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Die Freiburger Stärke ist das Kollektiv - und im bisherigen Saisonverlauf funktioniert es oft sehr gut.

Vor dem 26. Bundesliga-Spieltag

Die Freiburger Wundertüte

Der SC Freiburg steht als Aufsteiger nach dem 25. Bundesliga-Spieltag auf einem guten achten Tabellenplatz und schnuppert sogar am internationalen Geschäft. Der kommende Gegner des SV Werder (Samstag, 15.30 Uhr) im Schnellcheck.

Aktuelle Form 

Freiburg ist in der Rückrunde bisher unberechenbar. Etwas überraschenden Siegen gegen Hertha BSC Berlin, den 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt (jeweils 2:1) folgten entweder klare Niederlagen gegen andere Teams aus der oberen Tabellenhälfte (jeweils 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund) oder Unentschieden gegen Abstiegskandidaten (2:2 gegen den HSV und 1:1 gegen den FC Augsburg) - komplettiert durch ein wiederum überraschendes 1:1 gegen die TSG Hoffenheim vor zwei Spieltagen. Während der gewonnene Punkt im Spiel gegen die Hoffenheimer allerdings absolut verdient war, bekleckerten sich die Breisgauer im vergangenen Spiel gegen Augsburg aber nicht mit Ruhm und fuhren einen eher glücklichen Zähler ein. 

Ein wirklicher Trend ist bei den Freiburgern also nicht festzustellen. Mit dem Abstieg dürfte der Sport-Club zwar nichts mehr zu tun haben, könnte mit den ausstehenden Spielen gegen Werder, den VfL Wolfsburg, Mainz 05, Bayer Leverkusen, Darmstadt 98 und den FC Ingolstadt hier aber dennoch das Zünglein an der Waage spielen. Es stellt sich daher die Frage, welche Überraschung die Freiburger Wundertüte nach der Länderspielpause für Werder parat hält.

Verletzte und gesperrte Spieler 

Mittelfeldspieler Nicolas Höfler zog sich am vergangenen Spieltag im Spiel gegen den FC Augsburg eine klaffende Riss- und Fleischwunde am Knie zu und musste noch vor der Pause ausgewechselt werden. Er fällt ebenso definitiv aus wie Verteidiger Jonas Föhrenbach, der nach einem Außenbandriss im Knie derzeit ein Aufbautraining absolviert, und Pascal Stenzel, der nach einer Schultereckgelenksprengung noch Trainingsrückstand hat. Fraglich ist der Einsatz von Janik Haberer, der sich in der Länderspielpause bei der U21 einen Pferdekuss im Oberschenkel zuzog.

Streichs Stützen

Star der Mannschaft 

Der SC hat in seinen Reihen keinen richtigen Star - der Star ist die Mannschaft. Auch aufgrund fehlender finanzieller Mittel müssen die Freiburger über das Kollektiv kommen. So wurde in den vergangenen beiden Spielen beispielsweise mit Vincenzo Grifo der bislang auffälligste Spieler aus taktischen Gründen geopfert und auf die Bank gesetzt. In der Offensive geht die größte Gefahr von Grifo (fünf Tore und elf Assists), Edel-Joker Nils Petersen (sechs Tore und vier Assists) sowie U21-Nationalspieler Maximilian Philipp und Florian Niederlechner (jeweils acht Tore und einen Assist) aus. Der eigentliche Star der Mannschaft ist allerdings:

Der Trainer 

Christian Streich ist in seiner sechsten Saison Cheftrainer beim SC Freiburg, nachdem er zuvor bereits lange Zeit als A-Jugend- (1998-2011) und Co-Trainer der Profis (2006-2011) gearbeitet hatte. Zum Jahreswechsel 2011/12 übernahm der charismatische Übungsleiter die Profi-Mannschaft und ist damit der Bundesliga-Coach, der aktuell am längsten beim gleichen Verein auf dem Trainerstuhl sitzt. Nachdem der 51-Jährige die Breisgauer in der Saison 2012/13 sensationell auf den fünften Platz und damit in die Europa League geführt hatte, wurde er in einer „kicker“-Umfrage unter den Bundesligaspielern noch vor Bayerns damaligen Triple-Trainer Jupp Heynkes zum „Trainer der Saison“ gewählt und später auch vom DFB als „Trainer des Jahres 2013“ ausgezeichnet. 

Der Südbade fällt aber nicht nur wegen der sportlichen Erfolge seiner Mannschaft auf, sondern auch wegen seiner öffentlichen Statements. So bezog der gelernte Lehrer, der Germanistik, Sport und Geschichte studiert hatte, bereits mehrfach in teils flammenden Appellen Stellung zu politischen Themen.

Auch während der Spiele agiert Streich sehr emotional und feuert seine Mannschaft, von der er eine hohe Laufbereitschaft verlangt, von der Seitenlinie an. Dabei stellt er das Team je nach Gegner variabel auf und es auch während der Partie häufig um. In den beiden vergangenen Spielen gegen Hoffenheim und Augsburg liefen die Freiburger zu Beginn mit einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette auf, spielten aber gegen Hoffenheim mit zwei und gegen Augsburg mit nur einem Sechser. In den Partien zuvor spielten die Breisgauer mit unterschiedlichem Erfolg dagegen häufig im 4-2-2-2- oder im 4-2-2-1-1-System. Auch bezüglich ihrer Aufstellung sind die Freiburger also eine Wundertüte.

Christian Streich konnte nach dem Hinspielerfolg in Bremen zufrieden sein. 

So lief das Spiel der Hinrunde 2016/17 

Freiburg konnte im Hinspiel mit einem 3:1 völlig verdient drei Punkte aus dem Weserstadion entführen. Maximilian Philipp erzielte in der 29. Minute nach einer Einzelaktion das 1:0 für den SC, der noch vor der Pause nachlegen konnte. Werder-Stürmer Ousman Manneh verursachte mit einem unnötigen Trikotzupfer einen Elfmeter, den Vincenzo Grifo sicher verwandelte (39.). Santiago Garcia erzielte Mitte der zweiten Halbzeit zwar den Anschlusstreffer (67.), kurz darauf stellte Amir Abrashi den alten Abstand aber wieder her (75.). Danach war die Partie gelaufen, die Breisgauer brachten das Ergebnis sicher über die Zeit.

Statistik 

In den vergangenen drei Partien blieben die Streich-Schützlinge ohne Niederlage (ein Sieg und zwei Remis) und würden mit einem weiteren ungeschlagenen Spiel nicht nur ihre Rekordserie dieser Saison einstellen, sondern auch erstmals seit dem neunten Spieltag und dem 3:1 in Bremen wieder mehr Siege als Niederlagen aufweisen. In den letzten sechs Partien gab es zwar nur eine Niederlage, vier der vergangenen acht Heimspiele gingen aber verloren.

Die Heim-Statistik gegen Werder spricht jedenfalls gegen einen Freiburger Sieg: Kein Verein gewann so oft im Breisgau wie die Bremer – in den vergangenen acht Gastspielen gab es sogar sechs Siege bei nur einer Niederlage. Auch die höchsten SC-Heimniederlagen der Bundesliga-Geschichte gehen auf das Konto von Werder. 2004 und 2009 setzte es zwei 6:0-Klatschen. Ein weiteres Argument für die Norddeutschen ist deren aktuelle Auswärtsstärke und allgemeine Form:

Von den vergangenen sieben Spielen in der Fremde verloren die Bremer nur die Partie in Augsburg (2:3) und holten aus den vergangenen fünf Spielen 13 von 15 möglichen Punkten. Einzig Spitzenreiter Bayern München hat in diesem Zeitraum eine solche Bilanz. Dabei kassierte Werder nur zwei Gegentore und traf immer mindestens ein Mal nach einem ruhenden Ball. Aber auch die Freiburger sind bei Standards gefährlich – genauer gesagt mit Elfmetern. Mit sechs Treffern vom Punkt sind sie in dieser Hinsicht das stärkste Team der Bundesliga.

Einen Ligaminuswert haben die Männer aus dem Breisgau allerdings auch zu bieten: Während sich bei Werder bereits 15 verschiedene Spieler in die Torschützenliste eintragen konnten, waren es aus der Streich-Elf nur sieben. Einer dieser Spieler, auf den sich die Freiburger in den vergangenen Spielen verlassen konnten, ist Stürmer Florian Niederlechner. Er markierte drei der letzten vier Treffer. Apropos Stürmer: Nils Petersen (Freiburg) und Max Kruse (Werder) spielten früher beim jeweiligen Gegner und dürften deshalb besonders heiß auf das Duell sein.

Die Duelle in Zahlen:

Heimbilanz: 5 S, 2 U, 10 N - 19:35 Tore

Gesamtbilanz: 9 S, 5 U, 20 N - 45:77 Tore

fmi

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