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Werders Max Kruse machte beim 2:0-Sieg gegen Darmstadt 98 den Unterschied aus.

Zwei Kruse-Tore zum glücklichen Werder-Sieg

Erst gruselig, dann kruselig – und Frings ist fassungslos

Bremen - Von Björn Knips. Werder hat durch den 2:0 (0:0)-Sieg gegen Darmstadt 98 zum dritten Mal in Folge gewonnen. Nach einer desaströsen ersten Hälfte kamen die Bremer erst im zweiten Durchgang in Fahrt.

„Erstmal Glückwünsch an Alex und Werder.“ Darmstadts Coach Torsten Frings begann seine Analyse bei der Pressekonferenz eigentlich ganz höflich – auch in Richtung seines Kollegen Alexander Nouri. Doch der Ex-Bremer ließ umgehend ein „zu drei glücklichen Punkten“ folgen und packte auch noch ein „Es hat nicht die bessere, sondern die glücklichere Mannschaft gewonnen“ oben drauf. Diese 0:2 (0:0)-Pleite an seiner alten Wirkungsstätte, gegen ein Team, dass er noch bis September als Co-Trainer betreut hatte, schmerzte den Ex-Profi sehr. Der Abstieg seiner „Lilien“ ist nun wohl besiegelt.

Werder darf dagegen nach dem dritten glücklichen Sieg in Folge auf-, aber keineswegs durchatmen. Denn diese erste Halbzeit wird so schnell nicht zu vergessen sein – es war die schlechteste seit langer, langer Zeit. Planloser Angsthasenfußball – einfach nur gruselig. Immerhin wurde es nach einer Kabinenpredigt von Nouri dann ziemlich kruselig. Max Kruse verwandelte erst einen an Claudio Pizarro verwirkten Foulelfmeter zum 1:0 (75.), dann erhöhte er kurz vor Schluss nach einem Konter auf 2:0.

Dritter Sieg in Folge: Werder feiert dank Kruse

„Für die erste Halbzeit möchte ich mich entschuldigen, für die zweite möchte ich mich bedanken“, erklärte Nouri nach der Partie – und widersprach deutlich seinem nicht weit entfernt sitzenden Kollegen Frings: „Aufgrund der vielen Chancen nach der Pause haben wir uns den Sieg verdient.“ Der Reihe nach: Nouri hatte Clemens Fritz nach abgebrummter Gelbsperre wieder in die Startelf beordert – genauso wie etwas überraschend auch Claudio Pizarro. Dafür mussten die beiden Sechser Maximilian Eggestein und Milos Veljkovic weichen. Klares Signal: Attacke gegen den Tabellenletzten.

Doch davon war nichts zu sehen. Mutig agierten nur die Gäste, Werder igelte sich zeitweise in der eigenen Hälfte ein. Kopfschütteln auf den Rängen. Und dann dieses hilflose Pressing. Die Stürmer Kruse und Pizarro gingen vorne zu zaghaft drauf, dahinter rückte keiner nach. Da fehlte jegliche Absprache. Es sollte eigentlich ein Wechselspiel zwischen draufgehen und zurückziehen werden. „Wir haben das trainiert“, verriet Pizarro und fügte seufzend an: „Das müssen wir wohl noch mehr trainieren.“

Wiedwald verhindert frühen Rückstand durch eine Glanztat

Nur ein Bremer war von Beginn an hellwach: Felix Wiedwald. Nach einem Kopfball von Aytac Sulu (3.) zeigte der Keeper seine beste Parade im Werder-Trikot. Weltklasse, wie er den Ball mit der rauszuckenden Hand über die Latte lenkte. Fünf Minuten später bewahrte der Pfosten Werder nach einem Kopfball von Antonio-Mirko Colak vor dem Rückstand. „Wir hatten Glück, dass es zur Pause nur 0:0 stand“, meinte Maximilian Eggestein, der schon in der 32. Minute für den verletzten Zlatko Junuzovic (Rückenblockade) eingewechselt worden war. Auch Fritz hatte es erwischt, der Kapitän war umgeknickt und musste nach 39 Minuten runter. Für ihn kam Florian Grillitsch.

Zum Pausenpfiff gesellten sich so viele Pfiffe wie selten zuvor im mit 41 000 Zuschauern ausverkauften Weserstadion. In der Kabine gab es für die Werder-Profis noch mehr auf die Ohren. „Der Trainer hat eine Ansprache gehalten, dass es so nicht weitergehen kann“, berichtete Eggestein. Und Robert Bauer verriet, dass der Coach den Spielern die miserable Laufleistung vor Augen gehalten hatte: „Das kratzt schon an der Ehre.“ Und plötzlich stand dann eine andere Werder-Mannschaft auf dem Platz. Vollgas statt Rückwärtsgang. Pizarro (47.) und Theodor Gebre Selassie (51.) hätten diesen Schwung schon früh auf die Anzeigetafel bringen müssen, köpften aber aus kürzester Distanz vorbei. Auch Serge Gnabry brachte die Kugel nicht im Tor unter (57.). 

„Wir haben heute definitiv einen Riesenschritt gemacht“

Es roch schon ein bisschen nach Unentschieden, zumal die Gastgeber wieder etwas zurückschreckten. Doch dann grätschte Sulu sein Team ins Unglück. Pizarro hatte nach einer feinen Hereingabe von Gnabry kurz vorm Tor über den Ball getreten, doch dann kam Sulus Volltreffer in Pizarros Hinterbeine. „Ein klarer Elfmeter“, gestand später auch Frings. Am Spielfeldrand hatte der 98-Coach noch wütend protestiert, nachdem Schiedsrichter Guido Winkmann auf den Punkt gezeigt hatte. Kruse ließ sich diese Chance nicht entgehen – 1:0 (75.).

Das Weserstadion schwappte fast über vor Glück – und bekam noch eine Zugabe: Nach Pass von Fin Bartels vollstreckte Kruse zum 2:0 (90.+2). Die Fans feierten, als wäre der Klassenerhalt schon geschafft. „Wir haben heute definitiv einen Riesenschritt gemacht“, urteilte auch Kruse: „Aber wir haben noch nicht die Punkte, die uns in der Klasse halten.“ 25 sind es, fünf mehr als der Hamburger SV auf dem Relegationsplatz. Der Nordrivale kann den Rückstand aber am Sonntag gegen Hertha BSC verkürzen. Außerdem sollten alle Bremer diese Worte von Torsten Frings mahnend in den Ohren behalten: „Werder hatte Riesenprobleme.“ Und das gegen den Tabellenletzten.

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