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Erstaunen, Erschöpfung, Erleichterung: Felix Wiedwald, Niklas Moisander und Robert Bauer (von links) nach dem Wolfsburg-Spiel.

Erstaunt und erleichtert

Werder weiß, dass das 2:1 in Wolfsburg glücklich war – und atmet umso mehr auf

Bremen - von Daniel Cottäus. Nein, so ganz hatte Fin Bartels die Eindrücke vom Vorabend gestern Morgen noch nicht verarbeitet – im Gegenteil: Er steckte noch mittendrin.

Nach 60 Minuten war Werders Offensivspieler im Spiel beim VfL Wolfsburg ausgewechselt worden, was ihm eine halbe Stunde bescherte, die er so schnell nicht vergessen wird. „Da rollte ja ein Angriff nach dem anderen auf unser Tor zu. Das mit anzusehen, war hart“, sagte Bartels und verriet: „Ich habe gedacht, irgendwann muss der Ball ja reingehen.“ 

Mit verdammt viel Glück zum Sieg

Nun ja: Ging er nicht mehr. Werder gewann das Kellerduell mit 2:1, was bei den Bremern für einen bemerkenswerten Gemütszustand sorgte: Ebenso groß wie die Erleichterung über den zweiten Sieg in Folge war nämlich auch das Erstaunen darüber, dass es tatsächlich gut gegangen war. 

Es sind nur einige Zahlen, aber sie reichen vollkommen aus, um zu unterstreichen, dass die Mannschaft von Trainer Alexander Nouri da ein Spiel gewonnen hatte, das sie eigentlich gar nicht gewinnen konnte. 27:7 Torschüsse hatten die Statistiker für Wolfsburg notiert, dazu 72 Prozent Ballbesitz und 13:1 Ecken. 

Keine Frage: Das sind Eckdaten, die eigentlich zu einem 5:0-Heimsieg gehören. Werder hingegen hatte am Freitagabend nur bei einem einzigen Wert die Nase vorn – allerdings beim entscheidenden: den erzielten Toren. Bremens Keeper Felix Wiedwald brachte es nach dem Schlusspfiff ganz gut auf den Punkt: „Wir fahren als glücklicher Sieger nach Hause.“ Wiedwald selbst hatte mit etlichen starken Paraden großen Anteil daran gehabt, den Rest besorgten zum einen das Wolfsburger Unvermögen im Abschluss und zum anderen „das nötige Quäntchen Glück“, wie es Nouri nach dem Spiel betonte. 

Schmutzig und sauber im Grunde nicht vereinbar

Dann sagte der Werder-Coach noch einen Satz, auf den er sichtlich stolz war – zumindest huschte ein breites Grinsen über sein Gesicht, als er zusammenfasste: „Es war ein schmutziger Sieg, der uns für den Moment etwas sauberer dastehen lässt.“ Schmutzig und sauber also, im Grunde nicht vereinbar, ein glasklarer Gegensatz – und doch trafen nach dem Wolfsburg-Spiel irgendwie beide Attribute auf die Bremer zu.

 Schmutzig, weil Werder gekämpft hatte bis zum Umfallen und das mit allen erlaubten und zum Teil auch nicht erlaubten Mitteln. Und sauber, weil sich der SVW durch den Sieg auf Tabellenplatz 15 vorgeschoben, sprich den Relegationsrang verlassen hat. 

Dem ganz tiefen Abstiegssumpf ist die Nouri-Elf damit zumindest vorerst entkommen, was nicht zuletzt den Coach selbst wieder etwas mehr glänzen lässt. War die Partie in Mainz für ihn noch ein Endspiel um seinen Job gewesen, darf er sich und seine Mannschaft nach zwei Siegen in Serie nun in aller Ruhe auf die nächste Aufgabe in der Bundesliga vorbereiten. 

Zittern bis zur letzten Sekunde

Dass es vor dem Heimspiel gegen Darmstadt 98 (4. März, 15.30 Uhr) allerdings noch jede Menge zu tun gibt – darin waren sich alle Bremer einig. In Zlatko Junuzovic’ Ausführungen nach dem Dusel-Sieg von Wolfsburg fielen zunächst zwar auch Wörter wie „gekämpft“ und „Glück“, dann sprach der österreichische Nationalspieler jedoch klar die Defizite seiner Mannschaft an. „Spielerisch müssen wir uns mehr zutrauen. Wolfsburg hat schon extrem viele Chancen gehabt. Wir dürfen nicht so oft in die Bredouille geraten.“ 

Gegen den Tabellenletzten aus Darmstadt ist Werder Favorit – ein Umstand, den die Mannschaft nicht mehr allzu oft in einer Saison erlebt. Werder wird sich also nicht wie in Mainz und Wolfsburg vornehmlich aufs Lauern und Umschalten konzentrieren können, sondern wird gegen das Team des Ex-Bremers Torsten Frings selbst das Spiel machen müssen. „Wir müssen jetzt zeigen, dass wir einen Schritt weiter gekommen sind“, betonte Bartels, „dass wir ein Spiel, in dem wir der Favorit sind, auch gewinnen können“. 

Vor der versammelten Presse sah man Fin Bartels die Erleichterung an

Es wäre für die Bremer ein großer Schritt im Kampf gegen den Abstieg. Aus der kleinsten aller möglichen Siegesserien wäre dann immerhin schon eine kleine Siegesserie geworden. Zunächst einmal, auch das hob Bartels gestern hervor, wolle das Team nun aber das gute Gefühl nach Wolfsburg zumindest für kurze Zeit genießen. „Normalerweise kriegst du in so einem Spiel fünf, sechs Tore“, sagte Bartels: „Wir können unser Glück also alle kaum fassen.“

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