+
Der Moment nach dem entscheidenden Tor des Nachmittags: Hoffenheims Andrej Kramaric jubelt, die Bremer (von links) Thomas Delaney, Milos Veljkovic, Robert Bauer und Lamine Sane sind fassungslos.

0:1-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim

Unglücklich ja, unverdient nein

Sinsheim - Mit 0:1 hat Werder Bremen sein erstes Bundesliga-Spiel der Saison gegen die TSG 1899 Hoffenheim verloren. Eine Niederlage die unglücklich war - aber nicht unverdient.

Jiri Pavlenka wusste schon vorher, was gleich passieren würde. Sekundenbruchteile, bevor der Ball hinter ihm einschlug, war dem neuen Werder-Torhüter bereits klar, dass er in seinem ersten Bundesligaspiel erstmals geschlagen sein würde. Als Andrej Kramaric seinen Schuss abgegeben hatte, da hatte sich Pavlenka noch kurz aufgebäumt, wirkte bereit zum Abheben. Dann kam Robert Bauer, und der Keeper ließ die Schultern sinken. Nachdem Werders Verteidiger den Schuss abgefälscht hatte, flog der Ball in hohem Bogen neben Pavlenka ins Netz – es war die 84. Minute und die entscheidende Szene des Spiels. Mit 0:1 (0:0) musste sich Werder Bremen am ersten Spieltag bei der TSG 1899 Hoffenheim geschlagen geben.

Über weite Strecken hatte die Mannschaft von Trainer Alexander Nouri in der Defensive zwar einen guten Job gemacht und den überlegenen Gegner aus den gefährlichen Räumen ferngehalten. Da die Gäste in der Offensive vor allem nach der Pause aber viel zu wenig anboten, ging das Ergebnis am Ende völlig in Ordnung.

Kainz' Fehlschuss und Kramarics Glückstor

Hoffenheim bestimmte anfangs das Spielgeschehen.
Die TSG 1899 Hoffenheim bestimmte anfangs das Spielgeschehen, kam oft über Nadiem Amiri. © dpa
Werder wartete ab und verteidigte ordentlich.
Werder wartete ab und verteidigte ordentlich. © nordphoto
Nach 25 Minuten wurden die Gäste aus Bremen stärker - und setzten Akzente nach vorn.
Nach 25 Minuten wurden die Gäste aus Bremen stärker - und setzten Akzente nach vorn. © nordphoto
Florian Kainz vollbrachte es dann aber in der 29. Minute, den Ball neben das leere Tor zu setzen.
Florian Kainz vollbrachte es dann aber in der 29. Minute, den Ball neben das leere Tor zu setzen. © nordphoto
Ludwig Augustinsson hat Zeit und prüft TSG-Keeper Oliver Baumann zu einer starken Parade. Zur Pause blieb es beim 0:0.
Ludwig Augustinsson hat Zeit und prüft TSG-Keeper Oliver Baumann zu einer starken Parade. Zur Pause blieb es beim 0:0. © nordphoto
Nach dem Seitenwechsel waren es wieder die Hoffenheimer, die aktiver nach vorne spielten.
Nach dem Seitenwechsel waren es wieder die Hoffenheimer, die aktiver nach vorne spielten. © nordphoto
Werder fand in der Offensive hingegen kaum statt. Von Fin Bartels war wenig bis gar nichts zu sehen. War er mal am Ball, gab er ihn schnell und leichtfertig wieder her.
Werder fand in der Offensive hingegen kaum statt. Von Fin Bartels war wenig bis gar nichts zu sehen. War er mal am Ball, gab er ihn schnell und leichtfertig wieder her. © nordphoto
Auch Sturmpartner Max Kruse - hier im Duell mit Kevin Voigt - war bis auf ein paar Aktionen in der ersten Hälfte blaß.
Auch Sturmpartner Max Kruse - hier im Duell mit Kevin Voigt - war bis auf ein paar Aktionen in der ersten Hälfte blaß. © nordphoto
Bis zur 84. Minute konnte Werder die Null halten, dann traf Andrej Kramaric für die TSG. Sein Schuss hatte Robert Bauer unhaltbar abgefälscht.
Bis zur 84. Minute konnte Werder die Null halten, dann traf Andrej Kramaric für die TSG. Sein Schuss hatte Robert Bauer unhaltbar abgefälscht. © nordphoto
Die Bremer verloren am Ende mit etwas Pech gegen offensivstarke Hoffenheimer 0:1.
Die Bremer verloren am Ende mit etwas Pech gegen offensivstarke Hoffenheimer 0:1. © imago

„Ich glaube, der Ball wäre zur Eckfahne gegangen, wenn er nicht abgefälscht wird“, sagte Nouri über das Gegentor. Dann kam der 37-Jährige in seiner Analyse aber schon auf das Hauptproblem seines Teams während des Duells zu sprechen: „Der Druck von Hoffenheim war riesig. Leider hat uns in der zweiten Halbzeit die Entlastung gefehlt. Wir hatten im Umschaltspiel nicht die richtigen Lösungen.“

Die favorisierten Gastgeber gaben vom Anstoß weg den Ton an und überließen Werder kaum den Ball. Kerem Demirbay (4.) und Havard Nordtveit (15.) hätten Hoffenheim schon früh in Führung bringen können. Werder kam erst nach und nach etwas besser ins Spiel und hätte den bisherigen Verlauf in der 29. Minute beinahe auf den Kopf gestellt. Nach einem Querpass von Fin Bartels brachte Florian Kainz allerdings das Kunststück fertig, den Ball aus fünf Metern Entfernung am leeren Tor vorbeizuschieben.

Zum Haareraufen: Wegen eines unglücklichen Gegentores hat Werder Bremen das erste Saisonspiel gegen Hoffenheim verloren.

Eine Szene, die schon jetzt ihren Platz in jedem Saisonrückblick sicher haben dürfte. „Ich muss das Tor machen, da gibt es keine Ausreden“, sagte Kainz hinterher. Pikant: Bartels hatte sich vor seinem Zuspiel in abseitsverdächtiger Position befunden, Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken) ließ das Spiel laufen. Eigentlich eine Szene, die nach dem neu eingeführten Videobeweis schrie, nutzen konnten ihn die Hoffenheimer aber nicht. Das Stadion in Sinsheim zählte zu einem von dreien, in denen die Technik beim Bundesliga-Auftakt nicht funktionierte.

Nach der Kainz-Chance war Werder plötzlich im Spiel, auch Neuzugang Ludwig Augustinsson hätte für das 1:0 sorgen können. Er scheiterte mit seinem wuchtigen Linksschuss aber an Hoffenheim-Keeper Oliver Baumann (35.). In Hälfte zwei war von Werder in der Offensive dann gar nichts mehr zu sehen. „Da lief es nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten“, seufzte Theodor Gebre Selassie – und brachte es auf den Punkt: „Wir waren zu passiv.“ Angriff um Angriff rollte nun auf das Bremer Tor zu – gefährlich wurde Hoffenheim dabei aber nur selten. Demirbay traf aus der Distanz die Latte, von wo aus der Ball auf die Linie sprang (60.) – viel mehr war nicht.

Kainz – die tragische Figur mutiert zum Mutmacher

„Wir haben die Räume gut zugemacht“, lobte Sportchef Frank Baumann, kam bei seinem Fazit aber auch nicht um die 84. Minute herum: „So zu verlieren, ist bitter.“ Als alles schon nach einem 0:0 aussah, kam also nochmal dieser Kramaric, der zuvor in drei Spielen gegen Werder drei Mal getroffen hatte. Nachdem er am Samstag abgezogen hatte, wusste Jiri Pavlenka als Erster, dass der Kroate seine Serie fortsetzt.

Und auch für Werder ging es weiter wie gehabt. Nach 0:3 bei Schalke 04 und 0:6 bei Bayern München verlor Werder zum dritten Mal in Folge ein Bundesliga-Auftaktspiel ohne eigenes Tor. Nun droht erneut ein kapitaler Fehlstart in die Saison, denn die nächsten Gegner heißen Bayern München (Samstag, 15.30 Uhr, Weserstadion) und Hertha BSC. Florian Kainz mutierte beim Blick nach vorne allerdings von der tragischen Figur zum Mutmacher: „Wir haben das erste Spiel verloren, jetzt konzentrieren wir uns auf das zweite. Wir wollen gegen Bayern München auf jeden Fall punkten.“

Einzelkritik: Kruse und Bartels noch nicht auf Betriebstemperatur 

Jiri Pavlenka: Der Torhüter wirkte bei seinem Bundesliga-Debüt präsent, wurde allerdings auch nicht großartig gefordert. Leistete sich eine kleine Unsicherheit gegen Szalai, die ohne Folgen blieb (28.). Beim Gegentor ohne Schuld. Verhinderte das 0:2 gegen Demirbay in der Nachspielzeit. Note: 3
Jiri Pavlenka: Der Torhüter wirkte bei seinem Bundesliga-Debüt präsent, wurde allerdings auch nicht großartig gefordert. Leistete sich eine kleine Unsicherheit gegen Szalai, die ohne Folgen blieb (28.). Beim Gegentor ohne Schuld. Verhinderte das 0:2 gegen Demirbay in der Nachspielzeit. Note: 3 © nordphoto
Robert Bauer: Spielte erwartungsgemäß als rechter Innenverteidiger in der Dreierkette und bewies, dass er diese Rolle beherrscht. Wie immer mit großem Kampfgeist. Fälschte den Kramaric-Schuss unglücklich ab (84.). Note: 3
Robert Bauer: Spielte erwartungsgemäß als rechter Innenverteidiger in der Dreierkette und bewies, dass er diese Rolle beherrscht. Wie immer mit großem Kampfgeist. Fälschte den Kramaric-Schuss unglücklich ab (84.). Note: 3 © nordphoto
Lamine Sane: Der zentrale Mann in Werders Abwehr wirkte in der Anfangsphase fahrig und war gleich in mehreren Situationen nicht auf der Höhe. In der Folge trug er seinen Teil dazu bei, dass Werders Abwehr lange Zeit dichthielt. Note: 3,5
Lamine Sane: Der zentrale Mann in Werders Abwehr wirkte in der Anfangsphase fahrig und war gleich in mehreren Situationen nicht auf der Höhe. In der Folge trug er seinen Teil dazu bei, dass Werders Abwehr lange Zeit dichthielt. Note: 3,5 © nordphoto
Milos Veljkovic: Spielte im Grunde wie immer: Unauffällig und solide. Als linker Part der Dreierkette zeigte er jedoch kaum die langen Diagonalbälle, die als seine große Stärke gelten. Note: 3
Milos Veljkovic: Spielte im Grunde wie immer: Unauffällig und solide. Als linker Part der Dreierkette zeigte er jedoch kaum die langen Diagonalbälle, die als seine große Stärke gelten. Note: 3 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Vorstöße über die rechte Seite gab es vom Tschechen kaum, dafür musste er zu sehr in der Defensive mithelfen, was er über weite Strecken zuverlässig tat. Note: 3
Theodor Gebre Selassie: Vorstöße über die rechte Seite gab es vom Tschechen kaum, dafür musste er zu sehr in der Defensive mithelfen, was er über weite Strecken zuverlässig tat. Note: 3 © nordphoto
Ludwig Augustinsson: Der Neuzugang aus Kopenhagen hatte gleich in seinem ersten Bundesliga-Spiel eine dicke Torchance: Er scheiterte mit einem wuchtigen Linksschuss an TSG-Keeper Baumann (35.) Auch er musste gegen einen dominanten Gegner vor allem verteidigen, war auf der linken Außenbahn viel unterwegs. Seine gefürchteten Flanken blieben jedoch aus. Note: 3
Ludwig Augustinsson: Der Neuzugang aus Kopenhagen hatte gleich in seinem ersten Bundesliga-Spiel eine dicke Torchance: Er scheiterte mit einem wuchtigen Linksschuss an TSG-Keeper Baumann (35.) Auch er musste gegen einen dominanten Gegner vor allem verteidigen, war auf der linken Außenbahn viel unterwegs. Seine gefürchteten Flanken blieben jedoch aus. Note: 3 © nordphoto
Maximilian Eggestein (bis 87.): In der Anfangsphase hatte der 20-Jährige große Probleme, als Sechser Ordnung ins Bremer Spiel zu bringen. Steigerte sich im weiteren Verlauf und behauptete wichtige Bälle. Note: 3,5
Maximilian Eggestein (bis 87.): In der Anfangsphase hatte der 20-Jährige große Probleme, als Sechser Ordnung ins Bremer Spiel zu bringen. Steigerte sich im weiteren Verlauf und behauptete wichtige Bälle. Note: 3,5 © nordphoto
Florian Kainz (bis 67.): Obwohl es erst der erste Spieltag war – diese Szene dürfte es in jeden Saisonrückblick schaffen: Der Österreicher verfehlte aus fünf Metern das leere Tor (29.). Es wäre die Führung für Werder gewesen. Spielte neben Delaney als Achter. Rannte sich oft fest und trennte sich zu spät vom Ball. In der Rückwärtsbewegung mit einigen unnötigen Fouls. Note: 4,5
Florian Kainz (bis 67.): Obwohl es erst der erste Spieltag war – diese Szene dürfte es in jeden Saisonrückblick schaffen: Der Österreicher verfehlte aus fünf Metern das leere Tor (29.). Es wäre die Führung für Werder gewesen. Spielte neben Delaney als Achter. Rannte sich oft fest und trennte sich zu spät vom Ball. In der Rückwärtsbewegung mit einigen unnötigen Fouls. Note: 4,5 © nordphoto
Thomas Delaney: Der Däne führte Werder wieder als Kapitän aufs Feld. Ähnlich wie Eggestein benötigte er etwas Zeit, um sich auf die Hoffenheimer Kombinationswucht einzustellen. Danach körperlich sehr präsent. Impulse nach vorne kamen von ihm aber nicht. Note 3,5
Thomas Delaney: Der Däne führte Werder wieder als Kapitän aufs Feld. Ähnlich wie Eggestein benötigte er etwas Zeit, um sich auf die Hoffenheimer Kombinationswucht einzustellen. Danach körperlich sehr präsent. Impulse nach vorne kamen von ihm aber nicht. Note 3,5 © nordphoto
Fin Bartels (bis 75.): Er hatte Kainz vor dessen Mega-Chance schön in Szene gesetzt – mehr auffällige Aktionen zeigte der 30-Jährige jedoch nicht. Verlor viele Bälle und strahlte überhaupt keine Torgefahr aus. Note: 4,5
Fin Bartels (bis 75.): Er hatte Kainz vor dessen Mega-Chance schön in Szene gesetzt – mehr auffällige Aktionen zeigte der 30-Jährige jedoch nicht. Verlor viele Bälle und strahlte überhaupt keine Torgefahr aus. Note: 4,5 © nordphoto
Max Kruse: Bei seinen wenigen Abschlüssen agierte er unglücklich, schoss mal weit über das Tor oder wurde geblockt. Schaffte es nicht, die wenigen Bremer Konter mit seinen Ideen zu veredeln, weil das Spiel ziemlich an ihm vorbeilief. Note: 4
Max Kruse: Bei seinen wenigen Abschlüssen agierte er unglücklich, schoss mal weit über das Tor oder wurde geblockt. Schaffte es nicht, die wenigen Bremer Konter mit seinen Ideen zu veredeln, weil das Spiel ziemlich an ihm vorbeilief. Note: 4 © nordphoto
Philipp Bargfrede (ab 67.): Sollte Werders Defensivbollwerk weiter stärken. Note -
Philipp Bargfrede (ab 67.): Sollte Werders Defensivbollwerk weiter stärken. Note - © nordphoto (Archiv)
Jerome Gondorf (ab 75.): Spielte in der Schlussphase hinter den Spitzen, hatte dort aber auch keine zündenden Ideen mehr. Note -
Jerome Gondorf (ab 75.): Spielte in der Schlussphase hinter den Spitzen, hatte dort aber auch keine zündenden Ideen mehr. Note - © nordphoto
Aron Johannsson (ab 87.): Der eigentlich schon ausgemusterte Stürmer setzte als Joker keine Akzente mehr. Note -
Aron Johannsson (ab 87.): Der eigentlich schon ausgemusterte Stürmer setzte als Joker keine Akzente mehr. Note - © nordphoto

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare