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Enttäuscht am Boden: Serge Gnabry hatte am Sonntag per Elfmeter getroffen, mehr brachte Werder auf Schalke aber nicht zustande.

Schalke bestraft Bremer Sorglosigkeiten

„Kleine Dinge“ werden zum großen Problem

Gelsenkirchen - Von Björn Knips. Werder Bremen verliert gegen Schalke mit 1:3, präsentiert sich vorne harmlos und hinten fahrlässig. Trainer Nouri sieht aber nur "Kleinigkeiten" als Grund für die Pleite.

Alexander Nouri wusste schon ganz genau, was er mit der dritten 1:3-Pleite in Folge machen würde. „Ich schaue mir das Spiel gleich auf der Rückfahrt noch einmal komplett an“, kündigte der Werder-Coach kurz vor der Abfahrt aus der Arena des FC Schalke an. Denn am Montagmorgen will er den Profis erklären, was schief gelaufen ist, oder besser gesagt, was schon wieder schief gelaufen ist. Das war nicht gerade wenig – und bringt Werder auch unter dem neuen Coach in größte Abstiegsgefahr.

„Du kannst doch nicht immer vier Tore schießen, um ein Spiel zu gewinnen. Das ist das zentrale Thema“, seufzte Nouri mit Blick auf die desaströse Gegentor-Bilanz. 27 Mal klingelte es in den bisherigen zehn Bundesliga-Spielen schon im Werder-Kasten, da hat sogar der arg gebeutelten Tabellenletzte Hamburger SV mit 23 Gegentreffern eine bessere Bilanz.

Es ist nur ein schwacher Trost für die Bremer, die auf den Relegationsplatz abrutschten und damit selbst wieder tief im Schlamassel stecken. „Wir dürfen jetzt nicht ins Zweifeln kommen“, forderte Nouri: „Es sind doch immer nur diese kleinen Dinge, die unsere Spiele kippen lassen. Das nervt. Aber ich habe die Überzeugung, unseren Weg beharrlich weiterzugehen und diese Kleinigkeiten schnell abzustellen.“

Werders Abwehr weiter fahrlässig

Der Werder-Coach hatte System und Personal getauscht. Für den verletzten Lamine Sane verteidigte Milos Veljkovic. Davor gab es diesmal zwei Sechser: Clemens Fritz und Thanos Petsos, der erstmals in der Startelf stand. Florian Grillitsch agierte eigentlich etwas davor, rückte aber in der Defensive neben Fritz und Petsos. Auch die beiden Außen Zlatko Junuzovic und Fin Bartels (für Izet Hajrovic) hatten eine defensive Sonderaufgabe. Sie machten aus der Vierer- eine Sechserkette.

Das ähnelte schon sehr dem Auftritt in Leipzig, der ebenfalls mit einem 1:3 geendet war. Nur diesmal stürmte nicht Ousman Manneh, sondern Serge Gnabry. Der Plan ging auch diesmal am Anfang auf. Schalke tat sich schwer – und jubelte in der 35. Minute doch noch. Mit freundlicher Unterstützung der Gäste. Nach einem Lattenkracher von Max Meyer hatte Zlatko Junuzovic seinen Gegenspieler Alessandro Schöpf laufen und zum 1:0 einköpfen lassen.

„Wir müssen unser Tor besser beschützen“, ärgerte sich Sportchef Frank Baumann: „Wir schalten in gewissen Situationen einfach zu früh ab und glauben dann, dass es schon irgendwie gutgeht.“ So auch beim zweiten Gegentor nur drei Minuten später. Kein Bremer hatte reagiert, nachdem ein Naldo-Freistoß von Keeper Felix Wiedwald nach vorne abgewehrt worden war. Nabil Bentaleb vollstreckte mühelos zum 2:0. „Da sind wir zu sorglos gewesen“, monierte Nouri: „Da müssen wir Felix besser unterstützen.“ Wiedwald hätte den Ball aber auch zur Seite abwehren können.

Gnabrys 1:2 - Werder war wieder im Spiel, ohne im Spiel zu sein

Die Partie schien bereits entschieden. Doch Schöpf machte es vor 61 263 Zuschauern schnell wieder etwas spannender, als er Serge Gnabry auf dessen Weg aus (!) dem Strafraum in die Hacken lief. Den fälligen Elfmeter verwandelte das Opfer höchstpersönlich, als wollte es seine Nominierung für die Nationalmannschaft noch mal ganz besonders rechtfertigen.

Werder war wieder im Spiel, ohne im Spiel zu sein. Denn nach vorne ging auch weiterhin nichts. Das lag vor allem am schwachen Zentrum mit Petsos, Fritz und Grillitsch, das viel zu langsam agierte. Die Kollegen machten es auch nicht viel besser – und so stellte Junuzovic frustriert fest: „Wir müssen besser in den Sechzehner kommen.“

Die Schalker hatten damit auch ohne den verletzten Franco Di Santo weniger Probleme, kreierten einige gefährliche Szenen und verdienten sich schließlich das 3:1 durch Schöpf. Wieder hatte Junuzovic nicht konsequent genug eingegriffen (64.).

Nouri reagierte, brachte Hajrovic für den angeschlagenen Fritz (64.) – und später auch Claudio Pizarro (70.). Die Werder-Fans jubelten, es sollte das letzte Mal an diesem Abend gewesen sein. Auch der Peruaner konnte dem Spiel bei seinem ersten Einsatz in dieser Saison keine Wende geben. Zu harmlos war Werder.

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