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Werder-Trainer Florian Kohfeldt hält größte Stücke auf seinen Kapitän Max Kruse.

Kapitän Kruse in sehr guter Verfassung

Kohfeldt: „Max fordert mich am meisten“

Bremen – Der Pass, der die „96“-Abwehr teilte wie Mose das Meer, war mal wieder einer dieser besonderen Max-Kruse-Momente. Fußballerische Extraklasse, dargeboten mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt. Mit einer Aktion hebelte der Werder-Kapitän die gesamte gegnerische Defensive aus und leitete so den Spielzug ein, an dessen Ende beim 1:0-Sieg über Hannover 96 das Tor durch Milot Rashica stand.

Kruse kann es einfach, sagten danach jene, die auch nicht an ihm gezweifelt hatten, als es in der Hinrunde nicht so lief für den 30-Jährigen. Er kann es, gaben auch die Kritiker und Zweifler zu – schränkten aber ein: Nicht immer, aber wieder immer öfter.

Kruse setzt nach der Winterpause seinen noch am Ende der Hinrunde eingeleiteten Aufschwung tatsächlich fort. Das freut natürlich Trainer Florian Kohfeldt am meisten, denn er hat immer zu Kruse gehalten. Auch als dessen Form nicht die beste war, eine Kilo- und Fitnessdebatte entbrannte und Kohfeldt sich fragen lassen musste, warum er ausgerechnet den nicht immer pflegeleichten Ex-Nationalspieler zum Kapitän des SV Werder ernannt hatte. Diese Frage beleuchtete der Bremer Coach im Fußball-Talk „Sky 90“ mit einigen bemerkenswert offenen Aussagen.

Kruses Weg zum Kapitän

So ist es im Sommer zwischen Kohfeldt und Kruse zu einem Dialog gekommen, den der Coach so wiedergibt: „Ich habe ihn gefragt, wieso er Kapitän werden will. Ich habe ihm gesagt: ,Du hast doch alles, du bist gesetzt, hast alle Privilegien bei mir. Als Kapitän halst du dir nur Pflichten auf.‘ Aber Max hat einfach nur gesagt: ,Ich brauche das für mich.‘“ Also ist Kruse der Kapitän geworden.

Der einfachere Weg für Kohfeldt wäre es wohl gewesen, Niklas Moisander, dem Staatsmann unter den Profis, die Binde zu geben. Denn eins ist Kruse eben nicht: stromlinienförmig. Kohfeldt bestätigt das auf seine Weise: „Max fordert mich am meisten. Aber ich wachse auch am stärksten an ihm. Er ist ein unbequemer Spieler, aber was ich am meisten an ihm schätze: Er sagt, was er denkt, macht nichts von hintenrum und betreibt keine politischen Spielchen.“

Max Kruse: Seine Karriere in Bildern

Max Kruse spielt zum zweiten Mal für die Bremer. In der Jugend kickte der Angreifer für den SC Vier- und Marschlande, 2006 wechselte er in die U19 des SV Werder.
Max Kruse spielt zum zweiten Mal für die Bremer. In der Jugend kickte der Angreifer für den SC Vier- und Marschlande, 2006 wechselte er in die U19 des SV Werder. © Gumz
Sein Bundesliga-Debüt bei den Werder-Profis gab Kruse unter Trainer Thomas Schaaf am 29. September 2007 gegen Arminia Bielefeld.
Sein Bundesliga-Debüt bei den Werder-Profis gab Kruse unter Trainer Thomas Schaaf am 29. September 2007 gegen Arminia Bielefeld. © imago
Werder feierte einen 8:1-Kantersieg, Kruse konnte Sturmkollege Markus Rosenberg ein Tor auflegen. Hier jubeln beide nach dem Treffer.
Werder feierte einen 8:1-Kantersieg, Kruse konnte Sturmkollege Markus Rosenberg ein Tor auflegen. Hier jubeln beide nach dem Treffer. © imago
Der Durchbruch gelang dem Angreifer in Bremen aber nicht. Kruse wechselte 2009 von der Weser nach Hamburg zum FC St. Pauli.
Der Durchbruch gelang dem Angreifer in Bremen aber nicht. Kruse wechselte 2009 von der Weser nach Hamburg zum FC St. Pauli. © imago
Bei den „Kiezkickern“ hielt es den gebürtigen Hamburger drei Jahre, dann folgte der Wechsel zum SC Freiburg.
Bei den „Kiezkickern“ hielt es den gebürtigen Hamburger drei Jahre, dann folgte der Wechsel zum SC Freiburg. © imago
Die Freiburger reichten Kruse nach einer Saison weiter an Borussia Mönchengladbach. Dort spielte der Stürmer bis 2015, ehe sich der VfL Wolfsburg die Dienste des Offensivmannes sicherte.
Die Freiburger reichten Kruse nach einer Saison weiter an Borussia Mönchengladbach. Dort spielte der Stürmer bis 2015, ehe sich der VfL Wolfsburg die Dienste des Offensivmannes sicherte. © imago
Im August 2016 dann die Rückkehr. Kruse unterschrieb beim SV Werder.
Im August 2016 dann die Rückkehr. Kruse unterschrieb beim SV Werder. © gumzmedia
Nach einer langen Verletzungspause zu Beginn der Saison startete Kruse richtig durch. Allein in der Rückrunde erzielte der Stürmer 13 Tore.
Nach einer langen Verletzungspause zu Beginn der Saison startete Kruse richtig durch. Allein in der Rückrunde erzielte der Stürmer 13 Tore. © gumzmedia
Beim 4:2-Sieg gegen den FC Ingolstadt am 30. Spieltag gelang dem begehrten Torjäger sogar ein Viererpack - sorgte im Alleingang für drei Punkte.
Beim 4:2-Sieg gegen den FC Ingolstadt am 30. Spieltag gelang dem begehrten Torjäger sogar ein Viererpack - sorgte im Alleingang für drei Punkte. © gumzmedia
Zu Beginn der Saison 2017/18 lief es aber noch nicht so rund - und Kruse brach sich am vierten Spieltag sein Schlüsselbein. Nur fünf Wochen später stand er aber schon wieder auf dem Platz.
Zu Beginn der Saison 2017/18 lief es aber noch nicht so rund - und Kruse brach sich am vierten Spieltag sein Schlüsselbein. Nur fünf Wochen später stand er aber schon wieder auf dem Platz. © gumzmedia
Im vierten Spiel nach seiner Verletzung war er dann wieder komplett zurück: Kruse gelang ein lupenreiner Hattrick beim 4:0-Sieg über Hannover 96 am zwölften Spieltag.
Im vierten Spiel nach seiner Verletzung war er dann wieder komplett zurück: Kruse gelang ein lupenreiner Hattrick beim 4:0-Sieg über Hannover 96 am zwölften Spieltag. © gumzmedia
Max Kruse ist nun nicht mehr nur Torjäger sondern agiert in der Saison 2017/18 viel zwischen den Abwehrlinien als Ballverteiler.
Max Kruse ist nun nicht mehr nur Torjäger sondern agiert in der Saison 2017/18 viel zwischen den Abwehrlinien als Ballverteiler. © gumzmedia
Im August 2018 ernannte Trainer Florian Kohfeldt Max Kruse zum neuen Werder-Kapitän.
Im August 2018 ernannte Trainer Florian Kohfeldt Max Kruse zum neuen Werder-Kapitän. © gumzmedia

„Max weiß alles über Fußball“

Geradeaus denken, geradeaus handeln – ein bisschen so war auch der Pass vor dem 1:0. Für solche Aktionen werden Spieler gefeiert, Coach Kohfeldt sieht eine große Stärke aber auch in dessen Gespür für Veränderungen auf dem Platz. „Max ist taktisch enorm gut. Er weiß alles über Fußball. Und wenn ich etwas umstelle auf dem Platz, muss ich ihm nichts erklären.“ Kruse wisse von selbst, worum es geht. „Das gilt genauso für Niklas Moisander“, meint Kohfeldt.

Ein Punkt fehlt noch, den Kohfeldt bei der Kapitänsentscheidung vor einem halben Jahr auf die Pro-Kruse-Seite geschrieben hat: die Fähigkeit, quasi mit jedem Kollegen gut auszukommen. Kohfeldt: „Max ist sehr beliebt im Team, weil er sehr integrativ arbeitet. Da gibt es keinen Neid.“

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