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Ex-Bremer Naldo verrät im Interview, warum er nach dem Spiel keine Trikots mehr tauscht.

Ex-Werder-Profi im Interview

Naldo: „Vielleicht kommen wir nach Bremen zurück“

Gelsenkirchen - Typisch Naldo, am Ende des Gesprächs hat er noch einen Wunsch: „Grüßen Sie bitte ganz Bremen von mir.“ Der 35-Jährige lacht. Er weiß natürlich, dass sich der Angesprochene nun nicht auf den Marktplatz stellen wird, aber es ist ihm eben sehr wichtig, höflich und respektvoll zu sein.

Das hat ihn schon bei Werder (2005 bis 2012) ausgezeichnet. Dafür haben sie ihn beim VfL Wolfsburg (2012 bis 2016) geschätzt – und deshalb lieben sie ihn auch auf Schalke (seit 2016). Der 35-jährige Brasilianer ist einer der sympathischsten Profis in der Bundesliga, aber auch einer der besten. Im Alter, so scheint es, wird er immer stärker. Natürlich will er am Samstag im Heimspiel gegen seinen Ex-Club Werder (15.30 Uhr) gewinnen. Im Interview mit der DeichStube erklärt Naldo, warum er ein Tor nicht bejubeln würde, wieso er keine Trikots mehr tauscht und welche Rolle Bremen in seinen Planungen spielt.

Naldo, kennen Sie eigentlich Rune Bratseth?

Naldo: Rune Bratseth? Nein, den kenne ich leider nicht. Wer ist das?

Das ist eine Werder-Legende. Rune Bratseth war 1992 beim Europapokalsieg dabei. Jetzt führt er bei der Fan-Umfrage der DeichStube nach der besten Werder-Elf aller Zeiten die Sparte Abwehrspieler an. Per Mertesacker ist Zweiter – und wer ist Dritter?

Naldo: Naldo? Wirklich ich?

Ja, und Sie wären damit in der Allstar-Elf dabei, wenn es bei der Umfrage auf www.deichstube.de so bleibt.

Naldo: Boah, das ist eine große Ehre für mich. Es gab und gibt so viele gute Verteidiger bei Werder. Das ist echt super, ich freue mich, dass ich ein Teil dieses Vereins war.

Wen würden Sie denn in die Abwehr wählen?

Naldo: Das ist schwer, ich habe dort mit vielen tollen Menschen gespielt. Aber am besten hat es mit Per Mertesacker gepasst. Wir waren ein Traumduo.

Wie ist Ihr Kontakt zu Werder, wie oft sind Sie noch in Bremen?

Naldo: Als ich noch in Wolfsburg war, bin ich einmal im Monat nach Bremen gefahren. Von Schalke aus ist es viel weiter weg. Ich habe aber regelmäßig Kontakt zu Frank Baumann, manchmal auch zu Max Kruse. Ich schaue alle Werder-Spiele, wenn es geht. Denn Werder ist in meinem Herzen.

Für immer?

Naldo: Natürlich. Es war mein erster Verein in Deutschland, ich bin Werder unendlich dankbar dafür.

Werden Sie vor dem Spiel mit Max Kruse sprechen?

Naldo: Na klar. Wir sind Freunde, er ist ein großartiger Spieler. Er hat sich ja im Hinspiel gegen uns schwer verletzt. Das war wirklich schade. Ich habe mich riesig gefreut für ihn, dass er so schnell wieder fit war. Auf dem Platz verteidigen wir unseren Verein, aber davor und danach ist alles anders.

Ist Kruse ein besonders unangenehmer Gegenspieler?

Naldo: Auf jeden Fall. Er ist so flexibel, er kann in der Mitte oder außen oder auch die falsche Neun spielen. Er ist sehr schwer zu verteidigen, hat einen guten linken Fuß, macht damit so viele Tore. Wir müssen einen guten Tag gegen ihn erwischen.

Werder ist 16. und trotzdem sind viele zufrieden, wie gut die Mannschaft spielt.

Naldo: Werder spielt eher wie ein Tabellensiebter. Das ist eine gefährliche Mannschaft, die schnell nach vorne spielt. Gegen Bayern haben sie wirklich Pech gehabt, und gegen Hertha hätten sie wirklich gewinnen müssen.

Kennen Sie Werder-Trainer Florian Kohfeldt?

Naldo: Persönlich nicht. Aber er macht auf mich einen sehr guten Eindruck.

Sowohl Florian Kohfeldt (35) als auch ihr Schalker Trainer Domenico Tedesco (32) sind jünger als Sie – ist das nicht komisch?

Naldo: Nein. Gott sei Dank fühle ich mich wie ein ganz junger Spieler. Fußball macht mir richtig Spaß. Ich hoffe, ich bleibe verletzungsfrei. Wie alt der Trainer ist, spielt doch keine Rolle.

Verraten Sie uns Ihren Zaubertrank, der Sie so jung hält?

Naldo: (lacht) Du musst immer Profi sein. Nach den Spielen lasse ich mich sofort behandeln. Zu Hause habe ich viele Geräte, aber ich erhole mich auch viel auf meinem Sofa. Und ich bin ständig in Kontakt mit unserem Ärzteteam und unseren Physiotherapeuten. Das ist sehr wichtig.

Als Sie Bremen 2012 überraschend Richtung Wolfsburg verließen, da hieß es bei Werder: Nicht so schlimm, Naldos Knie hält nicht mehr lange. Verspüren Sie Genugtuung, dass es ganz anders kam?

Naldo: Damals war es ein großer Fehler, dass ich nicht sofort operiert wurde und man mich anders behandelt hat. Nach acht Monaten hatte ich immer noch Schmerzen, da bin ich nach Brasilien geflogen und habe mich operieren lassen. Das war im Februar, im September stand ich wieder auf dem Platz. Es war eine ganz normale Verletzung. Ich hätte viel schneller gesund sein können.

Wie geht es Ihrem Knie heute?

Naldo: Bestens. Ich habe nie mehr etwas an dem Knie gespürt.

Sie haben am Wochenende mit Ihrem 337. Einsatz Ze Roberto als den Brasilianer mit den meisten Bundesligaspielen abgelöst. Was bedeutet Ihnen das?

Naldo: Sehr viel. In der Bundesliga haben so viele tolle Spieler aus Brasilien gespielt. Das ist eine Ehre für mich und gibt mir Kraft, dass ich noch ganz viele Spiele mache. Ich habe meinen Vertrag bis 2019 verlängert – und bin Schalke dafür sehr dankbar. Dieses Vertrauen will ich zurückzahlen.

Welches Spiel ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Naldo: Das sind sehr viele. Mit Werder das Finale im DFB-Pokal 2009 gegen Leverkusen, das wir gewonnen haben. Aber auch das Europapokalfinale 2009 gegen Donezk, das wir trotz eines Tores von mir verloren haben. Mit Wolfsburg habe ich 2015 auch den Pokal geholt – gegen Dortmund. Und mit Schalke war es natürlich unglaublich, nach einem 0:4-Rückstand noch 4:4 in Dortmund zu spielen, und ich mache auch noch das Tor.

Zwei Pokalsiege, aber keine Meisterschaft – klappt das vielleicht mit Schalke?

Naldo: In dieser Saison wird es schwierig (lacht). Die Bayern spielen in einer anderen Liga. Wir wollen unser Ziel erreichen, international zu spielen.

Der brasilianische Nationaltrainer Tite hat neulich im „kicker“gesagt, dass er Sie im Blick hat. Träumen Sie von einer WM-Teilnahme?

Naldo: Auf jeden Fall. Als ich das gelesen habe, habe ich mich sehr gefreut. Das gibt mir viel Selbstvertrauen und Ansporn, weiter hart zu arbeiten. Es wäre ein Traum, dabei zu sein, wenn nicht, wäre es aber auch nicht schlimm.

Gab es schon direkten Kontakt?

Naldo: Nein, das ist lange her. Mein letze Nominierung war 2009, dann war ich verletzt. Jetzt ist ein neuer Trainer da. Tite ist intelligent. Warten wir es ab.

Sie sind 35 Jahre alt – wie lange wollen Sie noch spielen?

Naldo: Das weiß ich gar nicht. Ich hoffe noch ein paar Jahre. Warum soll ich aufhören, wenn ich noch mithalten kann?

Ist es immer noch Ihr Plan, nach der Karriere in Deutschland zu bleiben?

Naldo: Ja. Eigentlich dachten wir ja, dass ich meine Karriere in Wolfsburg beende und wir dann dort bleiben. Aber es ist anders gekommen. Jetzt wissen wir es noch nicht, vielleicht kommen wir auch nach Bremen zurück.

Bei Werder arbeiten ohnehin viele Ex-Profis, wäre das auch für Sie denkbar?

Naldo: Aktuell konzentriere ich mich nur aufs Fußball spielen, aber für die Zukunft ist vieles denkbar. Ich habe ja einen sehr guten Draht zu Frank Baumann. Er und Marco Bode machen das wirklich sehr gut. Und ich freue mich für Tim Borowski, dass er jetzt Co-Trainer ist. Ich kann mir gut vorstellen, in Bremen zu leben. Aber jetzt zählt erst mal Schalke.

Naldo erzielte für den FC Schalke 04 in dieser Saison schon fünf Tore, vier davon mit dem Kopf.

Sie haben schon fünf Bundesliga-Tore in dieser Saison gemacht – treffen Sie auch am Samstag gegen Werder?

Naldo: Wenn ich treffe, dann werde ich ganz sicher nicht jubeln. Das verbietet der Respekt. Werder bedeutet sehr viel für mich. Aber natürlich muss ich versuchen, zu treffen. Noch wichtiger ist es aber für mich, Tore zu verhindern.

Nach dem Spiel werden immer Trikots getauscht, haben Sie überhaupt noch Platz dafür?

Naldo: Ich tausche schon lange nicht mehr.

Warum?

Naldo: Ich habe doch schon alle Bundesliga-Vereine mehrfach – und wir spielen ja leider nicht international.

Bleibt Werder in der Bundesliga?

Naldo: Natürlich, davon bin ich überzeugt. Nach dem Spiel gegen uns werden sie ganz viel gewinnen (lacht).

Die wichtigste Frage zum Schluss: Spielen Sie irgendwann noch mal für Werder?

Naldo: Das ist eine schwierige Frage. Im Fußball kann ja wirklich alles passieren. Aber ich bin sehr glücklich auf Schalke. Die Fans lieben mich, das ist Emotion pur. Viele Fans geben ihr ganzes Geld dafür aus, dass sie am Wochenende ins Stadion gehen können. Das ist Wahnsinn. Ich freue mich auf jedes Spiel – und am Samstag wird es gegen Werder ein ganz besonderes.

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Werders Spezialplan gegen Naldo

Naldo und das Abenteuer Bundesliga

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Beim SV Werder Bremen begann Naldo seine Bundesliga-Karriere. Das erste Pflichtspiel für Werder und in der Bundesliga war am ersten Spieltag der Saison 2005/06. Bremen gewann 5:2 gegen Arminia Bielefeld. © imago
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Naldo bildete mit Per Mertesacker ein Traumduo in Werders Innenverteidigung. Zusammen machten Sie auch in der Champions League auf sich aufmerksam. © nordphoto
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Bei Freistößen ließ selbst Diego (r.) dem 1,98-Meter-Hünen oft mal den Vortritt. Naldo hat einen Hammer wie kaum jemand in der Bundesliga. © nordphoto
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Den ersten großen Triumph auf nationaler Ebene bejubelte Naldo am 30.05.2009. Mit Werder holte er den DFB-Pokal. Im gleichen Jahr stand er auch im Finale des Uefa-Cups, verlor aber trotz eines eigenen Treffers gegen Schachtar Donezk. © imago
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2012 wechselte Naldo zwar nicht die Vereinsfarben, Bremen verließ er allerdings für rund fünf Millionen Euro in Richtung Wolfsburg. © nordphoto
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Nach dem Sieg im DFB-Pokal-Finale 2015 verpasste der Spaßvogel (mit Vierinha) Trainer Dieter Hecking obligatorische Bierdusche. © nordphoto
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Im Sommer 2016 verließ er die „Wölfe“ ablösefrei und ging zu Schalke 04. Auch dort wurde er in Windeseile zum Publikumsliebling. Gerade in der Saison 2017/2018 blühte Naldo nochmal richtig auf und... © imago
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... gehört zu den besten Verteidigern der Liga. Einen besonderen Auftritt hatte er im Revierderby gegen Borussia Dortmund: Nach 0:4 zur Pause holte Schalke sensationell auf - Naldo köpfte in der Schlussminute zum 4:4 ein. © imago
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