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Werder-Trainer Florian Kohfeldt und seine Bremer erarbeiteten sich gegen Leipzig erneut zahlreiche Chancen.

2:3-Niederlage

Viel gewagt, wenig gewonnen: Werder gegen Leipzig in der Taktik-Analyse

Florian Kohfeldt hat im Spiel gegen RB Leipzig viel riskiert – zu viel. Unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher analysiert, warum die taktischen Umstellungen des Werder-Trainers fruchteten, am Ende aber trotzdem eine 2:3-Niederlage stand.

Die Hinrunde ist beendet, und aus taktischer Sicht lässt sich für Bremen als grobes Fazit ziehen: Werder ist jetzt eine Ballbesitz-Mannschaft. In vierzehn von siebzehn Bundesliga-Partien sammelte Werder mehr Ballbesitz als der Gegner. Kohfeldt fordert von seiner Mannschaft, dass sie Ball und Gegner laufen lässt. Auch unter Druck sollen seine Spieler den flachen Pass wählen.

Spielbericht: Werder bei RB Leipzig

Für Teams, die einen solchen Spielstil wählen, gibt es in der Bundesliga einen Endgegner: RB Leipzig. Kein Team vermag es so konsequent, den gegnerischen Spielaufbau zu zerstören. Aggressiv pressen, schnell kontern: Am Leipziger Erfolgsrezept sind in dieser Saison die meisten Ballbesitz-Teams gescheitert, so etwa Gladbach (0:2) oder Hoffenheim (1:2). Werder verkaufte sich im Vergleich zur Konkurrenz überraschend gut. Am Ende blieben aber auch sie beim 2:3 ohne Punkt. Und das hatte taktische Gründe.

Bremen im 4-3-3

Kohfeldt stellte vor der Partie sein taktisches System um. Statt wie in den vergangenen Partien auf ein Rautensystem zu setzen, stellte Kohfeldt seine Mannschaft in einem 4-3-3 auf. Johannes Eggestein und Milos Rashica agierten als einrückende Außenstürmer, Max Kruse wechselte ins Sturmzentrum. Dadurch dass Kruse sich immer wieder fallen ließ, formierte sich Werder zumindest zeitweise in einer Raute.

Ralf Rangnick stellte Bremens Ballbesitzsystem seine bestmögliche Elf entgegen. Taktisch stellte sich Leipzig in einem 4-4-2-System auf. Diese Formation perfektionierte Leipzig in den vergangenen Jahren. Es gibt kaum ein Team auf der Welt, das derart kompakt im Raum verschiebt und im richtigen Moment den Druck erhöht. So lauerte Leipzig auch in diesem Spiel kurz vor der Mittellinie auf Fehler von Werder, um eiskalt zuzuschlagen.

Die Grafik zeigt die Formationen beider Teams und damit auch Werders neue 4-3-3-Formation.

In der Anfangsphase versuchte jedoch auch Werder, schnell und konsequent nach vorne zu spielen. Bremen hoffte, über die Außenstürmer das Leipziger Pressing zu knacken. Diese sorgten bei gegnerischem Druck für Breite auf dem gegenüberliegenden Flügel. Unterstützung bekamen sie von den Achtern, die häufig auf die Flügel starteten. Diese in der Saison häufig angewandte Variante funktionierte gegen Leipzig nicht, da diese die Flügelräume effektiv verdichteten. Zumindest aber verlor Bremen in der Anfangsphase keine Bälle in der eigenen Hälfte.

Fußball als Fehlervermeidungsspiel

Beide Teams neutralisierten sich in den ersten zwanzig Minuten. Leider waren es die Werderaner, die den ersten Fehler begingen. Leipzigs große Stärke im Angriffsspiel ist es, in die Lücken der gegnerischen Abwehrkette zu sprinten. Das wiederum befreit andere Akteure, die aus dem Rückraum nachrücken. Beim 0:1 kam Leipzigs Rechtsverteidiger Lukas Klostermann aus dem Rückraum frei zum Schuss (22.).

Nach dem Führungstreffer veränderte sich die Dynamik des Spiels. Leipzig zog sich ein paar Meter weiter zurück, nach Ballgewinnen spielten sie riskanter nach vorne. Fortan fiel es den Bremern zu, das Spiel in die Hand zu nehmen. Das taten die Bremer auch mit Bravour. Auch unter hohem Druck versuchten sie, sich gegen Leipzig aus der eigenen in die gegnerische Hälfte zu kombinieren. Sie wollten nun vor allem in die Räume des zentralen Mittelfelds gelangen. So viel spielerisches Engagement des Gegners sind die Leipziger nicht mehr gewohnt. Viele Gegner setzen auf lange Bälle, sobald Leipzig den Druck erhöht. So konnten sie ihr Glück kaum fassen, als Werder in der 43. Minute einen Abstoß kurz ausführte. Leipzig zeigte sich perfekt vorbereitet, Timo Werner fing den Rückpass von Kruse ab und schoss das 2:0.

Fotostrecke: Sargents Jubel währt nur kurz - 2:3 in Leipzig

Werder Bremen gegen RB Leipzig.
Werder Bremen gegen RB Leipzig. © gumzmedia
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Werder Bremen gegen RB Leipzig.
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Werder Bremen gegen RB Leipzig.
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Werder Bremen gegen RB Leipzig.
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Werder Bremen gegen RB Leipzig.
Werder Bremen gegen RB Leipzig. © gumzmedia
Werder Bremen gegen RB Leipzig.
Werder Bremen gegen RB Leipzig. © gumzmedia

Kohfeldt wählt die Risikovariante

Aufgeben gehört jedoch nicht zum Vokabular von Florian Kohfeldt. Er stellte offensiv um: Maximilian Eggestein ließ sich nach der Pause von der Sechser-Position in die Innenverteidigung fallen. Bremen baute fortan mit einer Dreierkette auf. Das wiederum erlaubte es den Außenverteidigern, weiter nach vorne zu rücken. Bremen umspielte das Leipziger Pressing nun über die Flügel. Mut und Genauigkeit: Das brachte Werder zurück ins Spiel.

Rangnick reagierte schnell. Mit der Einwechslung von Dayotchanculle Upamecano (58., für Kampl) stellte er auf eine Fünferkette um. Damit konnte Leipzig die Flügelräume besser verteidigen. Kohfeldts Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Mit Yuya Osako (58., für Rashica) sowie Joshua Sargent (66., für J. Eggestein) wechselte er zwei Stürmer ein. Eggestein rückte wieder in den Sechserraum, Kruse in den Zehnerraum. Bremen agierte fortan mit einer Raute.

Werder gegen RB Leipzig in Noten - die Einzelkritik

Diese Variante war recht riskant, verblieben aufgrund der weiterhin offensiv agierenden Außenverteidiger nur noch die beiden Innenverteidiger zur Konterabsicherung. Doch Bremen überzeugte in dieser Phase mit Spielstärke sowie Kreativität. Immer wieder knackten sie Leipzigs Abwehr über die Halbräume. Bremen erkämpfte sich den Ausgleich.

Kohfeldt will zu viel

In der Schlussphase setzte Kohfeldt alles auf eine Karte. Bremen hielt zwar auch nach der Einwechslung von Claudio Pizarro (86., für Davy Klaassen) an der Raute fest. Doch nun waren die Positionen äußerst offensiv besetzt. Kruse agierte als Achter, Osako als Zehner. Bremen wollte den Siegtreffer erzwingen.

Es kam, wie es kommen musste: Leipzig nutzte die freien Räume auf dem Flügel und vor der Bremer Abwehr, um Konter zu fahren. Der Leipziger Siegtreffer fiel nach einer Hereingabe von links.

Zum Jahresabschluss kann sich Bremen rühmen: Sie haben sich im vergangenen Jahr massiv weiterentwickelt. Nur wenige Bundesliga-Teams können mit flachem Passspiel gegen das überragende Pressing von Leipzig bestehen. Nur bringt das am Ende alles nichts, wenn Bremen den Gegner durch vermeidbare Fehler zu Toren einlädt. Auch wenn Kohfeldt die Leistung seiner Mannschaft sicherlich gefallen hat - über drei Punkte unter dem Weihnachtsbaum hätte er sich gewiss mehr gefreut.

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