+
Werder-Trainer Florian Kohfeldt und seine Bremer erarbeiteten sich Vorteile gegen Hoffenheim, eines der taktisch stärksten Teams der Liga.

1:1 gegen 1899 Hoffenheim

Taktik-Analyse: O Tannenbaum, o Tannenbaum - Werder flexibel wie nie

Egal ob Raute, Tannenbaum-Formation oder Fünferkette: Beim 1:1-Unentschieden gegen die TSG Hoffenheim zeigt sich Werder Bremen flexibel wie nie zuvor. Unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher blickt auf das vorletzte Werder-Spiel des Jahres 2018.

Die Ergebnis-Krise hat Werder noch nicht hinter sich gelassen. Die System-Krise schon. Nach einigem Suchen und Fluchen hat Florian Kohfeldt die Raute als neue taktische Formation auserkoren. Mittlerweile haben seine Bremer die neue Formation perfektioniert. Den Beweis lieferte die Partie gegen 1899 Hoffenheim: In Sachen taktischer Flexibilität ließ das Team von Florian Kohfeldt sogar Julian Nagelsmanns Hoffenheimer alt aussehen.

Im Grunde spielt Werder eine klassische Raute, wie sie bereits unter der Ägide von Thomas Schaaf häufig zum Einsatz kam. Yuya Osako agierte gegen Hoffenheim als Zehner hinter einer Doppelspitze aus Max Kruse und Johannes Eggestein. Abgesichert wurden die drei Angreifer von einem Dreier-Mittelfeld. Maximilian Eggestein spielte auf der Sechs vor der Abwehr. Kevin Möhwald und Davy Klaassen verbanden als Achter Abwehr und Angriff.

Raute mit Kniff

Diese Grundformation sah man bei Werder aber nur in wenigen Situationen. Kohfeldts Rauten-System zeichnet sich durch hohe Flexibilität aus. Immer wieder stoßen einzelne Spieler von ihren Positionen nach vorne, während andere Spieler sich zurückfallen lassen. Gerade im Pressing sind die Bremer somit äußerst variabel und können auf die Aktionen des Gegners punktgenau reagieren.

Gegen Hoffenheim stellte Werder diese Flexibilität unter Beweis. Wenn die Hoffenheimer in ihrer Dreierkette den Ball länger laufen ließen, stieß Osako nach vorne. Bremen konterte Hoffenheims 3-5-2-System dann mit einem 4-3-3. In anderen Situationen ließ sich Stürmer Max Kruse etwas fallen. Osako und Kruse agierten dann hinter Johannes Eggestein. Bremen verteidigte in einem 4-3-2-1, einer sogenannten Tannenbaum-Formation. (Denkt man sich den Torhüter hinzu, sieht diese Formation auf der Taktiktafel aus wie ein Weihnachtsbaum.) Mit dieser Formation konnte Bremen die Zuspielwege in Hoffenheims Mittelfeld gut unterbinden.

Die Grafik zeigt Werders flexible Defensivanordnung. Grundsätzlich verteidigten die Bremer in einem Rauten-System. Situativ konnte dies jedoch auch zur Tannenbaum-Formation werden.

Viele Positionswechsel in der Offensive

Auch in der Offensive zeigte sich Werder flexibel. Die drei Stürmer tauschten immer wieder die Positionen, entzogen sich so der Deckung. Bremen griff häufig über die linke Seite an. Kruse wich immer wieder auf diese Seite aus, sorgte hier für Überzahlsituationen mit Linksverteidiger Ludwig Augustinsson. Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie rückte in diesen Situationen von der anderen Seite in den Strafraum.

In der ersten Halbzeit konnte Bremen diese Ansätze noch nicht so stark ausspielen. Hoffenheim lief die Bremer früh an. Die beiden Stürmer störten Werders Viererkette, Andrej Kramaric nahm Maximilian Eggestein in Manndeckung. Häufig musste Bremen sich mit langen Bällen helfen. Schlimmer noch: Durch Gebre Selassies offensive Rolle fehlte er defensiv manches Mal. Dies nutzte Hoffenheims Außenverteidiger Nico Schulz. Der Nationalspieler war der auffälligste Hoffenheimer und leitete auch den Führungstreffer (30.) ein.

Doch nach der Pause musste Hoffenheim das Tempo drosseln. Sie standen nun etwas tiefer in einer 5-3-2-Formation. Nun spielte Werder die Vorteile auf den Flügeln aus. Der Anschlusstreffer gelang ihnen direkt nach der Pause (57.). Auch danach hatten sie den Gegner im Griff, ihrem variablen Pressing und ihrem guten Passspiel sei Dank.

Umstellungen während der zweiten Halbzeit

Nagelsmann stellte daraufhin taktisch um. Kramaric rückte eine Reihe weiter nach vorne, Hoffenheim verteidigte nun in einem offensiveren 5-2-3. Um die eigene Abwehrreihe gegen Hoffenheims Dreier-Sturm zu schützen, ließ sich Maximilian Eggestein in der Folge immer häufiger in die Abwehr fallen. Später agierte er gar durchgängig als dritter Innenverteidiger. Möhwald übernahm nun die Rolle des Sechsers, Osako sowie Johannes Eggestein (bzw. der später für ihn eingewechselte Florian Kainz) agierten als Achter. Bremen kontrollierte das Spiel dank der neuen 5-3-2-Formation; Kohfeldt hatte richtig reagiert.

In der Schlussphase erhöhte Werder den Druck noch einmal. Mit der Einwechslung von Claudio Pizarro (86., für Osako) stellte Kohfeldt zurück auf ein Rautensystem mit einer Viererkette. Bremen stand nun defensiv etwas offener, konnte dafür aber auch eine hohe Angriffswucht entfachen. Doch der Ball wollte einfach nicht ins Tor gehen.

Das ist besonders deshalb schade, weil Bremen eigentlich den Sieg verdient hätte. Gegen eins der taktisch stärksten Teams der Liga erarbeiteten sie sich über weite Strecken der Partie einen taktischen Vorteil. Trotz des Unentschieden bleibt daher ein versöhnliches Fazit: Bremen ist angekommen im neuen System.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare