+
Auch die taktischen Umstellungen von Trainer Florian Kohfeldt halfen nicht: Werder Bremen verlor mit 1:4 gegen Fortuna Düsseldorf.

1:4-Niederlage in Düsseldorf

Taktik-Analyse: Fortunas Konter zu schnell für Werder

Werder wollte gegen Fortuna Düsseldorf mit dem eigenen Ballbesitzspiel punkten. Doch ausgerechnet gegen das pfeilschnelle Team von Trainer Friedhelm Funkel versagte die Bremer Konterabsicherung. Warum selbst Florian Kohfeldts taktische Umstellungen nicht halfen, erklärt unser Taktikanalyst Tobias Escher.

Werder Bremen war gewarnt. Kaum ein Team kontert in dieser Saison so furios wie Fortuna Düsseldorf. Die Hoffnung jedoch, dass die Düsseldorfer nach dem geglückten Klassenerhalt ihren Tempofußball ausgerechnet gegen Werder verlangsamen, erfüllte sich nicht. Das Team von Florian Kohfeldt ließ sich im klassischen Sinne auskontern.

Kohfeldt schickte sein Team in einer Raute auf das Feld, inklusive einem besonderen Kniff: Johannes Eggestein übernahm eine Mischrolle aus Rechtsaußen und zweitem Stürmer. Bei eigenem Ballbesitz reihte er sich ins Mittelfeld ein, bei gegnerischem Ballbesitz rückte er nach vorne. Werder pendelte damit zwischen einem defensiven 4-4-2 und einem offensiven 4-1-3-2 mit Max Kruse auf der Zehn.

Schon gelesen? Kommentar: Am Ende knallt die Peitsche

Fotostrecke: Fortuna-Flitzer zerlegen Werder-Abwehr

Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © dpa
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © dpa
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © imago images / Jan Huebner
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © dpa

Düsseldorfer Pressing überrumpelt Werder

Friedhelm Funkel stellte seine Düsseldorfer in einem 4-4-2 auf. Mit Rouwen Hennings und Kenan Karaman wählte Funkel einen körperlich robusten Doppelsturm, der Bälle halten und ablegen sollte. Für Tiefe im Düsseldorfer System sollten die Außenstürmer sorgen: Dodi Lukebakio und Benito Raman starteten von den Flügelpositionen in die Tiefe, auch Karaman suchte häufig den Weg in die Spitze.

Es waren jedoch nicht die Außenstürmer, die Bremen in den Anfangsminuten überrumpelten. Vielmehr war es das überraschend hohe Düsseldorfer Pressing, das Werder aus dem Gleichgewicht warf: Düsseldorf presste in der Bremer Hälfte aggressiv in einem 4-2-4. Noch ehe Bremen sich sortiert hatte, stand es bereits 1:0 für Düsseldorf (1.).

Nach einigen Minuten zog die Fortuna sich weiter zurück. Sie lauerten nun im 4-4-2 auf Ballgewinne im Mittelfeld. Werder versuchte, mit ihrer klassischen Angriffsstrategie zum Erfolg zu kommen: Kruse zeigte sich umtriebig und ließ sich aus dem Zehnerraum immer wieder fallen, Werders Achter wiederum starteten in die Spitze und sollten Zuspiele in der Schnittstelle zwischen Außen- und Innenverteidiger erhalten.

Schon gelesen? Einzelkritik und Noten: Moisander und Langkamp viel zu langsam

Die Grafik zeigt Düsseldorfs erfolgreiche Bemühungen, den Flügel gegen Werder zu verteidigen. (Klicken zum Aufklappen)

Fortuna war gut eingestellt auf diese Strategie. Die Düsseldorfer Außen verteidigten engagiert nach hinten und nahmen Bremens Außenverteidiger auf. Ein Sechser rückte auf die ballnahe Seite, um Werders Überzahlbildung zu kontern. Das Aufrücken von Bremens Achtern blieb wirkungslos.

Nach Ballgewinnen überzeugten vor allem Düsseldorfs Sechser Kevin Stöger und Innenverteidiger Kaan Ayhan als Ballverteiler. Vor allem auf Stöger bekam Werder keinen Zugriff, er verteilte die Bälle aus dem Zentrum auf die Flügelstürmer. Insgesamt orientierte sich Bremen im Mittelfeld zu selten am Gegenspieler und ließ große Räume. Karaman nutzte diese zu einem Sololauf und erzielte den Treffer zum 2:0 (22.).

Schon gelesen? Der Bayern-Kater und seine Folgen: Tschüss, Europa?

Kohfeldt stellt mehrfach um

Trotz Kruses Elfmeter-Treffer zum 1:2 (28.) spürte Kohfeldt, dass seine anfängliche Variante nicht funktionierte. Er beorderte Nuri Sahin in die Abwehrkette und Johannes Eggestein wechselte ins Mittelfeld. Werder verteidigte fortan in einem 5-3-2. Die neue Formation stabilisierte die Defensive. Die Fünferkette schloss die Schnittstellen besser gegen Fortunas Außenstürmer. Bremen half, dass Fortunas Flügelflitzer Raman verletzt vom Feld musste (36.). Für ihn kam Aymen Barkok.

In der Halbzeitpause verwarf Kohfeldt sein 5-3-2-System wieder. Yuya Osako kam für Johannes Eggestein ins Spiel. Der Japaner ging auf die Zehner-Position, Kruse rückte auf Rechtsaußen; eine überraschende Wahl, weicht Kruse doch eigentlich vornehmlich auf die linke Seite aus. Auch die Fortuna schien von der neuen Variante überrascht und schwamm fortan defensiv.

Schon gelesen? Sahin und die Referees: „Da könnte ich kochen vor Wut“

Bremen überlud nun vor allem den halbrechten Raum. Theodor Gebre Selassie rückte weit nach vorne und band damit Barkok defensiv. Osako wurde bei den Überladungen auf rechts das Zünglein an der Waage; er stahl sich hinter Düsseldorfs Doppelsechs davon. Zwischen der 45. und der 65. Minute gab Werder fünf Schüsse ab, alle aus guter Position. Sie drückten Fortuna an den eigenen Strafraum.

Blöd für Bremen: Noch während ihrer stärksten Phase fiel Düsseldorfs dritter Treffer (56.). Der angeschlagene Davy Klaassen leitete mit einem Ballverlust einen tödlichen Düsseldorfer Konter ein. Somit musste Werder erneut umstellen. Der eingewechselte Kevin Möhwald (59.) sortierte sich offensiver ein als Klaassen, Osako ging nach halbrechts und Kruse wechselte zurück ins Zentrum. Die neue Variante entfachte jedoch nicht die Offensivgefahr wie die Variante zuvor. Düsseldorf stabilisierte sich nun im tiefen 4-4-2.

Schon mitgemacht? Fan-Noten-Umfrage: Benote die Werder-Profis gegen Düsseldorf

Werder wirft alles nach vorne – vergeblich

Nach Markus Suttners Treffer zum 4:1 (73.) warf Kohfeldt jede Scheu über Bord. Milot Rashica übernahm nach der Einwechslung von Martin Harnik (80., für Ludwig Augustinsson) die Linksverteidiger-Position. Ihn hielt aber nichts mehr hinten. Bremen hatte fünf Angreifer auf dem Feld. Ihre offensive Präsenz versuchten sie mit langen Bällen einzusetzen – vergeblich. Fortuna verteidigte routiniert.

Das war wohl der größte Unterschied an diesem Nachmittag: die Routine. Düsseldorf verteidigte nicht immer stabil, gerade in der zweiten Halbzeit. Sie vertrauten aber darauf, ihre Konterchance zu bekommen – und sie nutzten sie. Bremen fehlte diese Routine im Abschluss. Auch Kohfeldt muss sich vorwerfen lassen, dass die Idee mit dem Wechselspiel von Johannes Eggestein in den ersten dreißig Minuten nicht aufging. So bleibt am Ende eine bittere Niederlage im Kampf um Europa.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Kommentare