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Werders Situation ist zurzeit wie Alexander Nouris Pullover: trist und grau.

Werder am Sonntag gegen Gladbach

Nouri: „Wir werden den Erfolg erzwingen“

Bremen - Ob er den Pullover mit Bedacht gewählt hat? Alexander Nouri trägt einen Hoodie aus der Bremer Fan-Kollektion, als er zur Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (Sonntag, 18.00 Uhr) erscheint.

Es ist eine Partie, in die von außen eine besondere Bedeutung für den Bremer Trainer hineingepresst wird. Wenn Nouri wieder nicht gewinnen sollte, dann könnte sein Job ernsthaft in Gefahr geraten, heißt es. Intern gibt es diesen Druck angeblich nicht, das beteuern alle Beteiligten immer wieder. Weshalb Nouri es sich erlauben kann, einigermaßen relaxt mit der Situation umzugehen. Die Botschaft, was für ihn am Sonntag wichtig ist, steht in großen Buchstaben auf seinen Pullover gedruckt. Dort steht nicht Nouri, dort steht WERDER BREMEN.

Baumann nimmt Nouri aus der Schusslinie

Dass es sportlich nicht gut bestellt ist um den Club, lässt sich an der Tabelle leicht ablesen. Platz 17 im aktuellen Bundesliga-Ranking, der letzte Platz im Spezialtableau der saisonübergreifend letzten zehn Spiele. So lange wartet Werder unter Nouris Regie schon auf einen Sieg. Doch das Warten wird ein Ende haben. Am Sonntag. Nouri sagt das ganz ohne Umschweife. „Wir werden den Erfolg erzwingen“, erklärt er. Und wie? „Indem wir unsere Chancen auch verwerten.“

Es ist gewissermaßen ein Versprechen, das der Chefcoach da formuliert hat. Nun muss es eingelöst werden. Dafür ist allerdings die Mannschaft zuständig, betont Sportchef Frank Baumann, der Nouri zuletzt immer aus der Schusslinie der Kritik genommen hat, wenn es nötig war. Jetzt macht er es wieder. Er lenkt den Fokus weg von der Führungsebene und rauf auf den Platz. Baumann: „Wir können der Mannschaft nur die Rahmenbedingungen schaffen. Aber wir können den Ball nicht über die Linie drücken und wir können auch die Gegentore nicht verhindern.“

Letzteres hat das Team zuletzt recht gut hinbekommen. Zuletzt kassierte Werder beim 1:1 in Wolfsburg einen Gegentreffer, in der Folge blieben die Bremer 242 Minuten sauber. Mehr als fünf Halbzeiten – das solle doch bitte bei der Bewertung der Leistungen auch berücksichtigt werden, fordert Baumann. „Und wir haben trotzdem unsere Chancen herausgespielt. Darauf wollen wir aufbauen“, sagt der 41-Jährige.

Woche für Woche sind es die gleichen – oder jedenfalls sehr ähnliche – Aussagen, die die Medientermine vor Spielen prägen. Weil sich auch das Thema nicht ändert. Kaum Tore, keine Siege – Stagnation bei Werder. Zlatko Junuzovic, der Kapitän, der nach langer Verletzungspause wieder in die Startelf zurückkehrt, weiß sich auch nicht anders zu helfen, als mit einem Spruch daherzukommen, der genauso viel Esprit besitzt wie das Bremer Offensivspiel. Wenig also. „Wir müssen den Bock jetzt umstoßen“, fordert Junuzovic – gefolgt von der Erkenntnis, „dass das alles andere als leicht wird“.

Zlatko Junuzovic (l.) und Alexander Nouri wollen gegen Gladbach den ersten Saisonsieg.

Der 30-Jährige wird die Bremer Mannschaft am Sonntag erstmals in dieser Saison als Spielführer auf das Feld führen. Und auch zum ersten Dreier? „Ich hoffe, dass ich der Mannschaft dazu verhelfen kann. Ich weiß, dass viel Verantwortung bei mir liegt.“

Als „Umschaltspieler mit vielen Ballkontakten zwischen den Strafräumen“ sei Junuzovic enorm wichtig für das grün-weiß Gefüge, sagt Alexander Nouri. Er hat den Österreicher sogar zu seiner Führungsfigur gemacht, hat ihm die Kapitänsbinde gegeben, hat mit Erfolg um ihn gekämpft, als im Sommer Angebote von Trabzonspor aus der Türkei kamen. Sollte Junuzovic das nun danken, indem er Nouri den ersten Saisonsieg beschert, hätte sich das gelohnt.

Nouri will auch gegen Gladbach seiner Linie treu bleiben

Aber die Basis für alles bleibt bei Nouri die Defensive. Auch gegen Gladbach, einen Gegner, der zwar schon deutlich mehr Gegentore kassiert hat als Werder (12:7) aber auch schon deutlich mehr eigene Treffer produziert hat (10:3). Folge: Die Borussia steht zehn Plätze besser da und jagt Nouri so viel Respekt ein, dass der offenbar gar nicht daran denkt, das eigene Team offensiver einzustellen als in den vergangenen Partien.

„Gladbach hat eine gute Offensive, da brauchst du eine sehr gute Absicherung“, sagt der Coach. Seiner Linie bleibt er also treu – auch auf die Gefahr hin, dass sein Team nach zuletzt drei Unentschieden in Folge wieder ohne Sieg bleibt. Die Situation – sie wäre dann wie Nouris Pullover: Werder steht drauf, aber er ist trist und grau.

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