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Davy Klaassen nutzte den Patzer von Fabian Giefer zum 3:2-Siegtreffer.

Für Kohfeldt „stimmt schon ziemlich viel“

Ein Top-Start und das Wissen, dass es noch besser geht

Augsburg - Etwa 170 Kilometer liegen zwischen Augsburg und Grassau, jener malerischen Marktgemeinde am Chiemsee, in der Werder im Sommer sein Trainingslager aufgeschlagen hatte.

Mit dem Auto ist die Strecke in knapp zwei Stunden zu bewältigen, was am frühen Samstagabend aber gar nicht nötig war, denn Werder-Trainer Florian Kohfeldt holte Grassau direkt in die Katakomben des Augsburger Stadions. „Wenn uns in Grassau jemand gesagt hätte, dass wir nach vier Spieltagen mit acht Punkten dastehen, hätten alle von einem Top-Start gesprochen“, betonte der 35-Jährige, „und genau das ist es jetzt auch.“

Kohfeldt hatte wenige Minuten zuvor die offizielle Pressekonferenz nach Werders 3:2-Auswärtssieg hinter sich gebracht und war dort mit der Einordnung des Spiels nicht einverstanden gewesen. „Ich bin nicht der Meinung, dass wir uns den Sieg hier erschlichen haben“, betonte er in kleinerer Runde gegenüber Bremer Journalisten. „Klar bin ich nicht durchgängig zufrieden, aber es waren wieder gute Phasen da.“ Mit diesem Satz lieferte der Trainer eine Art Blaupause von allen vier Saisonspielen seines Teams.

Phasen, in denen auf einmal gar nichts mehr stimmt

Werder spielt in der Serie 2018/2019 bisher guten Fußball, lässt Ball und Gegner laufen und dabei eine klare Raumaufteilung erkennen – Kohfeldts Handschrift, sein Plan, den er mit dem Kader während der Vorbereitung erarbeitet hat, zeichnet sich deutlich ab. Nur eben nicht über die vollen 90 Minuten. Sowohl gegen Hannover (1:1), in Frankfurt (2:1), gegen Nürnberg (1:1) und nun auch in Augsburg (3:2) gibt es im Bremer Spiel immer wieder Phasen, in denen auf einmal gar nichts mehr stimmt. Diese Phasen, sie kommen plötzlich und auf den ersten Blick ohne erkennbaren Grund. Wie jüngst in Augsburg, als die Bremer aus einer komfortablen und etwas überraschenden 2:0-Führung binnen zwei Minuten Netto-Spielzeit ein 2:2 machten. Am Ende ging es glimpflich aus, in der Vorwoche hatte so eine Phase gegen Nürnberg zwei Punkte gekostet.

„Wir haben uns irgendwann leider überlegt, dass wir hier doch etwas Spektakel bieten wollen“, sagte Kohfeldt. Er klang dabei entspannt, schließlich argumentierte er nach dem Schlusspfiff aus der Rolle des Siegers heraus. Das bedeutet aber nicht, dass dem Trainer entgangen wäre, woran er mit seiner Mannschaft noch arbeiten muss. „Natürlich gibt es für uns noch einiges zu tun. Wir hinterfragen uns immer kritisch und werden das auch weiterhin tun.“ Erstes Ergebnis dieser Analyse: „Wenn man die einzelnen Spiele betrachtet, gibt es immer wieder Abschnitte, in denen wir noch konsequenter sein müssen.“

Werder Bremen feiert den glücklichen 3:2-Sieg gegen den FC Augsburg.

Nun war Kohfeldt am frühen Samstagabend natürlich weit davon entfernt, seine Spieler öffentlich zu sehr zu kritisieren. Das wäre auch unangemessen gewesen, denn in Augsburg dürften nicht allzu viele Vereine gewinnen. Ob glücklich oder nicht – Werder hat es geschafft. Die Mannschaft hat sich aus ihrer schwachen Phase befreit. Kurz nach dem 2:2 hatte Kohfeldt die Bremer Grundordnung in ein 3-6-1 geändert.

Der Plan: Max Kruse sollte sich um Augsburgs Zehner Daniel Baier kümmern, somit den Spielaufbau der Hausherren einschränken, was funktionierte. Genau das ist eines von Kohfeldts großen Themen. Seine Mannschaft soll zwar dominanten Ballbesitzfußball zeigen, im Notfall aber auch auf den Gegner reagieren können. Dass der Auftritt seiner Elf erneut nicht durchgängig rund lief, ist für den Trainer ganz normal. Im Grunde sei es eine Frage der Zeit, bis die erwähnten schlechten Phasen kürzer werden oder vielleicht sogar ganz verschwinden.

Kohfeldt: „Schön, nicht gleich das Messer am Hals zu haben“

„Wenn man sich das Spiel im Detail ansieht, stellt man fest, dass Struktur und Staffelungen bei uns immer da sind. Es stimmt schon ziemlich viel“, betonte Kohfeldt – und forderte: „Jetzt müssen wir das nur noch richtig anspielen und ins Tempo kommen.“ Es sei bei turbulenterem Spielverlauf durchaus zu merken, dass etwa „Maxi Eggestein und Davy Klaassen noch keine 30 Spiele zusammen gemacht haben“. Die Feinheiten müssten sich da noch finden – und nicht nur das: Auch die Profis müssten sich daran gewöhnen, dass ob des stärkeren Kaders „ganz neue Möglichkeiten da sind“, sagte Kohfeldt.

Für den es sicher kein schlechtes Gefühl ist, dass seine Mannschaft punktet, auch wenn sie zwischendurch noch wackelt, denn das ist sicher nicht die schlechteste Voraussetzung, um dauerhaft in oberen Tabellenregionen zu bleiben. „Es ist schön, nicht gleich nach dem Start das Messer am Hals zu haben“, sagte der Trainer. Er klang dabei ein weiteres Mal ziemlich entspannt und überzeugt.

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