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Claudio Pizarro hängt sich im Training schon wieder voll rein. Ob es für das Schalke-Spiel reicht, blieb bis zuletzt unklar.

Schalke gegen Werder

Geheimsache Claudio Pizarro

Bremen - Von Carsten Sander. Neulich hat Alexander Nouri von einer besonderen Kraft gesprochen. Aber nicht er besitzt sie, sondern Claudio Pizarro. Allein dessen pure Anwesenheit, seine Aura, seine Liebe zum Fußball würden positiv auf die Mannschaft des SV Werder Bremen wirken.

Was Nouri nicht sagte, war, ob Pizarro nach langer Verletzungspause im Bundesliga-Auswärtsspiel bei Schalke 04 (17.30 Uhr) sein Comeback feiern würde. Und dabei ist es auch am Samstag geblieben. Der Nebel der Ungewissheit hat sich nicht verzogen. Werder treibt die Geheimhaltung gar so weit, dass nicht mal mitgeteilt wurde, ob Pizarro im Kader steht oder nicht. „Wir wollen damit niemanden ärgern“, sagt Sportchef Frank Baumann, „es geht darum, den Gegner nicht frei Haus mit Informationen zu beliefern.“

Mit sensiblen Informationen noch dazu. Denn Werder Bremen mit Pizarro und Werder Bremen ohne Pizarro – das war in der Vergangenheit ein sehr großer Unterschied. Nun ist davon auszugehen, dass der 38-Jährige nach fünf Tagen im Mannschaftstraining mindestens einen Platz im 18er-Kader bekommt. Ob es zu mehr reicht? Es ist Nouris Entscheidung.

Berechtigte Zweifel an der Fitness

Natürlich kann sich eine Mannschaft an einem wie Pizarro wieder aufbauen. Wenn der denn nach dreimonatiger Pause schon wieder die Kraft hätte, alle hochzuziehen. Die Zweifel, die Frank Baumann daran geäußert hat („Gesund zu sein ist das eine, man braucht aber auch Fitness“), sind berechtigt. Deshalb müssen es auf Schalke wohl die richten, die zuletzt für die Rückkehr der Tristesse bei Werder verantwortlich waren.

Nach zwei 1:3-Niederlagen in Leipzig und gegen Freiburg ist der anfängliche Schwung, den Coach Nouri dem Team gegeben hatte, verflogen. Die alten Probleme sind zurück – Werder kämpft gegen den Abstieg, gegen viel zu viele Gegentore, gegen die Angst, dass der Trainerwechsel vielleicht doch nichts gebracht hat.

Alexander Nouri begegnet dem Ganzen mit der Hoffnung auf nachhaltige Besserung, wenn Pizarro und auch Max Kruse in Kürze wieder voll einsetzbar sind. Er setzt aber auch auf die Kraft der Überzeugung. Die habe zwar, das gibt er zu, durch die beiden Niederlagen „ein paar Kratzer“ abbekommen: „Aber die Basis, die wir in den Spielen vor Leipzig und Freiburg gelegt haben, ist gut. Wir lassen uns von diesem Weg nicht abbringen.“ Das hört sich gut an, ist zunächst aber nur das übliche Trainergarn. Es zählen die Taten – und die müssen gegen Schalke folgen.

Beim Blick auf die Tabelle könnte man auf den Gedanken kommen, dass es ein Duell auf Augenhöhe werden könnte. Doch der Schein trügt. Schalke hat mit acht Punkten zwar nur einen Punkt mehr als die Bremer, bekommt derzeit aber richtig Wind unter den Flügeln. Der völlig missratene Saisonstart mit null Punkten nach fünf Partien ist Geschichte.

Schalker im Aufwind

Die Königsblauen haben – inklusive Europa League – seit sieben Partien nicht mehr verloren, blieben zuletzt viermal am Stück ohne Gegentor. „Leider“, seufzt Nouri, „haben sie vor kurzem die Kurve gekriegt. Schalke ist eine Mannschaft mit einem Riesenpotenzial und gehört sicherlich in eine andere Tabellenregion.“ Der Schalker Anspruch lautet Champions League, der Bremer Anspruch heißt Klassenerhalt – so ist die Lage vor dem Anpfiff.

Dass das aber nichts über den Spielausgang aussagt, daran erinnert Werder-Linksverteidiger Santiago Garcia. Zu Beginn des Jahres feierten die Bremer auf Schalke einen damals nicht für möglich gehaltenen 3:1-Erfolg. „Wieso“, fragt nun Garcia mit dem Glauben an die Kraft der guten Erfahrung, „sollte uns das nicht wieder gelingen?“ Ja, wieso nicht? Weil das Freiburg-Match so schlecht war? Weil Schalke einen Lauf hat und Werder nicht? 

Alles egal, meint Frank Baumann. Er setzt auf den Willen zur Wiedergutmachung, den er in diversen Einzelgesprächen mit den Spielern in den vergangenen Tagen gespürt haben will. Dass die Leistung gegen Freiburg Murks war, habe jeder eingesehen. 

„Und Selbsterkenntnis ist ein ganz wichtiger Faktor, um es beim nächsten Mal wieder besser zu machen“, sagt er und beschreibt, welche Reaktion er erwartet: „Es geht darum, alles zu geben – unabhängig vom Tabellenplatz. Ob du Erster, Fünfter, 15. oder 18. bist – du musst immer alles geben.“ Es ist ein seltsames Talent des Bremer Teams, dies immer mal wieder zu vergessen.

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