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Theodor Gebre Selassie (r.) hatte zweimal die ganz dicke Chance, Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg zum Sieg zu schießen.

Werder Bremen 1:1 gegen VfL Wolfsburg

Theo lässt den Sieg liegen

Wolfsburg - Einen Punkt gewonnen oder doch zwei verloren? Diese Frage musste sich Werder Bremen am Dienstagabend nach dem 1:1 (0:1) beim VfL Wolfsburg stellen.

Nach einer schwachen ersten Halbzeit lagen die Bremer durch ein Tor von Divock Origi (28.) verdient zurück. Nach einer starken zweiten Halbzeit mussten sie sich aber ärgern, dass nicht mehr als der Ausgleich durch Fin Bartels (56.) gelungen war. Theodor Gebre Selassie ließ bei zwei Großchancen den Sieg für das stark ersatzgeschwächte Bremer Team liegen. Die Wolfsburger durften sich deshalb beim Debüt des neuen Trainers Martin Schmidt über die Punkteteilung nicht beschweren.

Die Komponenten „Schmidt“ und Wolfsburg hatten schon beim Start von Werder-Coach Alexander Nouri ins Bundesliga-Leben eine große Rolle gespielt. Gegen das damals von Martin Schmidt trainierte Mainz 05 stand der Werder-Coach das erste Mal im Fußball-Oberhaus an der Linie. Das Spiel ging noch verloren, doch eine Woche später gelang gegen den VfL Wolfsburg der erste Sieg (2:1). Auf den Tag genau ein Jahr nach der Übernahme des Trainerjobs bei Werder erreichte er nun gegen Schmidt und Wolfsburg ein Ergebnis, das zwar niemanden glücklich macht, das den Bremern nach der Leistungssteigerung in Hälfte zwei aber immerhin die Zuversicht spendet, am Samstag im Heimspiel gegen den SC Freiburg (15.30 Uhr) endlich den ersten Saisonsieg schaffen zu können.

Werders Personalsorgen: Lamine Sane fällt aus

Die Aufgabe am Dienstagabend war schon wegen des Ausfalls von Top-Stürmer Max Kruse (Schlüsselbeinbruch, Pause bis Mitte November) knifflig genug. Und sie wurde durch eine weitere schlechte Nachricht aus dem Arztzimmer nicht leichter. Abwehrchef Lamine Sane musste wegen seiner Knieprobleme dann doch passen. Am Montag war Nouri noch davon ausgegangen, dass der Senegalese „grundsätzlich“ einsatzbereit sei. War er aber nicht. Weil auch Niklas Moisander wegen Trainingsrückstands nach einer (auskurierten) Muskelverletzung noch fehlte, besetzten Robert Bauer, Milos Veljkovic und Sane-Ersatz Luca Caldirola das Abwehrzentrum.

Auf den Kruse-Ausfall reagierte Nouri mit einer kleinen Überraschung. Nicht Neuzugang Ishak Belfodil stürmte neben Fin Bartels, sondern Florian Kainz. Auf dessen Posten im Mittelfeld rückte Jerome Gondorf. Vorne also eine Verlegenheitslösung, hinten ein Flickenteppich und im Mittelfeld nicht die Qualität, um ein vernünftiges Spiel aufzuziehen. Werder verlor die Bälle, kaum dass sie gewonnen waren, und bot nur schwer verdauliches Stückwerk.

Fin Bartels bejubelt sein Tor zum 1:1 für Werder Bremen.

Pass, Pass, Fehlpass – und im Angriff rannten sich Bartels und Kainz vergeblich die Hacken rund. Vom Versuch, die durch den Trainerwechsel entstandene Unruhe beim VfL Wolfsburg für sich zu nutzen, war bei den Bremern nichts zu sehen. Nur zwei Offensiv-Aktionen aus Halbzeit eins verdienen überhaupt Erwähnung. Ein schöner Pass von Bartels auf Thomas Delaney erzeugte wenigstens im Ansatz Gefahr (20.), und ein Abschluss von Theodor Gebre Selassie flog immerhin aufs Tor, aber auch direkt in die Arme von „Wölfe“-Keeper Koen Casteels (41.).

Zu diesem Zeitunkt lagen die defensiv eingestellten Bremer allerdings schon zurück. Wolfsburgs Linksaußen Paul-Georges Ntep durfte in aller Ruhe flanken und Divock Origi in aller Ruhe vollenden. Caldirola hatte ihn in der Mitte ziehen lassen. Pikant dabei: An Liverpool-Leihgabe Origi war im Sommer auch Werder interessiert gewesen.

Am Ende bekamen die Bremer Ishak Belfodil – und der kam nach der Pause auch auf den Platz. Ebenso Philipp Bargfrede. Der mit Gelb belastete Gondorf und Maxi Eggestein blieben in der Kabine. Nouri lockerte also die Defensive. Und siehe da: Sofort wurden die Bremer gefährlich. Kainz ließ binnen drei Minuten zwei gute Chancen liegen (46./49.). Das Signal war aber erkennbar: In Werder steckte doch mehr Leben, als die erste Halbzeit gezeigt hatte. Was dann jedoch passierte, hätte man sich kaum vorstellen können.

Werder hatte ausreichend Chancen zum 2:1-Siegtreffer

Fin Bartels, mit 1,76 Metern alles andere als ein Kopfball-Ungeheuer, köpfte (!) nach Delaney-Flanke den Ausgleich (56.). Werder also nicht nur lebendig, Werder sogar wieder auf Punktekurs. Denn die Bremer hatten begriffen: Wolfsburg ist anfällig, Martin Schmidt hat den Patienten nicht binnen eines Tages per Handauflegen heilen können. Die Bremer, die in Halbzeit eins lediglich auf 27 Prozent Ballbesitz kamen, besaßen nun die Spielkontrolle. Mehr noch: Sie besaßen auch die Chancen auf das 2:1. Zunächst verfehlte Delaney das Tor aus der Distanz knapp (66.), wenig später hätte Theo Gebre Selassie treffen müssen. Völlig frei kam er im Strafraum zum Abschluss, setzte den Ball aber an den Pfosten (71.). Acht Minuten später fischte Casteels einen Hackentrick des Tschechen kurz vor der Linie weg.

Hätte Gebre Selassie getroffen, wäre es eine Wiederholung der Ereignisse vom fünften Spieltag der Vorsaison gewesen. Damals hatte er gegen den VfL den Siegtreffer zum 2:1 erzielt. Diesmal nicht. Ob man sich als Werder-Fan ärgern muss? Ja, schon.

Werder holt Remis dank Bartels

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