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Für Max Kruse und Werder Bremen war gegen Kevin Vogt und die TSG Hoffenheim kein Durchkommen.

0:1 gegen Hoffenheim

Kramarics krummes Ding: Werder verliert Auftakt

Sinsheim - Am Ende war es pures Pech: Werder Bremen ist mit einer 0:1 (0:0)-Niederlage bei 1899 Hoffenheim in die neue Saison der Fußball-Bundesliga gestartet. Das Tor des Tages resultierte aus einem abgefälschten Schuss des eingewechselten Andrej Kramaric (84.).

Für Werder lautete die Aufgabe, einen ähnlichen Katastrophenstart wie ein Jahr zuvor zu vermeiden. Damals setzte es ein 0:6 bei Bayern München – und die Hinserie wurde zu einer einzigen Qual. Weil diesmal das Auftaktprogramm mit Spielen gegen Hoffenheim, Bayern und Hertha BSC erneut die Gefahr eines Mega-Fehlstarts birgt, wäre ein Punktgewinn beim Vorjahresvierten Gold wert gewesen. Letztlich taten die auf Defensive bedachten Bremer in der zweiten Halbzeit aber zu wenig für ein Remis.

Hoffenheim gegen Werder – das hätte auch ein Spiel einiger Ex-Bremer gegen alte Kollegen sein können. Aber: In der Startelf der Kraichgauer stand nicht einer der drei ehemaligen Werderaner. Serge Gnabry, via Bayern München zur TSG gewechselt, saß zunächst nur auf der Bank.

Kein Ex-Bremer in Hoffenheimer Startelf

Florian Grillitsch, ebenfalls in der vergangenen Saison noch im grün-weißen Trikot, stand wegen Trainingsrückstands nach Mittelfuß-Problemen nicht einmal im Kader – wie überraschend auch Sandro Wagner. Der Torjäger fiel der Rotationslust seines Coaches Julian Nagelsmann zum Opfer, der 30-Jährige veränderte seine Mannschaft im Vergleich zum Champions-League-Qualifikationsspiel vier Tage zuvor gegen den FC Liverpool (1:2) auf gleich sechs Positionen.

Werder-Coach Alexander Nouri baute sein Team nur dezent um. Der im DFB-Pokal gesperrte Fin Bartels kehrte in den Sturm zurück, Florian Kainz rückte deshalb zurück ins Mittelfeld. Jerome Gondorf musste für den Österreicher weichen.

Florian Kainz vergab in der ersten Hälfte die beste Chance für Werder Bremen.

Es war eine Maßnahme, die auf dem Papier für einen offensiven Werder-Stil stand. Doch auf dem Platz gab Hoffenheim den Ton an. Kerem Demirbay hätte nach Zuspiel von Mark Uth für die frühe Führung sorgen können, zielte aus wenigen Metern jedoch weit über das Bremer Tor (4.). Havard Nordtveit vergab eine weitere gute Möglichkeit (15.). Werder musste sich in die Partie erst reinkämpfen, fand erst nach und nach in die Zweikämpfe.

Im Spielaufbau haperte es aber dauerhaft – weshalb bei der ersten Bremer und bis dahin besten Chance des Spiel der Zufall mithelfen musste. Nach einem geblockten Schussversuch von Max Kruse kam Fin Bartels an den Ball, legte quer auf Kainz. Der Österreicher hätte nur noch einschieben müssen, brachte aber das Kunststück fertig, das leere Tor zu verfehlen (29.).

Kainz' Fehlschuss und Kramarics Glückstor

Unglaublich eigentlich – aber es blieb auch die Frage, ob der Treffer regulär gewesen wäre. Denn Bartels stand in sehr abseitsverdächtiger Position, als er an den Ball kam. Es war eine Sache von Millimetern, und Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken) entschied pro Bartels – eine Überprüfung durch den Video-Schiedsrichter hätte es nicht gegeben. Die Wirsol-Rhein-Neckar-Arena gehörte zu einem der drei Stadien, in denen am ersten Spieltag die entsprechende Technik nicht funktionierte. Peinlich, peinlich.

Mit der Top-Chance für Werder veränderte sich auch etwas an den Kräfteverhältnissen auf dem Feld. Die ganz in Weiß gekleideten Bremer wurden stärker, legten ihre anfängliche Zurückhaltung mehr und mehr ab. Folge: eine weitere Großchance. Ludwig Augustinsson, der wie Torhüter Jiri Pavlenka sein Bundesliga-Debüt feierte, fand aus halblinker Position aber nicht den Weg vorbei an 1899-Keeper Oliver Baumann (35.). So blieb es zur Pause beim 0:0.

Offensiv hatte Werder fast nichts zu bieten

Die zweite Hälfte begann wie die erste: mit Hoffenheimer Überlegenheit. Werder verteidigte aber geschickt, ließ bis auf Distanzschüsse nichts zu. Einer dieser Distanzschüsse hätte aber beinahe gesessen. Demirbay hatte abgezogen, der Ball wurde abgefälscht, klatschte an die Unterkante der Latte und sprang auf die Linie. Oder genauer: Die eine Hälfte war im Tor, die andere auf der Linie – das bewies die Torlinientechnologie, die anders als die Abseitslinientechnik funktionierte (60.).

Die Errungenschaften des modernen Fußballs waren also gut für die Bremer, die mit ihrer Defensivarbeit – dem Arbeitsschwerpunkt während der Vorbereitung – zufrieden sein konnten. Offensiv hatte das Nouri-Team im zweiten Spielabschnitt aber so gut wie nichts zu bieten. Konter? Fehlanzeige! Dass sich das Geschehen fast nur noch in der Bremer Hälfte abspielte, dokumentierten auch die Auswechslungen.

Mit einem Glücksschuss besiegelte Andrej Kramaric Werders Auftakt-Niederlage.

Bei Werder kam der defensive Philipp Bargfrede für den offensiven Kainz, und bei Hoffenheim kamen in Gnabry und Kramaric frische Stürmer. Gnabry wurde auch sofort gefährlich, seine Hereingabe klärte Lamine Sane jedoch zur Ecke (73.). Zehn Minuten später parierte Pavlenka gegen den Ex-Bremer (83.).

Alles lief auf ein 0:0 hinaus – bis alles Glück, das Werder zuvor bei den Millimeterentscheidungen gehabt hatte, sich in Pech verwandelte. Robert Bauer war es, der den Kramaric-Schuss unhaltbar für Pavlenka abfälschte (84.).

SV Werder Bremen: 1 Pavlenka – 4 Bauer, 26 Sane, 13 Veljkovic –23 Gebre Selassie, 5 Augustinsson – 35 M. Eggestein (87. 9 Johannsson) – 7 Kainz (67. 44 Bargfrede), 6 Delaney – 22 Bartels (75. 8 Gondorf), 10 Kruse

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