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Josh Sargent (Mitte) gelang der zwischenzeitliche 2:2-Ausgleich für Werder. 

Werder spielt in Leipzig richtig gut – aber am Ende steht ein 2:3

Was fehlt, ist der Lohn

Leipzig - „Leise rieselt der Schnee“ gehört zweifellos zu den Klassikern unter den Weihnachtsliedern. Diese ruhige Melodie, dieser besinnliche Text, ein musikalisches Innehalten, wenn man so möchte. Kurz vor dem Fest hat das Lied also absolute Daseinsberechtigung.

Nur am frühen Samstagabend, tief in den Katakomben des Leipziger Stadions, da passte es überhaupt nicht, da bildete es den größtmöglichen Kontrast zur Stimmungslage bei Werder Bremen. Mit 2:3 (0:2) hatte die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt soeben das letzte Spiel des Jahres bei RB Leipzig verloren – von festlicher Stimmung war bei den Bremer Profis absolut keine Spur zu entdecken. Daran änderte auch die musikalische Weihnachtsoffensive der Stadionregie nichts.

Abgezocktheit fehlt Werder

„Wir hätten dieses Spiel deutlich gewinnen können“, haderte Werders angesäuerter Kapitän Max Kruse, „dazu hat uns in den entscheidenden Momenten aber die Abgezocktheit gefehlt.“ Es war eine erste Analyse, geäußert kurz nach dem Abpfiff, noch mit Gras im Gesicht. Und dennoch traf sie den Nagel voll auf den Kopf. Werder hatte sich beim Spitzenteam aus Leipzig mehr als gut verkauft, hatte dem Gegner spielerisch Paroli geboten, hatte sich in den entscheidenden Momenten aber Fehler geleistet. 

Folgenschwere Fehler. Los ging das in der Offensive, wo die Bremer in einer guten Anfangsphase beste Chancen ungenutzt ließen. Allein Milot Rashica hätte zweimal für die Führung sorgen müssen (8./14.), ließ seine Möglichkeiten aber wie schon gegen Hoffenheim ungenutzt. „Wir müssen in so einem Spiel einfach mal in Führung gehen“, betonte Sportchef Frank Baumann. Trainer Florian Kohfeldt hielt fest: „Macht Milot das 1:0, läuft das Spiel ganz anders.“ 

Milot Rashica vergab wie schon gegen Hoffenheim gleich mehrere Hochkaräter.

Mitten in eine Phase hinein, in der die Bremer alles im Griff zu haben schienen, gerieten sie dann in Rückstand. Nach Pass von Kevin Kampl marschierte Lukas Klostermann unbedrängt aufs Werder-Tor zu und drosch den Ball unter die Latte (22.). „Da machen wir ihm die Bahn komplett frei“, ärgerte sich Baumann mit Blick auf Kevin Möhwald, der auf jedwedes Stören verzichtet hatte. Werder wackelte nun etwas, benötigte etwas Zeit, um wieder in die Spur zu finden – und hatte Glück, dass Timo Werner den Ball über das Tor hob (31.) und Ibrahima Konate seinen Schuss zu hoch ansetzte (35.).

„Es war die einzige Phase des Spiels, in der wir in meinen Augen nicht die bessere Mannschaft waren“, sagte Kohfeldt, dessen Team sich dann berappelte und durch Sebastian Langkamp (38./42.) zweimal hätte zum Ausgleich kommen können. Der zweite Treffer des Nachmittags fiel aber wiederum auf der anderen Seite. Nach völlig verunglücktem Rückpass von Kruse brauchte Werner den Ball nur noch an Jiri Pavlenka vorbeizulegen und einzuschieben - 2:0 (44.). „Ich habe mich angeboten, den Ball bekommen und versucht, ihn zurückzuspielen. Das ging leider schief“, sagte Kruse. 

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Werder mit starker Aufholjagd - ohne Belohnung

Genau wie seine Teamkollegen ließ sich der Kapitän vom neuerlichen Rückschlag aber nicht beirren – ganz im Gegenteil. Werder kam wie schon beim 1:1 gegen Hoffenheim mit großer Wucht aus der Kabine. Zunächst traf Kruse nach Vorarbeit von Theodor Gebre Selassie (67.), dann der eingewechselte Josh Sargent nach Pass des ebenfalls eingewechselten Yuya Osako (78.) – und Werder war wieder im Spiel. „Die Mannschaft hat erneut tolle Moral gezeigt“, lobte Baumann. Und die Mannschaft wollte mehr. Kohfeldt wechselte in der Schlussphase ein weiteres Mal offensiv, brachte Claudio Pizarro für Davy Klaassen (86.), „weil wir dieses Spiel noch gewinnen wollten“. 

Ein Plan, der misslang. Nach einem Einwurf versetzte Bruma Werder den Knockout – 3:2 für Leipzig (87.). Besonders bitter: Der Ball rutschte Pavlenka durch die Beine. Von einer am Ende zu riskanten Spielweise wollte Kohfeldt nichts wissen: „Dieses Tor hätten wir auch kassieren können, wenn wir uns hinten rein gestellt hätten.“ Was blieb, war die Niederlage und die unumstößliche Tatsache, dass Werder aus den vergangenen neun Spielen nur fünf Punkte geholt hat.

„Für die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, haben wir in der Hinrunde zu wenig Punkte geholt“, sagte der Trainer. 22 sind es, sie bedeuten aktuell Platz zehn. Gewinnt Mainz heute in Hoffenheim würde Werder noch einen Rang abrutschen. Am Saisonziel Europa ändert sich in Bremen aber nichts. „Nein, da wird nichts revidiert“, betonte Kohfeldt, der sich nach dem Spiel in der Kabine bei seinen Spielern bedankt hatte. 

„Für das Vertrauen, dass sie mir entgegengebracht haben und dafür, dass sie diesen Weg mitgehen, ihm bedingungslos folgen.“ Offensiv spielen, an die eigenen Stärken glauben, egal wo. So will Werder auch 2019 auftreten. „Und dann bin ich mir sicher, dass wir mehr Punkte als in der Hinrunde holen und unser Ziel erreichen werden“, betonte Kohfeldt. Und plötzlich, wie von Zauberhand, passte dieses „Leise rieselt der Schnee“, doch wieder ganz gut.

Fotostrecke: Sargents Jubel währt nur kurz - 2:3 in Leipzig

Werder Bremen gegen RB Leipzig.
Werder Bremen gegen RB Leipzig. © gumzmedia
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