+
Kritische Blicke vom Trainer: Alexander Nouri verlor mit Werder am Sonntag das dritte Spiel in Folge mit 1:3.

Taktikanalyse zum Spiel gegen FC Schalke 04

Der Initiator im Zentrum fehlt

Bremen - Von Cedric Voigt. Es war die dritte Pleite in Folge: Weshalb ist dem SV Werder Bremen auch gegen den FC Schalke 04 wieder kein Erfolgserlebnis gelungen? Die Taktikanalyse.

Gegen das Team von Markus Weinzierl hatte sich Alexander Nouri zum ersten Mal merkbar von seinem üblichen Matchplan entfernt: Thanos Petsos rückte erstmals in die Bremer Startelf, Ousman Manneh nahm zunächst auf der Bank Platz. Infolgedessen rückten die übrigen Bremer im Mittelfeld etwas weiter nach vorne: Sechser Petsos sollte Florian Grillitsch die Möglichkeit geben, im zentralen Mittelfeld vor Petsos und Kapitän Clemens Fritz seine Fähigkeiten im Passspiel etwas offensiver einzubringen, während Zlatko Junuzovic auf den linken Flügel rückte. Serge Gnabry bewegte sich dafür in das Sturmzentrum. Mit Fin Bartels für Izet Hajrovic auf rechts und Milos Veljkovic für Lamine Sane in der Innenverteidigung gingen die übrigen Veränderungen in der Startelf nicht mit einer taktischen Neuausrichtung einher.

Die Aufstellung war eine Anpassung an die eigenen Schwachstellen aus dem Freiburgspiel und das Profil des Gegners: Einerseits sollte die Hereinnahme des zusätzlichen zentralen Mittelfeldspielers Petsos dabei helfen, die zentralen Räume besser zu besetzen. Auch, wenn der Grieche mit seinen langen Spieleröffnungen nicht immer erfolgreich war und etwas zu häufig und in unpassenden Situationen zwischen die Innenverteidiger abkippte, hatte er am Ende des Tages 83 Pässe gespielt – ganze 36 mehr als der zweitbeste Bremer (Veljkovic). Somit hatte man zwar noch immer nicht den Initiator aus dem Zentrum gefunden, wohl aber jemanden, der vor allem später, als bemühte Bremer das Spiel in höhere Spielfeldzonen verlagern konnten, anspielbar war. Im Sechserraum wurde er derweil zumeist von Leon Goretzka verfolgt, der Eric-Maxim Choupo-Moting und Max Meyer beim Stören der drei tiefsten Bremer Aufbauspieler unterstützte.

Das schnelle Umschaltspiel gelang nur in Ansätzen

Der offensive Plan der Bremer sah derweil erneut vor, schnell umzuschalten – gegen die Dreierkette des Schalker 3-5-2 jedoch nicht mit einem großgewachsenen Zielspieler im Zentrum. Ousman Manneh wurde offenbar nicht zugetraut, sich gegen die routinierte und individuell starke Gelsenkirchener Defensive zu behaupten. So wurde stattdessen Serge Gnabry gesucht, der ähnlich wie die Außenspieler Fin Bartels und Zlatko Junuzovic immer wieder zu Tiefensprints ansetzte und seine Vorteile im Antritt ausspielen sollte.

Dies gelang nur in Ansätzen. Konkrete Abschluss-Situationen entstanden so kaum, unangenehm zu verteidigen war es dennoch – zumal Gnabry seine Rolle keinesfalls eindimensional interpretierte, sondern auch immer wieder das Zusammenspiel mit seinen Mitspielern suchte, wenngleich diesen in aussichtsreichen Situationen bisweilen zu leichte Fehler unterliefen. Ein Nachteil dieser Spielanlage bestand derweil darin, dass viele der Steilpässe auf Gnabry, Bartels oder Junuzovic keine flachen Zuspiele, sondern zumeist hohe Bälle waren, die nicht immer ideal in den Raum gespielt wurden, wodurch sich einige Kopfballduelle ergaben, die das kleingewachsene Offensivtrio naturgemäß nicht erfolgreich gestalten konnte.

S04-Offensive reaktionsschneller als Bremer Abwehr

Insgesamt ergab sich jedoch eine durchaus ausgeglichene Partie – Schalke hatte optisch mehr vom Spiel, kam allerdings meist nur zu ungefährlichen Abschlüssen. Am Ende standen zwar 24 zu 8 Schüsse für die "Knappen" zu Buche, tatsächlich aufs Tor gingen jedoch auf der einen Seite sechs, auf der anderen Seite fünf – zwar war Schalke insgesamt überlegen, allerdings nicht so haushoch, wie es bisweilen den Eindruck hatte. Gegen Schalkes Aufbau in einer Art 3-1-4-2 stellte sich Werder im Pressing eher konservativ an, sodass sich das Spiel der Schalker häufig um den Bremer Strafraum abspielte, der in der Regel gut von zwei kompakten Ketten abgeriegelt wurde. Dabei sah man neben dem formationsbedingt naheliegenden 4-5-1 auch teilweise 6-3-1-Staffelungen, in denen Junuzovic und Bartels als zusätzliche Außenverteidiger die letzte Linie verstärkten. Lediglich Gnabry blieb als Konterspitze vorne, für Schalke konnte derweil teils sogar Benedikt Höwedes als rechter Innenverteidiger den Ball im Angriffsdrittel mit laufen lassen.

Auch wenn die Schalker viele bewegliche und technisch starke Spieler auf den Platz geschickt hatten, fehlte ihnen jedoch zumeist der Zug zum Tor. Diesen entdeckten die Königsblauen dann, als Choupo-Moting in der 35. Minute per Kopf einen langen Ball zwischen die Bremer Linien für Max Meyer ablegte, dessen Distanzschuss von der Latte zum gedankenschnellen Alessandro Schöpf prallte, der den Schalker Führungstreffer erzielte. Drei Minuten später nutzte Nabil Bentaleb nach missglückter Wiedwald-Abwehr eines Schalker Freistoßes den nächsten Abpraller zum vorentscheidenden 2:0. Ein berechtigter, aber in der Entstehung glücklicher Gnabry-Strafstoß ließ Werder kurz vor der Pause zwar verkürzen, wirklichen Druck konnte man jedoch weiterhin nicht erzeugen: Dazu verteidigten die Schalker in ihrem defensiv zur Fünferkette werdenden System zu stabil, während Werder selbst zu viele Ungenauigkeiten im Spiel nach vorne produzierte.

Wiedwald patzt einmal, Junuzovic gleich zweimal

Nach dem 3:1, einer Koproduktion aus schwacher Raumorientierung Gebre Selassies, einer durch Freund und Feind hindurchrutschenden Flanke und Inkonsequenz von Zlatko Junuzovic im Verfolgen des erneuten Torschützen Alessandro Schöpf, riss Werder zwar den Ballbesitz an sich und kam mit der Hereinnahme von Izet Hajrovic für Clemens Fritz sowie später Claudio Pizarro für Fin Bartels zu etwas mehr Offensivpräsenz, nicht jedoch zu nennenswerten Torgelegenheiten.

Der Trend zeigt nach unten, in der Tabelle ist Werder wieder auf den Relegationsplatz abgerutscht. Nachvollziehbarerweise entfacht die derzeitige Talsohle auch den Unmut unter den Fans neu. Die Niederlage auf Schalke sollte jedoch richtig eingeordnet werden: Alexander Nouri hatte seine Mannschaft gegen einen formstarken, individuell klar besser besetzten Gegner auswärts gar nicht so schlecht eingestellt. Dass der Plan misslang, lag letzten Endes auch daran, dass Werder im Vergleich auf einigen Kaderpositionen individuell die ganz große Qualität fehlt und viele leichte Fehler passierten, die den Schalkern so nicht unterliefen. Im Rückblick wurden die entscheidenden Punkte allerdings eher in Spielen wie gegen Freiburg oder Darmstadt liegen gelassen. In den übrigen Novemberspielen müssen gegen schlagbarere Gegner für Werder Bremen und Alexander Nouri nun allerdings Siege her – ansonsten besteht die Gefahr einer erneuten Negativspirale.

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare