+
Gut gespielt, zu wenig geholt: Bei Werders Profis vermischte sich nach dem 1:1 gegen Hoffenheim der Stolz über die eigene Leistung mit der Enttäuschung darüber, dass es trotz bester Chancen nur zu einem Remis gereicht hatte.

Der 45-Minuten-Rausch

Werder zeigt gegen Hoffenheim sein großes Potenzial – aber auch, woran es noch fehlt

Bremen - Die Analyse begann noch auf dem Platz, direkt nach dem Abpfiff: Claudio Pizarro hatte offenbar Redebedarf. Zielstrebig ging der Peruaner nach Werders 1:1 gegen Hoffenheim auf seinen Mitspieler Johannes Eggestein zu, nahm ihn kurz in den Arm und deutete dann kopfschüttelnd mehrfach auf den Strafraum vor der Ostkurve, der kurz zuvor Schauplatz etlicher Bremer Chancen geworden war.

Dass nur eine davon ihren Weg ins Tor gefunden hatte – Pizarro war am Mittwochabend bei Weitem nicht der Einzige, der das nicht fassen konnte. Während der zweiten Halbzeit hatten sich die Gastgeber in einen regelrechten Rausch gespielt. Es waren 45 Minuten, die ab sofort als Blaupause dafür dienen dürften, wie Werder Fußball spielen will. Es waren aber auch 45 Minuten, die aufgezeigt haben, was noch besser werden muss, damit das dauerhaft Erfolg bringen kann.

„Heute war zu sehen, was möglich ist, was wir inzwischen systematisch leisten können“ – Werder-Trainer Florian Kohfeldt hatte auch um kurz vor Mitternacht noch nichts von der Begeisterung über den Auftritt seiner Mannschaft eingebüßt. Im Medienraum des Weserstadions redete er auch lange nach dem Abpfiff noch voller Stolz über das, was er während der zweiten Hälfte des Spiels zu sehen bekommen hatte.

Einzelkritik: Rashica wird zum Chancentod - Werder in Noten

Werder hatte die Gäste aus Hoffenheim nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte im zweiten Durchgang phasenweise an die Wand gespielt. Für Kohfeldt wäre es am Ende gar die beste Halbzeit der Saison gewesen, „wenn wir noch drei Tore mehr geschossen hätten.“ Schließlich blieb es aber beim einen Treffer von Theodor Gebre Selasse (57.), der Hoffenheims Führung durch Leonardo Bittencourt (30.) egalisiert hatte. „Wir hätten drei Punkte holen müssen“, haderte Linksverteidiger Ludwig Augustinsson, „Hoffenheim hat in der Champions League gespielt, und wir waren die bessere Mannschaft.“ Für solche Vorstellungen müsse man sich am Ende auch belohnen.

Dass es nicht gelang, lag vor allem daran, dass Werder sträflich mit seinen Möglichkeiten umgegangen war. Allein Joker Milot Rashica hätte das Spiel in der Schlussphase zwei Mal entscheiden müssen. Bei Kohfeldt war die Enttäuschung über den verpassten Heimsieg entsprechend groß („Natürlich bin ich nicht zufrieden, ich wollte das Spiel gewinnen“), noch größer war allerdings der Stolz auf seine Spieler.

Taktik-Analyse: O Tannenbaum, o Tannenbaum - Werder flexibel wie nie

Kohfeldt: „Wir müssen vor dem Tor kälter werden“

„Die Leistung war ja kein Zufall. Sie war eine Bestätigung unseres grundsätzlichen Weges“, betonte der Trainer. „Jeder, der unsere Spiele in den letzten Wochen gesehen hat, hat heute ganz viel wiedererkannt.“ Spielkontrolle auf der einen, Aktivität und Mut auf der anderen Seite – „man sieht einfach, dass das auch auf diesem Niveau sehr gut durchzubringen ist und dass es die Wahrscheinlichkeit auf Siege erhöht“, sagte er.

Der Chancenwucher seines Teams war Kohfeldt zwar auch nicht entgangen, er sieht ihn aber als Problem, das sich lösen lässt. „Wir kommen ja aus den Räumen in die Tiefe und haben Chancen. Nur müssen wir vor dem Tor einfach kälter werden. Ich glaube, dass man das durch wiederkehrende Muster im Training verbessern kann.“ Bereits in den vergangenen Wochen hatte Werder die Arbeit daran intensiviert. Nun soll sie möglichst im letzten Spiel des Jahres bei RB Leipzig Früchte tragen. „Wir fahren da hin und wollen sie packen“, sagte Kohfeldt.

Die Werder-Noten gegen Hoffenheim im Vergleich

Hier findet ihr die Noten-Übersicht zum Spiel.
Hier findet ihr die Noten-Übersicht zum Spiel. © gumzmedia
Jiri Pavlenka - DeichStube: 2,5, Kicker: 2,5, Mein Werder: 2 , Bild: 3, Durchschnitt: 2,5
Jiri Pavlenka - DeichStube: 2,5, Kicker: 2,5, Mein Werder: 2 , Bild: 3, Durchschnitt: 2,5 © imago
Theodor Gebre Selassie - DeichStube: 3, Kicker: 3, Mein Werder: 3, Bild: 2, Durchschnitt: 2,75
Theodor Gebre Selassie - DeichStube: 3, Kicker: 3, Mein Werder: 3, Bild: 2, Durchschnitt: 2,75 © imago
Sebastian Langkamp - DeichStube: 2,5, Kicker: 4, Mein Werder: 3, Bild: 3, Durchschnitt: 3,125
Sebastian Langkamp - DeichStube: 2,5, Kicker: 4, Mein Werder: 3, Bild: 3, Durchschnitt: 3,125 © imago
Niklas Moisander - DeichStube: 2,5, Kicker: 3, Mein Werder: 3, Bild: 3, Durchschnitt: 2,875
Niklas Moisander - DeichStube: 2,5, Kicker: 3, Mein Werder: 3, Bild: 3, Durchschnitt: 2,875 © gumzmedia
Ludwig Augustinsson - DeichStube: 3, Kicker: 2, Mein Werder: 2, Bild: 3, Durchschnitt: 2,5
Ludwig Augustinsson - DeichStube: 3, Kicker: 2, Mein Werder: 2, Bild: 3, Durchschnitt: 2,5 © imago
Maxi Eggestein - DeichStube: 2,5, Kicker: 2,5, Mein Werder: 3, Bild: 4, Durchschnitt: 3
Maxi Eggestein - DeichStube: 2,5, Kicker: 2,5, Mein Werder: 3, Bild: 4, Durchschnitt: 3 © imago
Kevin Möhwald - DeichStube: 3,5, Kicker: 3, Mein Werder: 3, Bild: 3, Durchschnitt: 3,125
Kevin Möhwald - DeichStube: 3,5, Kicker: 3, Mein Werder: 3 , Bild: 3, Durchschnitt: 3,125 © imago
Davy Klaassen - DeichStube: 4, Kicker: 4, Mein Werder: 4, Bild: 3, Durchschnitt: 3,75
Davy Klaassen - DeichStube: 4, Kicker: 4, Mein Werder: 4, Bild: 3, Durchschnitt: 3,75 © imago
Yuya Osako - DeichStube: 4, Kicker: 3,5, Mein Werder: 4 , Bild: 5, Durchschnitt: 4,125
Yuya Osako - DeichStube: 4, Kicker: 3,5, Mein Werder: 4 , Bild: 5, Durchschnitt: 4,125 © imago
Johannes Eggestein - DeichStube: 2,5, Kicker: 3,5, Mein Werder: 2, Bild: 3, Durchschnitt: 2,75
Johannes Eggestein - DeichStube: 2,5, Kicker: 3,5, Mein Werder: 2, Bild: 3, Durchschnitt: 2,75 © gumzmedia
Max Kruse - DeichStube: 2, Kicker: 2,5, Mein Werder: 3, Bild: 3,  Durchschnitt: 2,625
Max Kruse - DeichStube: 2, Kicker: 2,5, Mein Werder: 3, Bild: 3,  Durchschnitt: 2,625 © gumzmedia

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Kommentare