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Werder Bremen hat nach drei Unentschieden in Folge am Freitag gegen den FC Schalke 04 mal wieder einen Sieg in der Bundesliga gefeiert.

Nach 4:2-Sieg gegen Schalke 04

Triumph ohne Triumphgefühl

Bremen – Das Konzert des Klickens hatte nichts von einer Symphonie. Eher etwas von Maschinengewehrfeuer. Klick, klick, klick – immer wieder, bei jeder Veränderung der Mimik bei Domenico Tedesco. Jeder Schuss der gut ein Dutzend Kameras ein Versuch, den Hot Shot der Verzweiflung im Gesicht des Schalke-Trainers zu finden.

Zwar war ihm kurz nach dem 2:4 bei Werder Bremen am Freitagabend durch den neuen Sportvorstand Jochen Schneider „eine Trendwende in der Leistung“ zugestanden und deshalb der Rücken gestärkt worden, dennoch blieb der Coach von S04 das Lieblingsmotiv der Fotografen. So laut und mitleidlos war das Klicken, das selbst die Ausführungen von Florian Kohfeldt übertönt wurden. Und der Werder-Coach zeigte sich nach einem Spiel, das für ihn ein überaus wichtiges Ergebnis geliefert hatte, ob des Drucks, dem der Kollege derzeit ausgesetzt ist, überhaupt nicht in Feierlaune.

Kohfeldts nach außen getragene Stimmung stand sogar im krassen Gegensatz zum Resultat. „Es gehört sich nicht, jetzt hier triumphierend zu sitzen“, erklärte der 36-Jährige und bewies damit Mitgefühl für eine Schalker Mannschaft und einen Schalker Trainer, die unter dem Bremer Flutlicht gemeinsam mehr verdient gehabt hätten, als mit der nächsten Niederlage auf dem Konto und einer schlimmen Nachricht aus der medizinischen Abteilung in der Krise zu verharren. Dass Minuten vor Beginn der Pressekonferenz die Nachricht vom Wadenbeinbruch bei Daniel Caligiuri die Runde machte, drückte zusätzlich auf die Stimmung. Bei Tedesco, bei Kohfeldt.

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„Schalke hat hier leidenschaftlich gespielt. Aber es war ein Tag, an dem vieles gegen sie gelaufen ist. Ich kann da gut mitfühlen“, sagte der Bremer und hatte neben der ausgerechnet durch Werder-Comebacker Fin Bartels unfreiwillig bewirkten Verletzung gleich eine Reihe von weiteren Szenen im Sinn. Die Schalker Chancen zum Beispiel, nach dem 1:0 durch Breel Embolo (26.) auf 2:0 zu erhöhen. „Das wäre möglich gewesen, so ehrlich muss man sein“, gab Kohfeldt zu. Oder der Bremer Ausgleich durch Milot Rashica (31.), der trotz einer nicht ganz klaren, aber doch ahndungswürdigen Abseitsstellung von Claudio Pizarro zählte.

Und dann noch das Foul an Max Kruse, das einen Elfmeter und das 2:1 durch den Gefoulten brachte, aber erst nach intensiven Studium der Videobilder erkannt und bestraft worden war (51.). „Nuancen“ nannte Tedesco diese Szenen später: „Ich möchte die Niederlage nicht auf den Schiedsrichter schieben.“ Das ehrt ihn und zeigt, dass er auch in schweren Momenten nicht durchdreht.

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Schiedsrichter entscheidet knappe Situationen für Werder

Kohfeldt indes wusste es einzuschätzen, dass sein Team im etwas überdramatisiert zum „Endspiel um Europa“ erhobenen Match jenes Glück hatte, das es braucht, um in engen Partien maximalen Erfolg zu haben. Allerdings nahm er auch für sich in Anspruch, dass die entscheidenden Szenen keine Geschenke des Schicksals waren. 

Sondern eben knappe Bewertungen zu Gunsten seiner Mannschaft: „Es war ein wirklich schweres Spiel. Aber der Elfmeter war ein Elfmeter, weil Bruma Kruse in der Szene trifft. Beim ersten Tor kann man über aktives oder passives Abseits reden. Ich bin aber ein großer Fan davon, das laufen zu lassen. Und da verweise ich auch auf meine Aussage aus der letzten Woche.“ Werder hatte beim 1:1 in Wolfsburg ein Gegentor kassiert, bei dem sich zwei Gegner im Grenzgebiet zwischen aktivem und passivem Abseits bewegt hatten. Kohfeldt: „Ich habe da schon gesagt, dass es in Ordnung war, und jetzt sage ich das Gleiche.“

Gefühl des Gewinnenkönnens zurückgeholt

Fakt ist: Mit der Führung im Rücken spielte es sich leichter für die Bremer, die zuvor von den Schalkern überrascht worden waren. Dass die Gäste die Raute im Mittelfeld spiegelten, „darauf waren wir nicht so gut vorbereitet“, räumte Kohfeldt ein, „das haben sie vorher nicht so oft gemacht.“ Letztlich kam Werder aber doch klar damit, erhöhte durch Rashica auf 3:1 (73.) und konterte den Anschlusstreffer durch Embolo (85.) mit dem 4:2 durch Martin Harnik (90.+4). „Wir hatten vielleicht ein bisschen zu früh nachgelassen“, kommentierte Mittelfeldmann Davy Klaassen die spannende Schlussphase, „deshalb wird es nochmal knapp.“ Aber schlussendlich „war der Sieg verdient“, urteilte der Niederländer.

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Der Wert des Triumphs ohne trainerliche Triumphgefühle ist dieser: Nach drei Unentschieden in Folge haben sich die in der Rückrunde weiter ungeschlagenen Bremer wieder das Gefühl des Gewinnenkönnens zurückgeholt und den Anschluss an die internationalen Plätze gehalten. Nicht mehr, nicht weniger. Harnik ordnete das Ganze sogar als „Pflichtsieg“ ein, „wenn wir über Europa sprechen wollen“. Florian Kohfeldt wollte das, nachdem das Konzert des Klickens im Medienraum beendet war, nicht mehr machen. Sein Satz zur Einschätzung der Lage: „Wir wollen Spiele gewinnen, das ist alles.“

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