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„Wir haben alles probiert, sind aber an einem in allen Belangen sehr cleveren Gegner gescheitert“, sagte Werder-Coach Florian Kohfeldt nach dem Spiel.

Werder zeigt in Stuttgart eine schwache Leistung

Kohfeldt und die kalte Wut

Stuttgart - Auf einmal war es da, dieses Gefühl. Gleich zu Beginn des Spiels, nach den ersten paar Szenen, schlich es sich ein – und Florian Kohfeldt wurde es an diesem Nachmittag im Stuttgarter Stadion nicht mehr los.

Als „kalte Wut“ beschrieb der Werder-Trainer nach dem Abpfiff seine Gemütslage, die ihn während der verdienten 0:2 (0:1)-Niederlage seiner Mannschaft beim VfB Stuttgart begleitet hatte.

„Gefühlt wurde jede Entscheidung gegen uns getroffen. Dann ging der eine Ball weg, dann der nächste. Wir wollten unbedingt, sind aber nie richtig ins Spiel gekommen“, haderte der Trainer, der seinen Spielern nach einem schwachen Auftritt keinen Vorwurf machen wollte. Fakt ist: Werder hätte mit einem Sieg den Klassenerhalt in der Bundesliga klarmachen können. Und Fakt ist auch: In Stuttgart boten die Gäste dafür viel zu wenig.

Die Debatte über einen möglichen Spannungsabfall innerhalb des Teams ob des (noch immer) komfortablen Vorsprungs auf die Abstiegsränge – Kohfeldt mag sie nicht, weil er nach eigener Aussage keinerlei Anzeichen bei seinen Spielern dafür feststellen kann. „Das hatte heute nichts mit mangelnder Bereitschaft zu tun“, sagte der 35-Jährige: „Wir haben alles probiert, sind aber an einem in allen Belangen sehr cleveren Gegner gescheitert.“

Bremer Spiel von zu vielen Fehlern geprägt

Vor der Partie hatte der Trainer Jerome Gondorf (für den gelbgesperrten Thomas Delaney) und Florian Kainz (für Kapitän Zlatko Junuzovic) in die Startelf beordert. Werder begann in einem 4-1-4-1-System mit Ishak Belfodil als einziger Spitze und Max Kruse als Spielmacher in der Reihe dahinter. Mit vielen Spielverlagerungen über Kruse wollte Kohfeldt den kompakten Schwaben, die unter Trainer Tayfun Korkut zu Hause noch ungeschlagen sind, den Zahn ziehen.

Das Problem: Es funktionierte nicht, weil das Bremer Spiel von etlichen kleinen bis mittelschweren Fehlern geprägt war. So auch in der 13. Minute, als sich Gondorf viel zu leicht von Santiago Insua überspielen ließ: Präzise Flanke, Kopfball Christian Gentner – 1:0 für den VfB Stuttgart. Bevor der Kapitän der Hausherren an den Ball gekommen war, hatte er allerdings Milos Veljkovic einen leichten Schubser mitgegeben, der den Werder-Verteidiger zu Fall brachte. „Für mich ist es ein Foul. Wenn Milos zum Absprung kommt, hat er den Ball“, ärgerte sich Werders Sportchef Frank Baumann.

Fotostrecke: 0:2 - Werder verliert in Stuttgart

Werder Bremen gegen VfB Stuttgart.
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart. © gumzmedia
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Werder Bremen gegen VfB Stuttgart. © dpa
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Zum großen Aufreger des Nachmittags taugte die Szene allerdings nicht, weil die Gäste dafür insgesamt zu schwach agierten. Die Niederlage am Ende auf ein möglicherweise irreguläres 0:1 zu schieben, war allen Bremern hinterher zu einfach. Während bei ihnen in Hälfte eins nach vorne hin so gut wie gar nichts gegangen war, hätte hinten durchaus der eine oder andere Ball mehr einschlagen können.

Vor dem zweiten Durchgang stellte Kohfeldt um, beorderte Kruse neben Belfodil in die Sturmspitze und zog Bargfrede als zentralen Mann in die Dreierkette zurück. In der Defensive gewann Werder so zwar etwas an Stabilität, mit dem Ball fiel den Gästen aber weiterhin nichts ein. „Wir waren einen Tick zu langsam im Kopf“, räumte Maximilian Eggestein ein. Und so kam es, dass Bremer Chancen nur selten zu sehen waren. Die beste vergab Gondorf, der in der 66. Minute nach Flanke von Joker Milot Rashica freistehend im Strafraum zu überhastet abschloss.

Gondorf selbstkritisch nach vergebener Torchance

„Es gibt keine zwei Meinungen, dass ein Bundesligaspieler den machen muss“, sagte der 29-Jährige später. Dann erklärte er, dass in der Mannschaft „vielleicht so etwas wie ein Spannungsabfall da ist“. Auch Eggestein räumte ein: „Abstiegskampf schlaucht einfach. Das dürfen wir aber nicht als Entschuldigung nehmen.“ Es waren bemerkenswerte Sätze, weil sie Kohfeldts Eindruck widersprachen. In der Schlussphase warf Werder nochmal alles nach vorne, blieb glücklos, und es passiert, was im Fußball in solchen Momente eben passiert: Der Gegner macht den Sack zu. Berkay Özcan war nach einem Konter zur Stelle und besorgte das 2:0 (90.+1).

Die „kalte Wut“ also. Florian Kohfeldt wirkte auch eine Stunde nach dem Abpfiff so, als sei sie in ihm noch nicht erloschen. „Ich mag es nicht, solche Spiele zu akzeptieren“, sagte der Trainer, der im kommenden Heimspiel übrigens auf Philipp Bargfrede und Florian Kainz verzichten muss. Beide sahen in Stuttgart ihre fünfte Gelbe Karte. Es passte irgendwie ganz gut in einen verkorksten Bremer Nachmittag.

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