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Ernste Mienen in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach.

Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach

Ein Tor könnte reichen - aber wer soll es schießen?

Frank Baumann hat sich eine gewisse Geschicklichkeit im Umgang mit Zahlen, Fakten und Informationen angeeignet. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen – so funktioniert das bei dem Sportchef des SV Werder.

Gerne verweist er deshalb vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (Sonntag, 18.00 Uhr) auf die 242 Minuten, die das Bremer Team nun schon ohne Gegentor ist. Für Baumann ist das nach Jahren schwerer Bremer Abwehrschwächen eine große Errungenschaft.

Worüber er jedoch nicht so gerne spricht, sind die 214 Minuten, die Werder nun schon ohne eigenen Torerfolg ist. Totale Flaute im Sturm – was tun? Werder hat versucht, sich im Training die Selbstverständlichkeit des Toreschießens wieder anzueignen. Über Abschlüsse, Abschlüsse, Abschlüsse. 

Ob es geholfen hat, wird sich am Sonntag zeigen. Ein Tor könnte gegen die Fohlenelf schon reichen, wenn Werder hinten auch im dritten Spiel hintereinander dicht hält. Aber wer soll dieses eine Tor schießen?

Ishak Belfodil würde man es nicht nur gönnen, man erwartet es sogar von ihm. Der Algerier wurde genau zu diesem Zweck verpflichtet, doch als der ganz große Vollstrecker hat er sich noch nicht erwiesen. Frank Baumann versucht aber auch das in ein besseres Licht zu rücken. „Er ist nicht der klassische Knipser, aber er hat immer seine Tore gemacht“, sagt er. 

Konkret stehen für Belfodil in der Karriere diese Werte zu Buche: Neun Treffer in 57 Pflichtspielen für Parma Calcio, 17 Tore in 40 Partien für Standard Lüttich, elf in 23 Spielen für Banyas SC (Vereinigte Arabische Emirate), eines in zehn Spielen für Inter Mailand. Für Olympique Lyon (13 Partien), AS Livorno (17) und den FC Bologno (acht) hat Belfodil nie geknipst. Bei Werder ist der Anlauf nun auch schon fünf Einsätze lang. Aber wer wissen will, wieso es bald besser wird, fragt Frank Baumann. Die Antwort: „Ishak weiß jetzt, wie die Mannschaft spielt. Und die Mannschaft weiß, wie er sich bewegt. Er wird hoffentlich bald für uns treffen.“

Torlos seit 214 Spielminuten

Wenn nicht Belfodil, dann bleibt nur die Hoffnung, dass Fin Bartels einen dieser ab und an vorkommenden Tage erwischt, an denen er seine Abschlussschwäche einfach mal zu Hause gelassen hat. Oder dass Startelf-Rückkehrer und Kapitän Zlatko Junuzovic mal wieder einen Freistoß reinzwirbelt. Oder dass Milos Veljkovic und dessen Kollegen aus der Verteidigung das machen, was der Serbe zuletzt in Aussicht gestellt hat: „Wir können auch mal treffen.“

Die drei Bremer Saisontore verteilen sich bislang exakt auf die drei Mannschaftsteile. Erst traf Mittelfeldmann Thomas Delaney beim 1:1 bei Hertha BSC, dann Abwehrspezialist Lamine Sane beim 1:2 gegen Schalke 04 und als bislang Letzter Stürmer Fin Bartels zum 1:1 in Wolfsburg. 214 Spielminuten ist das schon her.

Keine Operationen am System

Gladbach-Trainer Dieter Hecking ist es nicht entgangen, dass die Bremer ihre Schwierigkeiten haben, gute Leistungen auch mit Toren zu würzen. „Die Bremer sind derzeit vielleicht nicht so treffsicher, da fehlt ihnen natürlich Max Kruse ein wenig“, sagt der Coach des Gegners. Kruses Qualitäten kennt er aus gemeinsamen Wolfsburger Zeiten. Der Schlüsselbeinbruch des Werder-Torjägers kommt der Borussia sicherlich gelegen. Bei Werder türmt sich die Verletzung allerdings auf wie ein kaum zu erklimmender Berg.

Die Tore fallen einfach nicht. Und obwohl es so ist, denkt Coach Nouri nicht daran, Operationen am System oder an der Ausrichtung der Truppe vorzunehmen. Es habe, teilt er mit, „bisher keinen Zwang gegeben, etwas verändern zu müssen. Die Sequenzen Balleroberung und Chancenschaffung waren gut.“ Hintergedanke: Irgendwann wird der Ball schon wieder ins richtige Tor fallen, irgendwann wird aus einem 0:0 ein 1:0, aus einem 1:2 ein 2:1. Meint Nouri. Meint auch Baumann: „Wir haben uns doch immer unsere Chancen herausgespielt. Darauf wollen wir aufbauen.“

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