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Werder-Trainer Florian Kohfeldt gibt Anweisungen an der Seitenlinie.

Nach 0:0 gegen Bayer 04

Taktik-Analyse: Kohfeldt kehrt gegen Leverkusen zu den Wurzeln zurück

Bremen - 1:1 gegen Borussia Dortmund, 0:0 gegen Bayer Leverkusen: Werder Bremen punktet gegen die Großen der Liga. Unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher meint: Das liegt auch an einer alten Strategie, die Florian Kohfeldt wieder aufgewärmt hat.

Bereits zwei Spieltage vor Schluss der Saison lässt sich bilanzieren: Der Saisonabschluss der Bremer ist eine runde Sache. Das bezieht sich gar nicht so sehr auf die Ergebnisse, sondern vielmehr auf den Verlauf der Saison: Zu Beginn der Saison hatte Bremen unter Trainer Alexander Nouri große Probleme mit dem Offensivspiel, stand dafür aber defensiv stabil.

Kohfeldt hat die Mannschaft mit einer riskanteren Taktik offensiv verbessert und ins Mittelfeld der Tabelle geführt. Nun kehrt Kohfeldt zum Saisonschluss aber zur defensiven Spielweise zurück. Kein Wunder: Mit Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen ging es zuletzt gegen zwei Champions-League-Aspiranten – und mit zwei Unentschieden zog sich Bremen achtbar aus der Affäre.

Typische Formation, nur etwas defensiver

Florian Kohfeldt schickte seine Elf in seiner favorisierten Formation auf das Feld. Bei Ballbesitz stellten sich die Bremer in einem 4-3-3 auf, gegen den Ball mutierte das System zu einem 4-4-2 mit zwei kompakten Viererketten. Etwas überraschend war die Personalwahl: Zlatko Junuzovic pendelte im Zentrum zwischen Achter-Position und zweiter Spitze. Maximilian Eggestein rückte dafür auf den vakanten rechten Flügel.

Diese Variante sollte wohl dazu dienen, die eigene rechte Seite etwas defensiver zu besetzen. Eggestein sollte mit seinem laufintensiven Stil den gegnerischen Linksverteidiger Wendell beschäftigen. Das ist gegen Leverkusen keine schlechte Variante: Die Leverkusener bauen das Spiel vornehmlich über Wendells Seite auf. Wendell sucht hierzu das Zusammenspiel mit Außenstürmer Julian Brandt, auch Sechser Charles Aranguiz rückt häufig auf diese Seite.

Die Grafik zeigt die Formationen beider Teams und wie Eggestein den gegnerischen Wendell bewacht hat.

Leverkusen baut das Spiel meist mit einstudierten Spielzügen auf. Der Ball wird zum Außenverteidiger gespielt, von dort soll über ein schnelles Dreieckspiel ein Leverkusener den Flügel hinuntergeschickt werden. Alternativ versuchen die Leverkusener mit diagonalen Verlagerungen, die offene Seite des Gegners zu attackieren. Werders Plan: Die Überzahl-Bildungen auf diesem Flügel kontern und Angriffe über Wendell bereits im Keim ersticken.

Teams neutralisieren sich

Bremens Plan ging gut auf – vielleicht sogar zu gut. Bremen kontrollierte das Spiel aus einer stabilen Defensive. Bremen zog sich nach Ballverlusten schnell zurück und störte Leverkusen erst, wenn diese den Ball auf die Flügel spielten. Leverkusen kam nicht am engen 4-4-2 der Bremer vorbei.

Aber auch Bremen brachte nach vorne wenig zustande. Die Bremer Außenverteidiger agierten merklich defensiver als in den ersten Spielen der Rückrunde, schalteten sich nur selten ins Offensivspiel ein. Sie sollten ihre Flügel absichern gegen Leverkusener Konter über Brandt oder Leon Bailey.

Da sich auch das Mittelfeld mit offensiven Läufen zurückhielt, fehlten Bremen schlicht die Anspielstationen vor dem Ball, um Leverkusens sattelfeste Defensive zu erschüttern. Auch bei Bremer Kontern machte sich diese offensive Lethargie bemerkbar. Bremen tat sich schwer damit, sich aus dem starken Gegenpressing der Leverkusener zu befreien. Wenn es ihnen gelang, fehlte die Wucht und vor allem Genauigkeit im Vertikalspiel.

Lauer Sommerkick ohne Highlights

Somit war es ein Spiel ohne Höhepunkte. Werder war zu beschäftigt damit, stabil zu verteidigen, als dass sie Torgefahr hätten entfachen können. Leverkusen wiederum biss sich die Zähne aus an der guten Bremer Verteidigung. Auch von den Trainerbänken kamen kaum Impulse, diese Patt-Situation aufzulösen. Kohfeldt wechselte sogar den deutlich defensiveren Gondorf ein, nachdem sich Florian Kainz kurz vor der Pause verletzte.

Auch Leverkusens Coach Heiko Herrlich hielt bis zum Schluss an seinem 4-2-3-1-System fest. Mit zunehmender Spieldauer brachte er allerdings offensivere Spielertypen für die einzelnen Positionen. Die Einwechslung von Karim Bellarabi (81., für Bailey) brachte Schwung in die Partie. Ihm gelang es, die festgefahrenen Flügelangriffe der Leverkusener besser aufzulösen, indem er Eins-gegen-Eins-Duelle gewann – eine Dimension, die dem Leverkusener Spiel bis dahin fehlte.

Kurz vor Schluss warf Leverkusen noch einmal alles nach vorne, mit einem 4-2-4 und der Brechstange versuchten sie, den Siegtreffer zu erzwingen. Sie scheiterten aber an der stabilen Bremer Defensive. Für Werder schließt sich damit ein Kreis. Zum Ende der Saison steht in dieser Saison wieder dasselbe Fazit wie zu Beginn der Spielzeit: Defensive Top, Offensive Flop.

Fotostrecke: Junuzovic-Abschied und Remis gegen Leverkusen

Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen.
Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen. © gumzmedia
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Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen. © imago
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Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen. © gumzmedia
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Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen.
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