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„Sobald der Bus abfährt, werde ich mich darauf freuen“, sagte Florian Kohfeldt im Hinblick auf das Nordderby gegen den Hamburger SV.

Klare Worte vom Werder-Coach

Kohfeldts Plan nach Freiburg-Frust

Freiburg - Milos Veljkovic war kaum zu erkennen, so tief hatte er sich die schwarze Kapuze seiner Trainingsjacke ins Gesicht gezogen.

Gesenkter Blick, hängende Schultern, schneller Schritt – der Innenverteidiger strahlte gestern Abend mit jeder Faser seines Körpers aus, dass er das Schwarzwald-Stadion so schnell es geht verlassen wollte. „Wir waren heute nicht zielstrebig genug“, sagte er über die vorangegangen 90 Minuten, in denen Werder Bremen eine bittere 0:1 (0:1)-Niederlage beim SC Freiburg kassiert hatte. Bitter, weil Werder nach zwei Siegen in Folge nun nicht mehr von einer Serie sprechen kann – und bitter vor allem auch deshalb, weil es für die Bremer im Abstiegskampf eine empfindliche Niederlage war.

Statt mit einem Sieg und dann 26 Punkten einen großen Schritt aus dem Tabellenkeller zu machen, riss der dünne Verbindungsfaden zum SC Freiburg (nun 28 Zähler) vorerst ab. Heißt: Werder hat den Anschluss ans untere Tabellenmittelfeld verloren. Großartig analysieren wollte Veljkovic das auf dem Weg zum Bus nicht. Verständlich. Und dennoch traf er den Nagel ziemlich genau auf den Kopf: „Der letzte Pass hat bei uns gefehlt.“

Moisander: „So eine Leistung dürfen wir nicht zeigen“

Werder ackerte, Werder biss, warf sich in Zweikämpfe, beging Fouls - die dreckverklebten Trikots der Spieler waren nach dem Schlusspfiff stumme Zeugen dieses großen Einsatzes. Damit ist das Positive über den Bremer Auftritt an der Dreisam aber auch schon erzählt. „Unsere Leistung hat heute nicht ausgereicht, um dieses Spiel zu gewinnen“, sagte Trainer Florian Kohfeldt unumwunden. Gefallen hatte ihm das freilich nicht, zu ändern war es nach dem Abpfiff aber auch nicht mehr.

 Vor allem in der ersten Hälfte ließen die Gäste auf dem engen, laut Kohfeldt „gefühlt quadratischen“ Freiburger Platz vieles vermissen. Werder hatte zwar mehr Ballbesitz (60:40 Prozent), nur sprang dabei kein Ertrag heraus. Ein Kopfball von Innenverteidiger Niklas Moisander (37.) – das war die beste, weil einzige Bremer Chance vor der Pause. „In der ersten Halbzeit waren wir nicht aggressiv genug“, haderte der Finne, „so eine Leistung dürfen wir nicht zeigen.“ Da auch Freiburg aus dem Spiel heraus keine Gefahr erzeugte, passierte das, was oft zwangsläufig in solchen Spielen passiert: Eine Standardsituation bringt die Entscheidung. 

Werder verliert 0:1 beim SC Freiburg

SC Freiburg gegen Werder Bremen.
SC Freiburg gegen Werder Bremen. © Gumz
SC Freiburg gegen Werder Bremen.
SC Freiburg gegen Werder Bremen. © Gumz
SC Freiburg gegen Werder Bremen.
SC Freiburg gegen Werder Bremen. © Gumz
SC Freiburg gegen Werder Bremen.
SC Freiburg gegen Werder Bremen. © Gumz
SC Freiburg gegen Werder Bremen.
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SC Freiburg gegen Werder Bremen.
SC Freiburg gegen Werder Bremen. © Gumz
SC Freiburg gegen Werder Bremen.
SC Freiburg gegen Werder Bremen. © Gumz
SC Freiburg gegen Werder Bremen.
SC Freiburg gegen Werder Bremen. © nordphoto
SC Freiburg gegen Werder Bremen.
SC Freiburg gegen Werder Bremen. © nordphoto
SC Freiburg gegen Werder Bremen.
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SC Freiburg gegen Werder Bremen.
SC Freiburg gegen Werder Bremen. © nordphoto
SC Freiburg gegen Werder Bremen.
SC Freiburg gegen Werder Bremen. © nordphoto

Aron Johannsson schlief erst bei einem schnell und kurz ausgeführten Freistoß der Hausherren, und beim Versuch, seinen Fehler wieder gut zu machen, stieß er Marco Terrazzino im Strafraum von hinten ziemlich plump um. Schiedsrichter Robert Hartmann entschied sofort auf Foulelfmeter (24.). Der Ex-Bremer Nils Petersen ließ sich nicht lange bitten, lief an, verlud Jiri Pavlenka, drehte jubelnd ab. Für den Stürmer war es der elfte Saisontreffer, für den SC Freiburg der 24. – und der 14. nach einem ruhenden Ball.

„Das letzte bisschen Wachsein hat mir gefehlt“, ärgerte sich Kohfeldt. „Wenn wir nach 13 Spieltagen 18 Punkte auf dem Konto hätten, würde ich sagen: So ein Spiel gehört zum Entwicklungsprozess“, erklärte er, „in unserer Lage haben wir für so etwas aber keine Zeit.“

Hartmann bringt Werder um einen Elfmeter

Nach dem Rückstand blieben Werder gestern immerhin noch 66 Minuten – gereicht hat es nicht. Die Mannschaft präsentierte sich in Hälfte zwei zwar noch entschlossener in den Zweikämpfen. Aber die Unzulänglichkeiten hörten nicht auf. Die Schlimmste: Sobald Werder den gegnerischen Strafraum erreicht hatte, war der Angriff im Grunde vorbei. Ein Schuss von Ludwig Augustinsson, der am Tor vorbeiflog (50.), eine Direktabnahme von Delaney, zu hoch angesetzt (72.) – das war’s. In der 86. Minute wurde Werder zudem um eine große Chance gebracht: Freiburgs Christian Günter schubste Max Kruse im Strafraum von hinten zu Boden, dieses Mal blieb Hartmanns Pfeife aber stumm. 

In der 86. Minute ging Max Kruse im Sechzehner zu Boden, einen Elfmeter gab es aber nicht.

Eine Fehlentscheidung, die Kohfeldt hinterher wie folgt kommentierte: „Wir haben vier Schiedsrichter und einen Videoschiedsrichter. Wieso soll ich dazu jetzt etwas sagen? Ich kritisiere den Schiedsrichter nicht.“ Musste er auch nicht. Dass ihm die Szene nicht gefallen hatte, war ohnehin klar. Während die Bremer Profis sauer waren (Florian Kainz: „Es war ein klares Foul an Max“), dachte Kohfeldt schon weiter, an die nächste Woche, an alle Aufgaben, die noch auf ihn und seine Mannschaft zukommen. „Ich will dahinkommen, dass wir uns unabhängig von solchen Ereignissen machen“, sagte er über die Kruse-Szene, „das ist ein hoher Anspruch, das ist schwer.“

Während Werder also keinen Elfmeter in Freiburg zugesprochen bekam, gab es für die Gastgeber noch einen zweiten – und der ist schnell erzählt: Klares Foul von Veljkovic an Petersen, Haberer schießt am Tor vorbei (87.), es bleibt beim knappen 1:0, das der Mannschaft von Christian Streich am Ende reicht. Für Werder ging es also ohne Punkte in den Bus. Mit den Gedanken waren einige der Insassen da schon beim nächsten Spiel, dem Nordderby am kommenden Samstag. „Sobald der Bus abfährt, werde ich mich darauf freuen“, betonte Kohfeldt. Das kann er auch. Schließlich kann sein Team gegen den HSV eine Menge wieder geraderücken.

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