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Naby Keita köpft zum 2:0 gegen Felix Wiedwald und Werder Bremen ein.

Werders Mauertaktik geht in Leipzig nicht auf – 1:3

Ärgern erlaubt, aber ein Rückschlag soll es nicht sein

Leipzig - Von Carsten Sander. Als alles gesagt war, stand Alexander Nouri auf, bereit zu gehen, und warf dann doch noch einen letzten Satz in die Journalistenrunde. „Aber ärgerlich ist es schon“, sagte der Trainer des SV Werder.

Damit beschrieb Nouri, wie es um die Gemütslage der meisten Bremer nach der 1:3 (0:1)-Niederlage bei Aufsteiger RB Leipzig, dem neuen Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga, bestellt war. Letztlich war in Davie Selke ausgerechnet ein Ex-Bremer mit einer Vorlage und einem Tor in der Nachspielzeit einer der Hauptverantwortlichen dafür gewesen, dass die Gäste punktlos abreisten.

Werder hatte ein Spiel verloren, von dem viele im Vorfeld geglaubt hatten, dass Werder es verlieren würde. Werder hatte dann aber eine Taktik gewählt, die lange Zeit tauglich schien, den starken Leipzigern Paroli zu bieten. Nouri hatte seinem Team eine derart defensive Grundordnung verpasst, dass sich mitunter ein 6-3-1 auf dem Platz formierte. Das Ziel war, den schnellen Leipzigern keine Räume zu bieten und keine Möglichkeiten, die Kette zu durchbrechen. Das hätte sein Team auch „ordentlich und gut gemacht“, lobte Nouri. Mit einer Ausnahme allerdings: der 42. Minute, dem schlussendlich spielentscheidenden Moment.

Leipzigs Naby Keita ging richtig steil – und zwar erst mit Glück an Zlatko Junuzovic und Florian Grillitsch vorbei, dann durch Clemens Fritz und Theodor Gebre Selassie hindurch, schließlich ließ er auch noch Schlussmann Felix Wiedwald stehen und schob vor 42.558 Zuschauern in der ausverkauften Red-Bull-Arena zum 1:0 ein. Kapitän Clemens Fritz nannte es „ein blödes Tor“, der nach einer Stunde eingewechselte Fin Bartels hatte von der Bank einen „Billardball, der Keita immer wieder vor die Füße fällt“, gesehen. Völlig egal, meinte Alexander Nouri, für den der Treffer vor allem eines war: „Ein aus meiner Sicht vermeidbares Tor. Ein Spieler hat unsere Abwehr seziert. Dass einer mit dem Ball am Fuß so durch unsere Abwehr geht, ist unnötig. Die Situation müssen wir konsequenter und besser verteidigen.“

Werder war dran, Werder lebte, Werder spielte mit

Mit dem Rückstand kurz vor der Halbzeitpause war Nouris Defensivkonzept natürlich über den Haufen geworfen. Doch das hatte auch sein Gutes. Denn nun musste Werder den Mut entwickeln, der im ersten Spielabschnitt noch gefehlt hatte. Das Spiel nach vorne hatte 45 Minuten lang so gut wie gar nicht stattgefunden. „An dieser Balance müssen wir noch arbeiten“, meinte Junuzovic. „Wenn wir den Ball hatten, hat uns das Vertrauen gefehlt, hier auch richtig aufzutreten“, wertete Nouri, attestierte der Mannschaft aber die klare Verbesserung nach dem Rückstand: „Da hatte auch Leipzig dann Probleme.“

Nennenswerte Probleme sogar. Zunächst verpasste Serge Gnabry nach schöner Kombination nur knapp den Ausgleich, nach der anschließenden Ecke köpfte Leipzigs Bernardo den Ball an den eigenen Pfosten und Gnabry vergab den Nachschuss. Drei Szenen nur vier Minuten nach Wiederbeginn – Werder war dran, Werder lebte, Werder spielte mit. Ousman Manneh verstolperte noch eine gute Konterchance (62.), ehe Wiedwald gegen Emil Forsberg und Yussuf Poulsen das 0:2 verhinderte.

Das fiel dann aber doch. Der gerade eingewechselte Selke hatte nach einem Bremer Ballverlust butterweich auf Keita geflankt, und der Mann aus Guinea köpfte mühelos ein (75.) – Doppelpack also für Keita, aber noch keine drei sicheren Punkte für RB Leipzig. Werder antwortete mit dem schnellen Anschlusstreffer durch Gnabry (76.), blieb in der Folge auch am Drücker. „Wir haben uns bis zum Schluss gegen die Niederlage gewehrt. Das zeigt. dass unsere Mentalität in Ordnung ist“, sagte Sportchef Frank Baumann.

Starker Sane, schwacher Theo

In der Nachspielzeit stürmte sogar Keeper Wiedwald mit. Was jedoch zur Folge hatte, dass Selke nach einem abgewehrten Junuzovic-Freistoß auf das leere Tor zustürmen und treffen konnte. Jubeln wollte der 21-Jährige darüber freilich nicht – gegen ehemalige Kollegen gehört sich das nicht.

Das 1:3 lässt Werder weiter im Dunstkreis der Abstiegsplätze zurück. Doch es löste bei Werder nicht nur negative Gefühe aus. „Es hat auch vieles gepasst“, bilanzierte Coach Nouri mit Blick auf die kompakte Defensivarbeit der ersten Halbzeit: „Ich habe auch viele positive Ansätze gesehen.“ Frank Baumann trat die Heimreise zwar enttäuscht, aber ebenfalls nicht niedergeschlagen an: „Das Spiel hat auch Mut gemacht für die nächsten Wochen.“

Freiburg, Schalke und Frankfurt heißen die nächsten Herausforderungen. Es sind Gegner, für die Werder sich absolut gerüstet fühlt – trotz des Ergebnisses am Sonntag. „Ein Rückschlag ist das nicht gewesen“, behauptete Junuzovic: „Ich glaube schon, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

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