur Hinrunde verändert. Das lag vor allem an der höheren Aggressivität des eigenen Pressings: Bremen lief den Gegner früher an, ging aggressiver zu Werke, störte in der ersten Halbzeit fast durchgehend am gegnerischen Strafraum. Dabei agierten sie näher am Mann als noch in der Hinrunde.

Der Nachbericht zum Spiel: 1:0 - ein fast perfekter Werder-Tag

Hannover antwortete auf den hohen Druck der Bremer mit einer recht simplen Strategie: Sie bolzten den Ball lang nach vorne. 96-Trainer Andre Breitenreiter stellte den Vollblutstürmer Hendrik Weydandt auf dem linken Flügel auf. Der bullige 1,95-Meter-Hüne sollte offenbar lange Bälle halten und weiterverarbeiten. Die Strategie ging nicht auf. Bremen zwang Hannover zu unkontrollierten langen Bällen, Weydandt konnte diese Zuspiele nur selten verarbeiten.

Wenn Hannover sich doch einmal am Pressing der Bremer vorbeikombinierte, standen sie schnell wieder kompakt gegen den Ball. Hier kam der schnelle Wechsel zu einem tiefen 4-4-2 zum Tragen. Gerade Rashica nahm seine defensiven Verpflichtungen ernst und half defensiv viel aus. Hannover brachte selten einen Fuß in die Bremer Hälfte.

Anlaufschwierigkeiten in der Offensive

Das Bremer Ballbesitzspiel benötigte etwas länger, um auf Betriebstemperatur zu gelangen. Hannover zeigte sich gut vorbereitet auf die Bremer Stärken. Breitenreiter ließ seine Elf in einem breiten 4-5-1 verteidigen. Der Clou: Hannover konnte jederzeit die Bremer Außenverteidiger zustellen. Über diese baut Bremen am Liebsten auf.

Die Grafik zeigt Hannovers Defensivformation. Im 4-5-1 verteidigten sie breit. Vorne stellte Bobby Wood Bremens Innenverteidiger Niklas Moisander zu. Doch Sebastian Langkamp fand die Lücke der Hannoveraner Formation. Er setzte Maximilian Eggestein und Max Kruse ein.

Doch mit zunehmender Spielzeit fanden die Bremer die Lücken in der gegnerischen Defensive. Stürmer Bobby Wood war bestrebt, Niklas Moisander aus dem Spiel zu nehmen. Das verschaffte Sebastian Langkamp wiederum Zeit, Pässe ins offensive Mittelfeld zu spielen. Gerade Maximilian Eggestein stahl sich im halbrechten Raum häufig frei, aber auch Kruse erhielt zahlreiche Zuspiele von Langkamp. Im Anschluss konnte Bremen meist mit Tempo auf Hannovers Viererkette zulaufen. So entstand auch der Führungstreffer nach 32 Minuten.

Breitenreiter reagiert, Kohfeldt aber auch

60% Ballbesitz, 12:4 Torschüsse: Bremen hatte die erste Halbzeit absolut im Griff. Breitenreiter musste reagieren. Er beorderte Waldemar Anton in die Abwehrkette, Hannover agierte fortan aus einem offensiven 3-4-1-2-System. Vor allem über die Flügel griffen sie nun mit mehr Wucht an.

Fotostrecke: Werder gewinnt in Hannover

Hannover 96 gegen Werder Bremen
Hannover 96 gegen Werder Bremen  © gumzmedia
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Hannover 96 gegen Werder Bremen  © dpa
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Bremen brauchte einige Minuten, um sich zu sortieren. Spätestens nach der Einwechslung von Philipp Bargfrede (63., für Harnik) standen die Bremer defensiv wieder stabil. Bargfrede agierte als zentraler Verteidiger, Bremen verteidigte in einem kompakten 5-3-2. Mit der Fünferkette schlossen sie die Flügel besser.

In der letzten halben Stunde kann man Bremen zwei Vorwürfe machen: Zum Einen spielte Werder die eigenen Konter nicht gut aus. So hielten sie Hannover am Leben. Zum Anderen kehrten die Bremer manches Mal nach Standards oder eben jenen Kontern nicht schnell genug in die eigene Formation zurück. So kam Hannover noch zu Konter-Möglichkeiten – und das trotz Rückstand! Aus dem Spiel blieben sie weiter schwach.

Fazit

Das Fazit fällt dennoch positiv aus: Bremen kontrollierte den Gegner über weite Strecken. Gerade im hohen Pressing haben die Bremer im Vergleich zur Hinrunde Fortschritte gemacht. Defensiv punkteten sie mit ihrer hohen Flexibilität – der Traum eines jeden Bundesliga-Trainers. Kohfeldt wird zufrieden sein.

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