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Max Kruse nennt das Spiel gegen seinen alten Verein VfL Wolfsburg zwar „besonders“, vermeidet es aber, zu sehr auf seine turbulente Zeit bei den Wölfen zurückzublicken.

VfL-Vergangenheit interessiert den Bremer nicht mehr

Max Kruse ist die „Ex“ schnuppe

Bremen - Von Carsten Sander. Besonders? Ja, so weit geht Max Kruse dann doch. Besonders ist es für ihn schon, das Spiel am Freitag (20.30 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg, seinen Ex-Club. „Sehr besonders“ sogar, sagt der Werder-Stürmer.

Allerdings ist das auch schon fast alles, was er sich über die für ihn persönliche Note in diesem Kellerduell entlocken lässt. Ein Rückblick auf für ihn turbulente und wenig zur Ehre gereichende Vorfälle findet nicht statt, eine Abrechnung mit dem ehemaligen Arbeitgeber schon mal gar nicht. „Ich habe immer mehr in die Zukunft geschaut. Von daher interessiert mich die Vergangenheit nicht“, sagt er im Vorfeld des Spiels.

Es ist in erster Linie eine Partie im Zeichen des Abstiegskampfes. Als Tabellen-16. fährt Werder zum Rang-14. – nur drei Punkte trennen die Teams. Die Bremer könnten mit einem Sieg und zwei mehr geschossenen Toren sogar am VfL vorbeiziehen. Anders herum: Verlieren die Bremer, verlieren sie auch den Kontakt zu den Wolfsburgern. Man könnte also sagen, dass es die letzte Chance ist für Kruse und Co., sich noch ans Mittelfeld anzuheften und einen weiteren Club mit in den Kreis der Abstiegskandidaten zu zerren. Max Kruse kennt diese Rechenspiele ganz sicher, er beschäftigt sich aber öffentlich nicht damit. „Die Tabellensituation interessiert mich relativ wenig“, erklärt er.

Genauso, wie ihm die Situation beim VfL, seinem Arbeitgeber in der Saison 2015/16, angeblich schnuppe ist. Er bügelt das Thema Wolfsburg insgesamt gekonnt ab, lässt nicht zu, dass der Abstiegsthriller zum großen Max-Kruse-Thema wird. „Mich interessiert nur, dass wir wieder auftreten wie in Mainz – mit dieser Willenskraft und dieser Entschlossenheit“, erklärt er und definiert ein sehr exaktes Ziel für Freitagabend: „Wir haben in Mainz gewonnen – und das wurde auch Zeit. Jetzt ist es an der Zeit, nachzulegen.“

Zurück ins DFB-Team? „Ich kann es nur über meine Leistung beeinflussen“

Wenn es gelingen sollte, hätte die Partie dann aber doch eine spezielle Fußnote für Max Kruse. Ein Tor von ihm wäre schön, meint er. Aber nur, wenn es zu drei Punkten reicht, wäre es auch so etwas wie eine Genugtuung für den 28-Jährigen. Oder wie er es wiederholt vorsichtig formuliert „ein sehr besonderes Gefühl“. Kruses Zeit in Wolfsburg war keine gute Zeit gewesen. Er kam als Nationalspieler von Borussia Mönchengladbach, der damalige VfL-Manager Klaus Allofs blätterte zwölf Millionen Euro für ihn hin.

Doch dann geschahen allerhand Dinge, die Kruse – sagen wir es vorsichtig – nicht halfen. Er vergaß 75 000 Euro in einem Taxi, er ließ sich auf seiner Geburtstagsparty in einen Streit mit einer Journalistin verwickeln, er flog aus der Nationalmannschaft. Und er hatte als letzte Konsequenz keine Lust mehr, in Wolfsburg zu spielen. Wohl auch, weil Allofs von ihm wiederholt „professionelleres Verhalten“ eingefordert hatte. Kruses Abgang wurde medial sogar als Flucht gewertet.

Sie führte ihn zurück nach Bremen, für nur noch 7,5 Millionen Euro Ablöse kehrte er an die Weser zurück. Der Verlust von circa einem Drittel seines Marktwertes traf ihn aber weniger hart als der Verlust des grundsätzlich erreichbaren Platzes im EM-Kader der Nationalmannschaft. Mit Bundestrainer Joachim Löw hat er sich seitdem einmal getroffen und ausgetauscht. Das war in der Zeit, als er bei Werder mit einem Außenbandriss die ersten zehn Bundesliga-Spiele verpasst hatte. Eine Aussicht auf eine Rückkehr ins DFB-Team gibt es vorerst aber offenbar nicht. „Ich kann es nur über meine Leistung beeinflussen“, meint Max Kruse.

Er bringt sie bei Werder. Vier Tore in elf Spielen sind zwar kein Wahnsinnswert, aber okay. Kruse ist der Fixpunkt in der Werder-Offensive, aber noch nicht der Führungsspieler, der er sein möchte. Macht aber aus seiner Sicht auch nichts. „Wichtig ist, dass wir als Team funktionieren, da bin ich auch nur ein kleiner Teil.“ Und wichtig ist auch nicht, dass Freitagabend in der VW-Arena eine neue Max-Kruse-Story geschrieben wird, sondern „dass wir den nächsten Schritt von noch vielen nötigen machen, um da unten rauszukommen“, sagt er und zeigt dann doch: Der VfL mag ihm in der Tat weitgehend egal sein, die Tabellensituation ist es nicht.

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