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Auch im achten Saisonspiel blieben die Bremer sieglos.

Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach

Verdiente Pleite: So steigt Werder ab

Bremen. Wie soll das nur enden? Der SV Werder setzte am Sonntagabend nicht nur seine Sieglos-Serie fort, sondern kassierte dabei auch noch eine völlig verdiente 0:2 (0:2)-Heimpleite gegen Borussia Mönchengladbach.

Lars Stindl (27.) und der Ex-Bremer Jannik Vestergaard (34.) stellten die Weichen schon vor der Pause auf Sieg. Werder ließ fast alles vermissen, was in der Bundesliga gefragt ist. Das Team von Alexander Nouri kam in der Defensive überhaupt nicht in die Zweikämpfe und fand vorne fast gar nicht statt. So steigt Werder ab! Und so muss sich auch der Trainer um seinen Job sorgen. Bislang hatte ihm der Verein stets das Vertrauen ausgesprochen. Nach dem schwachen Auftritt gegen gut organisierte Gladbacher dürfte das schwieriger werden. 

Werder bleibt mit nur vier Punkten aus acht Spielen und erst drei Toren Tabellenvorletzter und muss aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren. Am nächsten Sonntag gibt es schon so etwas wie ein Endspiel beim Tabellenletzten 1. FC Köln.

Nouri hatte mit seiner Aufstellung für gleich mehrere Premieren, aber für keine Überraschung gesorgt. Wie erwartet stand Zlatko Junuzovic erstmals in dieser Saison in der Startelf. Für den so lange verletzten Kapitän musste Florian Kainz seinen Platz räumen. In der Dreierkette konnten endlich Niklas Moisander und Lamine Sane nach ihren Verletzungen gemeinsam verteidigen. Dort war nun kein Platz mehr für Robert Bauer, der allerdings vom Fehlen des Tschechen Theodor Gebre Selassie (Infekt) profitierte und die rechte Außenbahn beackern durfte.

Werder geschockt

Die Gastgeber begannen durchaus verheißungsvoll, griffen die Gladbacher früh an – das allerdings wie so oft nicht mit der letzten Konsequenz. So konnten sich die Gäste immer wieder befreien und im Spiel nach vorne an Sicherheit gewinnen. Die erste Chance hatten aber trotzdem die Bremer, doch Delaneys Kopfball war zu harmlos (21.). Ein ganz anderes Kaliber stellte da schon Raffaels Kracher auf der anderen Seite dar, der ans Außennetz krachte (24.). Thorgan Hazard zielte zwar wenig später genauer, aber Jiri Pavlenka rettete per Fußabwehr. Doch die Gefahr war noch nicht gebannt, Lars Stindl schnappte sich den Abpraller, vernaschte den ungeschickten Bauer und versenkte die Kugel zum 1:0 (27.). Ein super Tor des Nationalspielers, allerdings auch durch Pavlenkas Stellungsspiel begünstigt, der sich etwas zu sehr auf die kurze Ecke konzentriert hatte.

Werder war geschockt. Und es sollte noch schlimmer kommen. Nach einer unnötigen Ecke von Wendt (Pavlenka hatte einen Elvedi-Kopfball nicht festgehalten) stieg Jannik Vestergaard am höchsten und köpfte die Kugel wuchtig zum 2:0 in die Maschen (34.). Ishak Belfodil hatte den Ex-Bremer gewähren lassen. Schwacher Trost für die Werder-Fans: Vestergaard verkniff sich an alter Wirkungsstätte den großen Torjubel.

Führung mehr als verdient

Die Führung war mehr als verdient. Werder hatte in den Zweikämpfen überhaupt keinen Zugriff gefunden. Stindl konnte machen, was er wollte. Und im Spiel nach vorne ging fast gar nichts. Im Mittelfeld fehlten Kreativität und Tempo, vorne verlor Zielspieler Belfodil fast jeden Ball. Trotzdem hätte es vor der Pause fast noch den Anschlusstreffer gegeben. Doch Delaney brachte das Kunststück fertig, die Kugel aus sechs Metern weit über das Tor zu schießen (44.). Das passte zur völlig verkorksten ersten Halbzeit der Gastgeber. Die Fans verabschiedeten das Team mit Pfiffen in die Kabine.

Nouri reagierte mit einem Doppel-Wechsel. Für die defensiven Veljkovic und Bargfrede kamen die Angreifer Izet Hajrovic und Florian Kainz – und mit ihnen gab es auch eine Systemänderung: Viererkette statt Dreierkette, dazu vier Mittelfeldspieler und zwei Stürmer. Das sollte vor allem das Spiel nach vorne beleben. Doch gefährlich blieb zunächst nur Gladbach (49.). Erst prüfte Hazard erneut Pavlenka, dann schoss Wendt knapp vorbei (52.).

Fotostrecke: Werder verliert erneut

Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach
Zlatko Junuzovic tritt in der 11. Minute in vielversprechender Position zum Freistoß an, der Ball landet aber in der Mauer.  © nordphoto
Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach
Die nächste Chance in der 21. Minute, Delaney köpft nach einer Ecke aufs Gladbacher Tor.  © nordphoto
Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach
In der 27. Spielminute lässt Lars Stindl seinen Gegenspieler Robert Bauer stehen und trifft aus spitzem Winkel zum 0:1 für Gladbach.  © nordphoto
Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach
Ex-Werderaner Jannik Vestergaard bejubelt seinen Kopfballtreffer in der 34. Minute.  © nordphoto
Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach
Nach diesem harten Einsteigen gegen Thorgan Hazard (37. Minute) hat Philipp Bargfrede Glück, dass er keine Karte sieht.  © nordphoto
Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach
Thomas Delaney ärgert sich über seine vergebene Torchance aus kurzer Distanz. Er stand in der 44. Minute frei vor dem Gladbacher Kasten.  © Gumz
Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach
Er verhinderte Schlimmeres: Jiri Pavlenka parierte die Schüsse von Hazard in der 49. und der 67. Minute.  © nordphoto
Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach
Seine Einwechslung sollte noch einmal Schwung bringen: Johannes Eggestein kommt in der 80. Minute für Ludwig Augustinsson. Das Tor trifft auch er nicht.  © nordphoto

Immerhin wehrte sich Werder nun. Kainz wagte einen Fernschuss, der zwar leicht abgefälscht nur neben dem Tor landete, aber wenigstens die Fans im mit 42100 Zuschauern ausverkauften Weserstadion reaktivierte. Die Ostkurve gab alles. Startelf-Rückkehrer Junuzovic auch, aber sein Versuch endete ebenfalls neben dem Tor (62.). Hazard hatte da offenbar mehr Zielwasser getrunken, doch der quirlige Gladbacher Angreifer scheiterte erneut am glänzend reagierenden Pavlenka (67.).

Der Werder-Elan war schnell wieder verpufft, die Fans wurden auch wieder leiser – bis zur 80. Minute: Da brachte Nouri Nachwuchsmann Johannes Eggestein für Ludwig Augustinsson. Die Fans fanden es klasse, am Spiel änderte das nichts. Im Gegenteilt: Stindl hätte beinahe das 3:0 gemacht, scheiterte aber am Pfosten (84.). Eine höhere Niederlage wäre durchaus möglich gewesen. Es sieht übel aus für Werder.

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Ein Kommentar: High Noon für Nouri

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