+
Alexander Nouri herzt den Mann des Tages: Thomas Delaney.

Werder gnadenlos effektiv

Delaney verwüstet Freiburg

Freiburg - Dank des Dreierpack-Dänen Thomas Delaney hat Werder Bremen das Tor-Festival gegen den SC Freiburg mit 5:2 gewonnen. Die Tabellensituation aber bleibt gefährlich.

Als Thomas Delaney das Freiburger Schwarzwald-Stadion verließ, war es fast so wie früher bei Elvis, den Beatles oder Michael Jackson. Die Teenies kreischten, die Ordner hatten gut zu tun, die Absperrgitter im Griff zu behalten. Delaney stand also vor der Tür und grinste breit. So ein Lärm um ihn, den bescheidenen Dänen – das ist nicht normal. Normal war es ja auch nicht, was Delaney vorher abgeliefert hatte. Mit drei Toren führte der 25-Jährige den SV Werder Bremen zu einem mehr als beachtlichen 5:2 (2:0)-Erfolg beim SC Freiburg. Die Bremer haben damit nach der Länderspielpause direkt wieder in die Erfolgsspur gefunden und sind nunmehr seit sechs Spielen in Folge ungeschlagen – fünf davon waren Siege. Der am Samstag war der höchste aller bisherigen Bremer Erfolge.

Thomas Delaney hatte daran den Löwenanteil. In der 45., 47. und 86. Minute erzielte der Mittelfeldmann den ersten Dreierpack seiner Profi-Karriere. Zuvor hatte er maximal einmal pro Partie getroffen. „Deshalb ist das heute wirklich ein sehr besonderer Tag – und das Spiel ist als Einzelereignis das vielleicht beste meines Lebens“, strahlte Delaney. Seine Unerfahrenheit im Umgang mit einer persönlichen Torflut war auch daran zu erkennen, dass er keinen der Spielbälle mit nach Hause nahm. Das ist sonst Usus, er hatte es aber schlicht vergessen. „Das muss ich mit ihm nochmal kritisch diskutieren“, witzelte Werder-Trainer Alexander Nouri, der natürlich hellauf begeistert war über den Dreierpack-Dänen, ihn aber auch nicht zu sehr loben wollte. Vielmehr sah er seine Aufgabe darin, das Kollektiv zu loben. Das tat er ausgiebig.

Einzelkritik: „Danish Dynamite“ explodiert

Denn zum 5:2 gehörte nicht Thomas Delaney allein. Und um die Geschichte des Sieges vollständig zu erzählen, muss man schon mit den Minuten des Aufwärmens beginnen. Abwehrchef Lamine Sane zog sich beim Warmmachen eine Adduktorenverletzung zu und musste seinen Einsatz absagen. Luca Caldirola rutschte für den Abwehrchef in die Startelf – es war für den Italiener der erste Bundesliga-Einsatz seit seiner am zweiten Spieltag erlittenen Sprunggelenksverletzung.

Das Comeback gelang – so wie es Werder auch gelungen war, die Ausfälle von Serge Gnabry, Zlatko Junuzovic und Clemens Fritz aufzufangen. Vier Stammspieler, die fehlten – und dazu kam noch der Ausfall von Robert Bauer wegen einer Bänderverletzung nach 40 Minuten. Trotzdem wanderten die nächsten drei Punkte auf das Bremer Konto. Nouri hätte wohl platzen können vor Stolz. „Wir haben eine großartige Teamleistung gezeigt. Darüber bin ich sehr glücklich“, sagte er gleich mehrfach.

Kruse kann - und drischt den Ball in den Winkel

Die großartige Teamleistung musste vor 24.000 Zuschauern im Schwarzwald-Stadion allerdings erst wachsen. Werder begann gar nicht gut. In der Defensive standen die Bremer zwar sicher, im Spielaufbau klappte dagegen wenig bis nichts. Freiburg war zunächst das spielbestimmende Team. Bis die individuelle Klasse von Max Kruse der Partie eine ganz andere Richtung gab. Nachdem Sturmpartner Fin Bartels sich in einen eigentlich aussichtslosen Zweikampf geworfen hatte, landete der Ball vor Kruses linkem Fuß. Der 29-Jährige fackelte nicht lange und drosch die Kugel aus 25 Metern diagonal in den Winkel (21.).

Es war der erste Bremer Torschuss überhaupt und ein großartiges Tor, das so nur wenige Spieler erzielen können. Kruse kann. Richtig jubeln wollte er aber nicht. Grund: In der Saison 2012/13 hatte der Stürmer für Freiburg gespielt und dort seinen Durchbruch in der Bundesliga geschafft. Das hat er nicht vergessen. Aus Dankbarkeit verkniff er sich deshalb große Gesten der Freude.

Delaney: Meine schlechteste erste Hälfte bei Werder

Mit der Führung im Rücken trat der SV Werder immer sicherer auf und kam kurz vor dem Pausenpfiff zum 2:0. Bauer-Ersatz Santiago Garcia flankte scharf in die Mitte, Bartels ließ den Ball durchsausen, Delaney vollendete. „Wir haben bestimmt keine gute erste Halbzeit gespielt, für mich war es sogar die wohl schlechteste bei Werder – und trotzdem führen wir 2:0. Wir waren super-effektiv“, meinte der Torschütze.

Gleich nach dem Seitenwechsel legte er nach. Flanke Kruse, Kopfball Delaney, wieder drin (47.). Das Spiel schien gelaufen. Und hätte der ansonsten starke Bartels in der 54. Minute frei vor SC-Keeper Alexander Schwolow die Nerven behalten, wäre Freiburg möglicherweise untergegangen. Weil aber Garcia einen unnötigen Elfmeter verursachte, und SC-Joker sowie Ex-Werder-Stürmer Nils Petersen selbigen im Nachschuss verwandelte (64.), kam nochmal Spannung auf.

Jubel beim SV Werder nach dem klaren Sieg gegen Freiburg.

Nach der kuriosesten Szene des Spiels war es damit aber auch schnell wieder dabei. Weil der neue deutsche Rekord-Schiedsrichter Wolfgang Stark (leitete sein 340. Bundesliga-Spiel) im Mittelfeld mit Vincenzo Grifo zusammenprallte, landete der Ball bei Werder. Kruse, Grillitsch, Delaney hießen anschließend die Stationen, ehe Bartels per Hacke das 4:1 erzielte (71.). „Das am besten herausgespielte Tor“, lobte Sportchef Frank Baumann und gönnte sich einen Spaß mit Balleroberer Stark: „Das war seine beste Aktion...“ Das Spiel war nun entschieden, der Distanzschuss von Grifo (77.) und das dritte Delaney-Tor (per Kopf nach Freistoßflanke Florian Kainz) durften jedoch noch als Zugaben bestaunt werden.

Werder hat nun 32 Punkte, kann sich aber immer noch nicht wirklich vom Relegationsplatz absetzen. „Die Tabelle ist weiter gefährlich“, sagte Nouri. Schon am Dienstag kann seine Truppe im Heimspiel gegen Schalke 04 den nächsten Schritt Richtung Klassenerhalt machen. Dann kehrt der erkältete Junuzovic möglicherweise zurück. Sane („Für ihn wird es auch für Freitag gegen Frankfurt knapp“, so Baumann) und Bauer („Wir müssen mit einer Pause von zwei, drei Wochen rechnen“, erklärte der Sportchef) werden aber fehlen.

Große Delaney-Show in Freiburg

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare