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Werders Thomas Delaney lässt sich nach seinem Tor zum 1:1 gegen Borussia Dortmund von seinen Kollegen feiern.

Kohfeldt denkt schon an die Zukunft

Abstiegsangst, ade! Für immer?

Bremen - Als Werder-Coach Florian Kohfeldt gut eine Stunde nach Abpfiff über das spektakuläre 1:1 gegen Borussia Dortmund sprach, da erinnerte er sich an eine Szene nach dem Spiel.

„Ein kleiner Junge stand plötzlich neben mir, der war zum ersten Mal im Stadion. Ich bin mir sicher, der kommt wieder.“ Kohfeldt strahlte dabei über das ganze Gesicht. Denn Werder macht nicht nur ihm extrem viel Spaß. An diesem Wochenende erst recht.

Am Samstag gab es zunächst den Klassenerhalt serviert, weil ausgerechnet der Hamburger SV den VfL Wolfsburg schlug. Am Sonntag folgte dann ein bemerkenswerter Auftritt gegen eine Spitzenmannschaft – und Kohfeldt stellte anschließend ganz trocken fest: „Nächste Saison will ich nicht mehr über Abstiegskampf reden.“

Die Vorbereitungen dafür laufen bei ihm längst auf Hochtouren. Die Partie gegen Dortmund gehörte dazu. Er habe gegen den BVB erstmals gegen den Ball nicht mannorientiert verteidigen lassen, sondern raumorientiert. „Das muss einfach der nächste Schritt sein“, betonte der 35-Jährige. In zwei Trainingseinheiten habe er das zum Thema gemacht, „und die Jungs haben das wirklich gut gemacht“. Und nicht nur das. Dieses Gerede von einem angeblichen Spannungsabfall, aufgekommen nach der 0:2-Niederlage in Stuttgart, habe ihn schon ziemlich geärgert, „weil ich wusste, dass die Jungs immer wollen“. Nach dem Kraftakt gegen Dortmund erklärte Kohfeldt deshalb genüsslich „die Mentalitätsdebatte“ für beendet.

Hinten rettet Pavlenka - vorne trifft Delaney

Kein Widerspruch! Werder war von der ersten Sekunde an voll da gewesen. Genauso wie der Gegner, dessen besondere Klasse immer wieder aufblitzte und für eine kleine Überlegenheit des BVB sorgte. Der Führungstreffer von Marco Reus fiel deshalb nicht überraschend (19.), war aber aus Bremer Sicht ärgerlich. „Das kannst du verteidigen“, monierte Kohfeldt und kritisierte damit ohne Namensnennung Ludwig Augustinsson, der den entscheidenden Luftkampf gegen Lukasz Piszczek verloren hatte.

Werder zeigte sich aber nicht beeindruckt, wurde nun selbst gefährlicher. Allerdings: Wer weiß, was passiert wäre, wenn der überragende Jiri Pavlenka in der 43. Minute den durchgebrochenen Reus nicht per Weltklasse-Parade gestoppt hätte? Nur wenige Sekunden später jubelte Werder auf der anderen Seite: Nachdem Jerome Gondorf und Maximilian Eggestein den Ball nicht über die Linie bekommen hatten, schaffte es Thomas Delaney mit einem gefühlvollen Kopfball (45.).

„Wir wussten, dass Werder immer gefährlich sein kann“, sagte BVB-Coach Peter Stöger später anerkennend und urteilte: „Das war ein sehr, sehr gutes Fußballspiel von beiden Mannschaften.“ Nach der Pause war es sogar ein Spektakel. Erst hatte Werder beste Chancen, dann wieder Dortmund. 18:16 Torschüsse für den BVB lautete am Ende die Statistik, die in der Bundesliga eigentlich nie auf beiden Seiten zweistellig ist.

Werder war dabei an sich selbst gescheitert, hatte vielleicht den letzten Punch vor dem Tor vermissen lassen. Dortmund verzweifelte dagegen an Pavlenka – und Reus visierte nur den Pfosten an (66.). „Am Ende war es schon ein bisschen glücklich für uns“, gestand Werders Innenverteidiger Sebastian Langkamp. Aber sein Team verdiente sich den Punkt gegen einen fast sicheren Champions-League-Teilnehmer auch durch unbändigen Einsatz – und zwar von allen Spielern. Das Kollektiv funktionierte bestens. Wie so oft, seit Kohfeldt das Team Ende Oktober übernommen hat. Mittlerweile ist das Team unter seiner Regie in elf Liga-Heimspielen unbesiegt.

Kohfeldt bedankt sich bei seinen Spielern fürs Vertrauen

Bei Kohfeldts Amtsantritt war immer wieder betont worden, dass der Abstiegskampf sicher bis zum letzten Spieltag dauern würde. Es kam anders, schon zwei Runde vor dem Ende ist Werder durch. Als die Mannschaft sich am Samstagabend zur Spielvorbereitung im Hotel traf, da bedankte sich Kohfeldt erst mal bei seinen Spielern. „Sie haben im letzten Jahr unheimlich viel Leidenschaft investiert – und sie haben mir ihr Vertrauen geschenkt. Das ist keine Selbstverständlichkeit.“

Selbstverständlich sei es dagegen inzwischen, „dass wir jedes Spiel gewinnen wollen“, meinte Kohfeldt und blickte damit schon auf die Heimpartie am Samstag gegen Bayer Leverkusen. In der Tabelle ist zwar noch der Sprung von Platz zwölf auf neun möglich, aber darauf schaut im Moment niemand bei Werder. Der Blick geht schon weiter. So durfte sich zum Beispiel Nachwuchsmann Johannes Eggestein ab der 70. Minute beweisen – und eben nicht ein Ishak Belfodil. Auch das war eine Entscheidung, die Richtung Zukunft gerichtet war.

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Fotostrecke: Werder holt einen Punkt gegen BVB

Werder Bremen gegen Borussia Dortmund.
Werder Bremen gegen Borussia Dortmund. © afp
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