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Leipzigs Coach Ralph Hasenhüttl (l.) lobte die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt: „Werder hat uns vor fußballerische Probleme gestellt. Wir mussten ein Riesenstück Arbeit leisten.“

Werder verliert 0:2 bei RB Leipzig

Viel Lob, kein Lohn

Leipzig - Am Ende waren nicht nur die Punkte weg, sondern auch noch die Stimme. Seine Analyse zum Spiel bei RB Leipzig konnte Florian Kohfeldt nur noch krächzen, arg angegriffen waren die Stimmbänder nach einer Partie, von der nur das Ergebnis aussagte, dass Werder das schlechtere Team gewesen war.

0:2 (0:1) hatten die Bremer nach Toren von Naby Keita (34.) und Bernardo (87.) bei dem Champions-League-Teilnehmer und neuen Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga verloren. Und obwohl das in der Tabelle mit der Rückkehr auf Platz 17 verbunden ist, hatte das Team doch irgendwie seinen unter Kohfeldt eingeleiteten Aufwärtstrend fortgesetzt.

Denn dass Werder vor 40.172 Zuschauern in der Leipziger Red-Bull-Arena die schlechtere Mannschaft gewesen wäre, ließ sich wirklich nicht behaupten. „Ein Unentschieden wäre möglich gewesen. Es haben nur Kleinigkeiten gefehlt“, sagte Sportchef Frank Baumann, dessen Stimme lange nicht so gelitten hatte wie die von Kohfeldt. Dabei brauchte der Coach jedes einigermaßen hörbar herausgepresste Wort, um seine Gedanken über die Partie mitzuteilen.

„Ich wehre mich dagegen, mit einem 0:2 zufrieden zu sein“

Und die waren differenzierter als manches von außen hereingetragene Lob. „Ich wehre mich dagegen, mit einem 0:2 zufrieden zu sein – egal wo wir gespielt haben“, erklärte er also, konnte aber gleichwohl nicht herausarbeiten, womit er denn wirklich unzufrieden war – abgesehen vom Ergebnis natürlich. „Wir hatten gute Ansätze. Die Jungs haben das auf das Feld gebracht, was wir besprochen hatten. Wir waren mutig, haben hoch verteidigt, sind ordentlich aufgetreten.“ Aber nochmal: „Wir müssen uns nicht loben, denn wir haben hier nichts mitgenommen.“

Auf der Suche nach den Gründen dafür landete auch Kohfeldt schlussendlich bei der eigenen Chancenverwertung. Die war beim 4:0 über Hannover 96 sechs Tage zuvor noch exzellent gewesen, am Samstag jedoch nicht. Werder hatte die „Roten Bullen“ zwar gleich mehrfach bei den Hörnern gepackt, aber die Abschlüsse waren zu schwach. Max Kruse, gegen Hannover noch gefeierter Hattrick-Held, versprang der Ball frei vor dem Leipziger Tor (49.), und bei einer weiteren Möglichkeit geriet der Schuss zum Schüsschen (72.). Fin Bartels fehlte bei einem Fallrückzieher (57.) und einer prima Schusschance (74.) gleich zweimal die Präzision. Das Duo, das Hannover zerlegt hatte, zerlegte diesmal nichts und niemanden.

Fin Bartels fehlte bei seinem Fallrückzieher der Druck und die Präzision.

Weil Werder aber in der Lage war, sich diese Möglichkeiten herauszuspielen, zitterte Leipzig-Coach Ralph Hasenhüttl lange um den Sieg. Hinterher verteilte er deshalb Komplimente an die Bremer: „Werder hat uns vor fußballerische Probleme gestellt. Wir mussten ein Riesenstück Arbeit leisten.“

Beim Blick auf die Aufstellung hatte der Österreicher zwar nichts anderes erwartet, aber einen anderen Charakter des Spiels vorhergesehen. Werder formierte eine Fünferkette mit Startelf-Rückkehrer Lamine Sane im Zentrum. Hasenhüttl sah deshalb ein Bremer Abwehrbollwerk vor seinem inneren Auge und ein „dickes Brett“, das sein Team würde bohren müssen. Falsch und doch richtig war diese Vorahnung. Das Brett war dick, Werder aber nicht auf Abwehrschlacht aus. Die Defensivreihe stand hoch, die gesamte Mannschaft sehr kompakt. Das Rezept hieß Pressing und Konter – garniert mit teils gut anzusehenden Spielzügen.

„Das ganze Lob bringt dir nichts. Wir brauchen Punkte“

Vielleicht wäre die Linie am Ende mit wenigstens einem Punkt belohnt worden, wenn Thomas Delaney in der 34. Minute nicht ein unerklärlicher Fehler unterlaufen wäre. Am eigenen Strafraum versprang ihm der Ball, Keita zog sofort ab und traf via Innenpfosten ins Netz (34.). Es war eine Führung, die zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient war, nach der Pause herrschte aber mindestens ein Gleichgewicht der Kräfte zwischen beiden Teams. Baumann wollte gar gesehen haben, „dass wir mehr im Spiel waren, mehr Chancen hatten“.

Leipzig war auf diesem Gebiet freilich auch nicht untätig gewesen, kam durch den eingewechselten Jean-Kevin Augustin zu Möglichkeiten – die beste besaß jedoch Yussuf Poulsen, der frei vor Werder-Keeper Jiri Pavlenka knapp am Tor vorbei zielte (78.). Den Deckel machte schließlich Bernardo drauf. Nach einer Ecke traf er aus dem Rückraum (87.). 0:2, Ende, aus. Werder war „frustriert und enttäuscht“, meinte Bartels und wollte sich wie Kohfeldt nicht von einer abermals guten Leistung blenden lassen: „Das ganze Lob bringt dir nichts. Wir brauchen Punkte.“

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