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Erst die Demonstration auf dem Platz, dann vor den Fans: Max Kruse und Co. sprühen momentan nur so vor Selbstvertrauen und beeindrucken mit tollem Fußball sowie sehr guten Ergebnissen.

Über Europa-Träume lacht Werder-Coach Kohfeldt

Das Ziel: Lernen von den Spitzenteams

Augsburg/Bremen - Um den Erfolg der Arbeit von Florian Kohfeldt mal etwas anders zu dokumentieren, taugt ein Gesprächsschnipsel vom Samstagnachmittag in den Katakomben der Augsburger WWK-Arena ganz gut.

Kohfeldt war gerade dabei, glücklich den 3:1-Sieg des SV Werder zu reflektieren, als das Wort Europa fiel. Reaktion: ein kurzes Lachen. Das sollte wohl ausdrücken, dass der Einzug ins internationale Geschäft eine verwegene Vorstellung sei. Wobei: Wer die Wandlung des Teams zwischen dem Hinspiel und dem Rückspiel gegen den FC Augsburg betrachtet, muss einfach erkennen, dass Werder mittlerweile viel mehr Eigenschaften eines Top-6-Teams zeigt als die eines Abstiegskandidaten.

Kruse: „Das sah sehr gut aus“

Kohfeldts Lachen kann also auch Dank für das Kompliment gewesen sein, seinem Team tatsächlich noch den Sprung ins obere Tabellendrittel zuzutrauen. Dass davon in der laufenden Saison noch die Rede sein würde, war am 29. Oktober 2017 pure Utopie gewesen. Eine Spinnerei. Mit 0:3 hatte Werder an diesem Tag das Hinspiel gegen den FCA verloren und dabei das Bild einer Mannschaft abgegeben, die am Ende ist.

Die sich planlos, mutlos, leidenschaftslos ihrem Schicksal ergab. Dass dieses Schicksal Abstieg heißen würde, schien absolut klar. Doch dann kam Kohfeldt, beerbte den entlassenen Alexander Nouri und setzte eine Entwicklung in Gang, die im Rückspiel gegen Augsburg zu einer der besten Halbzeiten der letzten Jahre führte. „Das sah sehr gut aus“, freute sich Max Kruse über de 45-Minuten-Gala und machte klar, dass er von Vorstellungen wie dieser längst nicht mehr überrascht ist: „Wir haben auch in den letzten Wochen gezeigt, dass wir guten Fußball spielen können.“

Mit seinem Treffer in der 82. Minute hatte Kruse die Partie entschieden. Die Grundlage zum dritten Sieg in den vergangenen vier Partien und zum 250. Bremer Auswärtssieg in der Bundesliga hatte zuvor Ishak Belfodil mit dem ersten Bundesliga-Doppelpack seiner Karriere (5./40.) gelegt. Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer durch Rani Khedira brachte die Bremer noch in Gefahr, letztlich stand da aber der Erfolg, an dessen Berechtigung es keinen Zweifel gab und der weitere drei Punkte auf das Kohfeldt-Konto spülte.

Von Augsburg bis Augsburg – in diesen 17 Spielen hat der Coach gegen jeden Bundesligisten gespielt, er hat dabei mit der Mannschaft 28 Punkte geholt. Rechnet man das auf eine komplette Saison hoch, kämen 56 Zähler dabei heraus. Das hätte in der vergangenen Saison zu Platz fünf gereicht. Florian Kohfeldt mag diese Hochrechnungen jedoch genauso wenig wie die Europa-Träume: „Wir werden in nächster Zeit keine Spitzenmannschaft sein“, wiegelt er ab. Der 35-Jährige sagt allerdings auch: „Wir wollen aber agieren wie eine Spitzenmannschaft. Sie sind immer da, wenn sie gefordert werden. Da wollen wir hinkommen, das muss in die Köpfe der Spieler rein. Und auf dem Weg sind wir.“

Europa League? Kohfeldt lacht und warnt

Gemeint war das Ganze als Aufruf an die Spieler, im Abstiegskampf nicht nachzulassen. Denn der ist in Kohfeldts Augen längst noch nicht beendet. „Wir müssen immer noch aufpassen“, sagt er trotz der nun schon acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang.

Was passiert, wenn eine Mannschaft innerlich einen Haken hinter eine Saison macht, war als Zusatzlektion in Augsburg zu beobachten. FCA-Coach Manuel Baum warf seinem mit 35 Punkten ausgestatteten Team nämlich eben diese Nachlässigkeit vor. „Ich habe das Gefühl gehabt, dass wir uns in der ersten Halbzeit schon aus der Saison verabschiedet hatten. Mit 35 Punkten sieht uns ja jeder schon dem Klassenerhalt nahe. So haben wir auch gespielt”, zürnte der 38-Jährige.

Florian Kohfeldt möchte Ähnliches in ein paar Wochen nicht auch über sein Team sagen müssen. Deshalb fordert er, „nicht mehr von der Spannung runter zu gehen. Das muss ein Markenzeichen von uns werden.“ Jetzt schon die Europa-League-Plätze anzuvisieren, darüber kann der Coach nur lachen. Erstmal will er den Klassenerhalt nicht nur gefühlt, sondern auch rechnerisch klarmachen. Und dann? „Dann“, antwortet Sportchef Frank Baumann, „gucken wir mal, wie viele Spiele wir noch haben.“ Je mehr das wären, umso mehr dürfte dann tatsächlich von Europa geträumt werden.

Hintergrund: Zeugnis der Werder-Trainer nach 17 Spielen

28 Punkte aus den ersten 17 Spielen als Werder-Cheftrainer – diese Bilanz stellt Florian Kohfeldt nach dessen persönlicher Hinrunde ein gutes Zwischenzeugnis aus. Ein Blick in die jüngeren Vergangenheit zeigt aber, dass auch andere Bremer Trainer stark gestartet waren. Die Ausbeute nach den ersten 17 Partien:

1. Viktor Skripnik (2014/2015): 22:30 Tore, 30 Punkte

2. Florian Kohfeldt (2017/18): 27:20 Tore, 28 Punkte

3. Robin Dutt (2013/14): 22:37 Tore, 19 Punkte

4. Alexander Nouri (2016/17)): 22:30 Tore, 16 Punkte

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