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Gemeinsamer Jubel: Freiburgs Nils Petersen (links) und Werders Serge Gnabry waren beim olympischen Turnier in Rio Deutschlands beste Torschützen.

Werders Gnabry ist ein Hoffnungsträger, Freiburgs Petersen nur „Joker“

Das Wiedersehen der beiden Rio-„Knipser“

Bremen - Am 23. August trennten sich ihre Wege. Beide hatten die Silbermedaille im Gepäck, beide waren beim olympischen Fußballturnier in Rio de Janeiro mit sechs Treffern die erfolgreichsten Schützen der deutschen Mannschaft gewesen. Aber nur einer grübelte in dieser Zeit intensiv über die Zukunft – und wechselte dann wenig später vom FC Arsenal zu Werder: Serge Gnabry. Dazu geraten haben dürfte ihm neben einigen anderen Ex-Bremern wie Mesut Özil oder Per Mertesacker auch sein Olympia-Kollege Nils Petersen. Und der kehrt mit dem SC Freiburg Samstag (15.30 Uhr) ins Weserstadion zurück. Dorthin, wo inzwischen Gnabry zu Hause ist. Es ist das Wiedersehen der Rio-„Knipser“.

Die Entwicklung der zwei Offensivmänner nach dem durchaus beachtlichen Erfolg in Brasilien ist allerdings total unterschiedlich. Der eine (Petersen) war zuletzt nur Bankdrücker, der andere (Gnabry) ist im Rekordtempo zum Bremer Hoffnungsträger emporgeschossen.

In seinen sieben Bundesliga-Spielen für Werder hat Gnabry bereits drei Tore geschossen und war mit seinem Tempo und seinen Dribblings meistens der gefährlichste Bremer. Was ihm noch fehlt, ist ein Treffer im Weserstadion. Aber vielleicht holt er das ja heute nach. Zuzutrauen ist es dem 21-Jährigen auf jeden Fall, denn er hat sich in seinem neuen Verein schon nach knapp zwei Monaten bestens eingefügt. Seinen Coach Alexander Nouri überrascht das nicht: „Serge geht immer mit vollem Herzen auf den Platz, belohnt sich für seinen Aufwand und seinen Mut.“ Claudio Pizarro, die noch nicht wieder fitte Bremer Lebensversicherung der Vorsaison, ist ebenfalls ganz angetan von dem Mann, der aktuell Werders bester Torschütze ist. „Er macht es sehr gut, war sofort integriert, hat seine Tore geschossen und seine Qualität eingebracht“, lobte der Peruaner den deutschen U 21-Nationalspieler: „Ich hoffe, er kann so weitermachen.“ Überzeugt von Gnabry ist auch Werders Ex-Coach Thomas Schaaf. „Hervorragend, wie er das macht“, urteilte der 55-Jährige: „Er hat Mut, versucht etwas. Das tut ihm und der Mannschaft gut. Er ist ein sehr erfrischendes Element.“

Und der Neu-Bremer darf regelmäßig spielen – anders als Petersen. Der 27-Jährige hatte wie Gnabry wegen der Olympia-Teilnahme keine richtige Vorbereitung im Club und musste sich in dieser Saison bisher mit der Reservistenrolle zufrieden geben. Nach seinem starken Zweitliga-Jahr mit 21 Toren und sechs Vorlagen ist er bei Aufsteiger Freiburg ein wenig ins Hintertreffen geraten, durfte nur ein Mal von Beginn an ran. Dennoch ist seine Ausbeute – drei Treffer in 240 Spielminuten – durchaus vorzeigenswert. Petersen kann es eben auch, wenn er von der Bank kommt. Mit 13 Toren ist er inzwischen der fünftbeste „Joker“ der Bundesliga-Geschichte hinter Alexander Zickler (18), Pizarro (15) sowie Mehmet Scholl und Hans-Jörg-Criens (beide 14). „Nils ist immer brandgefährlich“, weiß Werders Sportchef Frank Baumann, der den Torjäger noch aus dessen Zeit in Bremen kennt: „Ihn muss man 90 Minuten kontrollieren, am besten die Zuspiele in die Spitze verhindern, vor allem die von der Seite. Wir gönnen ihm Tore – aber erst ab dem übernächsten Spiel.“

„Nils hat sich immer voll eingebracht“

Petersen hatte Werder im Januar 2015 nach zweieinhalb Jahren verlassen müssen, wurde vom ehemaligen Bremer Sportchef Thomas Eichin erst an Freiburg verliehen und dann verkauft. Im Nachhinein ein Fehler? „Ich glaube es nicht“, sagte Baumann: „Nils ist charakterlich absolut top, hat sich immer voll eingebracht, nie aufgegeben. Aber Werder war damals im Sturm gut besetzt.“

Wegen der schlechten Perspektiven entschied sich Petersen für Freiburg, blühte dort auf und kehrt nun heute erstmals ins Weserstadion zurück. Natürlich würde er gegen seinen Ex-Club, für den er noch große Sympathien hegt, gerne in der Startelf stehen. Und die Chancen stehen nicht schlecht. Der zuletzt im Sturm gesetzte Florian Niederlechner fällt wegen einer Oberschenkelprellung wahrscheinlich aus. Möglich aber auch, dass der bullige Karim Guede beginnen darf. „Man könnte auf die Idee kommen, dass das ein Spiel für ihn ist“, sagte Freiburgs Trainer Christian Streich. Dann wäre Petersen wieder draußen. 

mr

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