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Max Kruse steht fast immer im Fokus: Auf dem Platz feiert der Werder-Profi, auf dem Weg in die Kabine versteckt er sich lieber.

Werder-Profi trifft auf seinen Ex-Club Gladbach

Der schweigsame Kruse lässt lieber Taten sprechen

Bremen - Von Björn Knips. Max Kruse ist einer mit Ecken und Kanten. Neben dem Platz sorgte der Werder-Stürmer in der Vergangenheit oft für Furore. Doch auf dem Platz liefert er ab.

Unter seiner Kapuze ist Max Kruse auf dem Weg von der Kabine zum Parkplatz kaum zu erkennen. Doch der kleine Fan geht trotzdem ganz zielstrebig auf den Werder-Star zu und bittet um ein Selfie. Das bekommt er auch. Allerdings nur mit einem zu erahnenden Kruse-Gesicht, denn die Kopfbedeckung bleibt auf. Mit der Außendarstellung hat es der 28-Jährige nicht so. Dafür läuft es auf dem Platz umso besser. Kruse ist für Werder so wertvoll wie erhofft – und am Samstag der große Hoffnungsträger im Abstiegskampf gegen Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr, Weserstadion).

„Max ist ein wichtiger Part in unserem Spiel, weil er immer anspielbereit ist, viele Wege geht und eine gute Spielfortsetzung für uns hat“, schwärmt Trainer Alexander Nouri und lobt zudem Kruses Torgefahr: „Er hat einen guten Abschluss.“ Zwei Mal hat der Angreifer nach der Winterpause schon getroffen. Gegen die Bayern zauberte er den Ball ins Tor, in Augsburg versenkte er einen Strafstoß. Werder verlor trotzdem wie schon zum Jahresauftakt gegen Dortmund – und Kruse war schwer gefrustet: „Wir haben nach drei Spielen immer noch null Punkte, da kannst du so gut spielen, wie du willst.“

Der 28-Jährige hat durchaus etwas zu sagen, nur macht er es ganz selten. Kruse spricht in diesem Jahr lediglich direkt nach den Spielen – und das auch nur vor Kameras und Mikrofonen. Also streng genommen nur nach Vorschrift, denn diese Kurzinterviews haben sich die Rechteinhaber wie Sky und ARD vertraglich zusichern lassen. Sie bestimmen nach den Spielen, wen sie interviewen wollen. Danach bestimmt wieder der Spieler – und bei Kruse bedeutet das Stille.

Werders Angreifer hat eine unglaubliche Präsenz und Leichtigkeit

Seit seinem nächtlichen Autounfall vor einem Monat wenige Stunden vor einem Training hat der Ex-Nationalspieler keine Interviews mehr gegeben und sich auch nicht in der täglichen Gesprächsrunde mit den Journalisten vor Ort blicken lassen. Trotz mehrfacher Anfrage. Diese Geschichte hat allerdings auch einen Hintergrund: Weil einige Zeitungen aus seiner Sicht in der Vergangenheit zu sehr über sein Privatleben und vermeintliche Fehltritte berichtet haben, steht Kruse den Medien grundsätzlich sehr kritisch gegenüber. Deshalb hat er über seine Facebookseite gerne direkt zu seinen Fans gesprochen. Doch auch seine berühmten Filmchen „Hier bin ich“ haben nach der „Gesund und munter“-Folge nach besagtem Autounfall keine Fortsetzung mehr erlebt.

Max Kruse wackelt Bayerns David Alaba (r.) aus und haut die Kugel in die Maschen.

Kruse lässt nur noch Taten sprechen. Und das ziemlich eindrucksvoll. Jeder Werder-Fan hat noch dieses Traumtor gegen die Bayern im Kopf, als der Werder-Profi per Hackentrick David Alaba ins Leere laufen lässt, um dann eiskalt zu vollstrecken. Doch das allein ist es nicht, was Kruse gerade so auszeichnet und so auffällig macht. Der 28-Jährige hat eine unglaubliche Präsenz und Leichtigkeit. Kommt er an den Ball, passiert etwas Besonderes. Er hat den Blick und die Bewegung für das bestmögliche Abspiel. Dabei strahlt er ein Selbstbewusstsein aus, von dem viele seiner Kollegen nur träumen können. Kruse bleibt immer ganz ruhig am Ball, Hektik ist ihm fremd.

Würde das Zusammenspiel mit den Kollegen besser funktionieren, gäbe es einen Angriffswirbel wie zu besten Bremer Zeiten. Doch dafür fehlen die Automatismen, meist wird erst nach Kruses Ideen reagiert – und das ist zu spät. Zudem bekommt Kruse den Ball zu selten zurück. Das gilt vor allem für Serge Gnabry, der es zu oft auf eigene Faust versucht. Wie in Augsburg, als er den besser postierten Kruse ignorierte und das Tor verfehlte. Vorbei war die große Chance zum wohl vorentscheidenden 3:1. Der Rest ist bekannt.

Kruses Quote gegen Gladbach könnte Werder Mut machen

Gegen Gladbach soll es besser laufen. Ein für Werder im Abstiegskampf ganz besonderes Spiel – für Kruse auch ganz persönlich. Denn ganz groß hat er dort von 2013 bis 2015 aufgespielt. 44 Torbeteiligungen (23 Treffer, 21 Assists) in 66 Bundesligaspielen sind mehr als bemerkenswert. Kein anderer Gladbacher war in diesen beiden Spielzeiten erfolgreicher. Deshalb lockte der VfL Wolfsburg mit viel Geld – und Kruse schlug ein. Doch es lief unrund, auf und vor allem neben dem Platz.

Deshalb ging es im Sommer zurück zur ersten Profistation nach Bremen. Und dort kommt Kruse nach langer Verletzungspause nun richtig in Tritt. Sein unprofessioneller Nachtausflug mit Unfall wurde ihm vom Verein sofort verziehen. Seine Kilos sind kein Thema mehr, das vor Wochen mal enttarnte kleine Bäuchlein fällt nicht mehr ins Gewicht. Wenngleich er gegen Augsburg mit nicht mal zehn Kilometern wahrlich nicht zu den laufstärksten Akteuren auf dem Platz zählte. Kruse liefert eben anders.

„Wenn man ihn fragt, dann ist er nie ganz zufrieden“, berichtet Nouri: „Das zeichnet Max auch aus, dass er noch Potenzial nach oben erkennt und sich verbessern will.“ Möglichst schon Samstag gegen Gladbach. Den Ex-Club mag Kruse auch als Gegner. Sechs Spiele, vier Tore, nur eine Niederlage – lautet seine Bilanz. Vor Gladbach muss sich der 28-Jährige nicht verstecken.

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