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Uninspirierter Auftritt: Werder setzte am Sonntagabend seine Sieglos-Serie fort.

Hochverdiente 0:2-Pleite gegen Mönchengladbach / „Wir waren wie gelähmt“

Schlimme Werder-Krise: Nouri bleibt, Psychologe kommt

Bremen - Es gibt Niederlagen, nach denen stellt sich im Fußball-Geschäft vor allen Dingen eine Frage: Sitzt der Trainer auch im nächsten Spiel noch auf der Bank?

Werder-Sportchef Frank Baumann antwortete darauf mit Blick auf die Partie am Sonntag beim Tabellenletzten Köln mit einem eindeutigen „Ja“. Dabei hatte auch ihn die Leistung seiner Profis bei der hochverdienten 0:2 (0:2)-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach tief enttäuscht und zu der Aussage bewogen: „So werden wir nicht viel gewinnen.“ 

In den bisherigen acht Bundesliga-Spielen hat es überhaupt noch keinen Sieg gegeben, mit vier Punkten ist Werder Tabellenvorletzter, seit 304 Minuten gab es kein Tor mehr und mit nur drei Treffern zu diesem Zeitpunkt wurde ein neuer negativer Vereinsrekord aufgestellt. Da stellte sich sofort die nächste Frage: Wie soll das nur besser werden?

„Gut analysieren, hart arbeiten, zusammenhalten“, lautete das Motto von Baumann. Auch Nouri wählte den Kuschelkurs: „Wir müssen gemeinsam als Team zusammenstehen.“ Für die Leistung seiner Mannschaft fand er kaum kritische Worte. „Das war in der ersten Hälfte zu wenig, wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen“, bemängelte der 38-Jährige zwar zunächst, doch sofort schaltete er in den Positiv-Modus: „Das ist uns in der zweiten Halbzeit deutlich besser gelungen. Ich hätte mir gewünscht, dass wir diese Phasen noch länger aufrechterhalten hätten. Wir hatten ein, zwei Situationen, wo der Ball einfach nicht über die Linie will.“

Stindl ließ Bauer wie einen Lehrling aussehen

Was sollen da nur die Gladbacher sagen? Die Gäste hatten eine Vielzahl von Chancen, und zwar von hochkarätigen. Es war ein Produkt einer äußerst geschickten Spielweise. Dem hohen Bremer Pressing begegneten sie mit Spielwitz. Die Werder-Profis machten es ihnen dabei auch noch leichter, weil sie nicht konsequent genug angriffen und dabei einen klaren Plan vermissen ließen. So konnten sich die Gladbacher immer wieder befreien.

Die Borussia besaß zudem die wesentlich besseren Einzelspieler. Thorgan Hazard eilte zum Beispiel allen Bremern davon. Er scheiterte zwar an Werder-Keeper Jiri Pavlenka, doch den Abpraller nutzte Lars Stindl mit einem Kabinettstückchen zum 1:0 (27.). Der an diesem Abend überragende Nationalspieler ließ dabei Robert Bauer wie einen Lehrling aussehen.

„Wir waren wie gelähmt“, urteilte später Baumann. Und Kapitän Zlatko Junuzovic, der nach seiner langen Verletzungspause erstmals in der Startelf gestanden hatte, stöhnte: „Wir sind immer ein, zwei Schritte zu spät gekommen. Wir wollten dagegenhalten, aber da sind wir gar nicht hingekommen.“

Einzelkritik: Delaney neben der Spur, Pavlenka verhindert Schlimmeres

Das galt auch für Standardsituationen: Ecke Oscar Wendt, Kopfball Jannik Vestergaard – 2:0 (34.). Ishak Belfodil hatte den Ex-Bremer zwar bewacht, war aber im Luftkampf freundlicherweise am Boden geblieben. „Das war eines meiner schönsten Tore“, schwärmte der Däne. An alter Wirkungsstätte hatte er sich auf dem Feld allerdings einen großen Torjubel verkniffen und zeigte letztlich auch noch Mitleid mit dem kriselnden Ex-Club: „Ich wünsche Werder alles Gute, ich hoffe, sie packen es.“

Fans verabschiedeten das Team mit Pfiffen in die Kabine

Gemeint war natürlich der Klassenerhalt. Denn allein darum wird es bei Werder in dieser Verfassung gehen. Werder hatte in den Zweikämpfen überhaupt keinen Zugriff gefunden. Stindl konnte machen, was er wollte. Und im Spiel nach vorne ging fast gar nichts. Im Mittelfeld fehlten Kreativität und Tempo, vorne verlor Zielspieler Belfodil fast jeden Ball. Trotzdem hätte es vor der Pause fast noch den Anschlusstreffer gegeben. Doch Delaney brachte das Kunststück fertig, die Kugel aus sechs Metern weit über das Tor zu schießen (44.). Das passte zur völlig verkorksten ersten Halbzeit der Gastgeber. Die Fans verabschiedeten das Team mit Pfiffen in die Kabine.

Delaney verschießt aus sechs Metern weit über das Gladbacher Tor.

Nouri reagierte mit einem Doppel-Wechsel. Für die defensiven Milos Veljkovic und Philipp Bargfrede kamen die Angreifer Izet Hajrovic und Florian Kainz – und mit ihnen gab es auch eine Systemänderung: Viererkette statt Dreierkette, dazu vier Mittelfeldspieler und zwei Stürmer. Doch die Gladbacher blieben viel gefährlicher, hätten den Sack früh zumachen können. Werder versuchte es hilflos und ergebnislos aus der Distanz. 

Da riss die Werder-Fans unter den 42 100 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion sogar die Hereinnahme von Johannes Eggestein mehr von den Sitzen (79.). Den Hoffnungsträger hätten sie sich schon in den vergangenen Wochen gewünscht. Immerhin schoss er noch einmal vielversprechend aufs Tor. Als Mutmacher für das nächste Spiel in Köln reicht das aber nicht.

Sportpsychologe soll helfen

Baumann schob das sportliche Versagen auch auf die mentale Verfassung der Profis. „Wir müssen wieder Selbstvertrauen in die Mannschaft bekommen“, lautete seine Forderung. Dabei soll mal wieder Sportpsychologe Prof. Andreas Marlovits helfen. Mit ihm arbeitet Werder schon länger regelmäßig zusammen und schaffte auch dank seiner Hilfe 2016 den Klassenerhalt. 

Werder-Sportpsychologe Prof. Dr. Andreas Marlovits.

Nach der niederschmetternden Pleite gegen Gladbach soll Marlovits nun das Team wieder aufbauen. Natürlich gemeinsam mit Nouri. Der darf vorerst bleiben – und nahm die Diskussionen um seine Person ziemlich gelassen zur Kenntnis: „Ich bin nicht so wichtig. Wichtig ist der Erfolg der Mannschaft und des Vereins.“ Doch der bleibt schon ziemlich lange aus. 

Ewig hat Werder dabei nicht Zeit, betonte selbst Baumann: „Wir müssen bald den Turnaround schaffen.“ Am Sonntag in Köln!

Fotostrecke: Werder verliert erneut

Lest auch unseren Kommentar: „High Noon für Nouri“

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