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Während Gladbachs Torschütze Thorgan Hazard (vorn) abdreht, schimpft Werder-Keeper Felix Wiedwald wie ein Rohrspatz.

Nach 0:1-Pleite: Werder auf dem Relegationsplatz

Freibrief für Nouri, Schelte für die Profis

Bremen - Von Daniel Cottäus und Björn Knips. Schon wieder keine Punkte für Werder. Sportchef Frank Baumann stellte nach der vierten Pleite in Folge aber gleich klar, dass es keine Trainerdiskussion gibt.

Es war der nächste Tiefschlag, die nächste bittere Niederlage für Werder Bremen im Kampf gegen den Abstieg, aber Frank Baumann wollte ein Fass gar nicht erst aufmachen: Der Sportchef erstickte gestern kurz nach dem Abpfiff sämtliche Diskussionen um seinen Trainer Alexander Nouri im Keim. Nach dem 0:1 (0:1) im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach stärkte Baumann dem Coach demonstrativ den Rücken – und sprach ihm sogar eine Jobgarantie aus. „Am Trainer hat es nicht gelegen, die Spieler müssen sich an die eigene Nase fassen. Wir gehen mit Alexander Nouri ins nächste Spiel“, sagte Baumann gegenüber dem NDR.

Kurz darauf knöpfte sich der Sportchef in einer Medienrunde dann sein kickendes Personal vor: „Diese Leistung werden wir so nicht stehen lassen. Da kann sich keiner rausnehmen. So kann man in der Bundesliga nicht bestehen“, ärgerte sich der 41-Jährige, ehe er sogar noch deutlicher wurde: „Wir werden in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten schauen, welche Spieler würdig sind, das Werder-Trikot zu tragen.“

Vier Spiele haben die Bremer im neuen Jahr nun absolviert – und vier Niederlagen kassiert. Macht null Punkte, macht große Not. In der Tabelle rutschte die Mannschaft am Samstag nämlich auf den Relegationsplatz ab, weil ausgerechnet der direkte Konkurrent aus Hamburg überraschend mit 3:0 in Leipzig gewonnen hatte und damit vorbeigezogen ist. „Ich bin extrem enttäuscht, wir waren einfach nicht zwingend genug“, betonte Nouri und äußerte damit erstmals überhaupt deutliche Kritik an seiner Mannschaft: „Das war einfach zu wenig. Man muss sich das Glück auch erarbeiten, und das haben wir nicht gemacht.“

Garcia lässt Gladbachs Hazard davonziehen

Hatte Werder in den ersten drei Partien des Jahres zumindest noch spielerisch überzeugt und am Ende jeweils unglücklich verloren, ließ das Team gegen Gladbach nahezu alles vermissen, worauf es im Kampf gegen den Abstieg ankommt. So hielten sämtliche guten Vorsätze, die sich die Spieler nach der Augsburg-Pleite noch wortreich gemacht hatten, gerade einmal zwölf Minuten.

Nachdem der in die Startelf zurückgekehrte Santiago Garcia einen Zweikampf im Mittelfeld leichtfertig verloren hatte, war seine linke Abwehrseite sträflich offen. Christoph Kramer schickte Thorgan Hazard auf die Reise, der wenig später unbedrängt ins lange Eck traf – 1:0 für Gladbach. „Es ist sehr bitter, wenn in einem Heimspiel ein Konter ausreicht, dass man am Ende verliert“, haderte Nouri später. Dabei hätte Werder schnell in die Partie zurückfinden können, denn nur fünf Minuten nach dem Rückstand bot sich Fin Bartels die beste Bremer Chance des Nachmittags. Nach einer Garcia-Flanke brachte ihn Zlatko Junuzovic in gute Abschluss-Position, allerdings fand Bartels seinen Meister im stark parierenden Gladbacher Torhüter Yann Sommer.

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Wie schon in den vergangenen Wochen hatte sich Nouri in der Defensive zunächst erneut für eine Dreierkette entschieden – eine Formation, die gegen Gladbach aber die falsche Wahl war. Immer wieder gelang es den Gästen, die Bremer mit schnellen Angriffen in Verlegenheit zu bringen. Gladbach ließ Werder kommen, schaltete dann schnell um, ohne dabei allerdings für die ganz große Gefahr zu sorgen. Als in der 24. Minute dann die zwischenzeitliche 2:0-Führung des HSV über die Videoleinwand flimmerte, machte sich im Weserstadion ein erster Eindruck davon breit, dass dieser Nachmittag ziemlich ungemütlich, nämlich unter dem Strich enden könnte.

„Wenn man vier Mal in Folge verliert, dann ist das kein Pech mehr“

Nach der Pause stellte Nouri auf Viererkette um, brachte in Theodor Gebre Selassie, der fortan als rechter Außenverteidiger agierte, und Stürmer Claudio Pizarro zwei frische Kräfte. Zunächst schien das Früchte zu tragen, Werder kam schwungvoll aus der Kabine, große Chancen blieben allerdings bis zum Schlusspfiff aus. Die besten Möglichkeiten vergaben noch Thomas Delaney (67.) und der in der Schlussphase eingewechselte Aron Johannsson (85.). Die Gäste waren da gefährlicher, hätten mit etwas mehr Konzentration bei ihren Kontern gut und gerne auf 2:0 erhöhen können. Am Ende mussten sie das aber gar nicht, es reichte ja auch so.

Und so standen die Bremer nach dem Schlusspfiff einmal mehr da und versuchten zu erklären, was sie eigentlich selbst gar nicht erklären können. „Wir sind irgendwie in eine Spirale geraten, in der das Selbstvertrauen weg ist“, sagte etwa Verteidiger Robert Bauer – und hob dann noch hervor: „Wenn man vier Mal in Folge verliert, dann ist das kein Pech mehr.“

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