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Schon im Hinspiel machte Werder-Profi Philipp Bargfrede so seine Erfahrungen mit Frankfurts Kevin-Prince Boateng.

Entscheidende Emotionen

Wie Werder gegen aggressive Frankfurter bestehen will

Bremen - Werder spielt inzwischen einen wirklich ansehnlichen Fußball. Die überragende erste Halbzeit vor zwei Wochen in Augsburg wirkt immer noch nach.

Das Fachmagazin „kicker“ hat die Bremer sogar schon mit der Champions League in Verbindung gebracht. Stürmer Aron Johannsson fordert den Blick nach oben. Keine Spur mehr von Abstiegskampf. Denkste! Trainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann warnen vor zu viel Euphorie – und ganz speziell vor dem nächsten Gegner Eintracht Frankfurt. Am Ostersonntag dürfte es im Weserstadion ordentlich zur Sache gehen und die Emotionen eine große Rolle spielen. Kohfeldt hat aber schon einen Plan, wie er den aggressiven Hessen begegnen will.

Bargfrede gegen Boateng - es könnte krachen

„Wir brauchen eine hohe Präzision in unserem Spiel, um erst gar nicht in die Zweikämpfe zu kommen“, fordert Kohfeldt und erklärt: „Frankfurt hat ein sehr aggressives Pressing. Das ist manchmal an der Grenze, aber absolut okay. Das ist ihr Markenzeichen.“ Allen voran das von Kevin-Prince Boateng. „Ein hervorragender Spieler“, schwärmt Kohfeldt: „Er ist der Leader, er bestimmt die Emotionen auf dem Platz.“ Der 31-Jährige spielt eine bärenstarke Saison, zerreißt sich förmlich auf dem Platz, schont sich und seine Gegenspieler nicht. Einem Philipp Bargfrede ist deshalb aber keineswegs bange. „Wer mich kennt, der weiß doch: Ich scheue keinen Zweikampf. Wenn es zur Sache geht, dann habe ich kein Problem damit.“

Gerade im Mittelfeld, wo Bargfrede und Boateng aufeinandertreffen, könnte es also ordentlich krachen. Aber Frankfurt lebt nicht nur von Härte, sondern auch von Schnelligkeit und taktischen Kniffen des Trainers. Niko Kovac hat aus der Eintracht ein Team gemacht, das konstant punktet und deshalb völlig zurecht auf einem Champions-League-Platz steht.

„Da ist eine klare Handschrift zu erkennen“, sagt Kohfeldt. In den vergangenen Tagen wurde der 35-Jährige oft mit Kovac (46) verglichen, weil beide als Trainer der Stunde in der Bundesliga gelten. Sie haben kriselnde Traditionsteams wieder zum Leben erweckt. Doch das Spielchen macht Kohfeldt nicht mit: „Niko hat eine außergewöhnliche Spielerkarriere, damit kann ich nicht dienen. Er war schon Nationaltrainer und mit Kroatien bei der WM. Ich dagegen bin erst seit 146 Tagen Bundesliga-Coach. Solche Vergleiche sind doch sehr verfrüht.“

Kohfeldt konzentriert sich lieber auf das Wesentliche – den Fußball. Und sein Anspruch ist es, „dass wir gegen jede Mannschaft gewinnen wollen, also auch gegen Frankfurt.“ Deshalb nimmt er seinem Angreifer Johannsson den Blick nach oben nicht übel, „wenn er damit diese Gier meint, die man braucht“. Aber zugleich stellt der Coach klar: „Wir sind immer noch in einer gefährlichen Situation. Wir werden dieses Thema nicht beiseiteschieben – und ich werde dafür sorgen, dass es die Mannschaft auch nicht macht.“

Baumann denkt nur an den Klassenerhalt: „Alles andere ist Humbug“

Mit einem Sieg wäre Werder wohl endgültig unten raus – und käme den internationalen Plätzen gleichzeitig näher. Die Champions League ist freilich unerreichbar. Dass der „kicker“ Werder trotzdem in Verbindung mit der Königsklasse gebracht hat, dürfte zwei Gründe haben. Erstens: In der Kohfeldt-Tabelle (17 Spiele seit der Entlassung von Alexander Nouri) belegen die Bremer Rang fünf. Zweitens: die nächsten Gegner im Weserstadion. Nach Frankfurt kommen auch noch Leipzig, Dortmund und Leverkusen – alle sind noch im Rennen um einen der vier Champions-League-Plätze. Wenn Werder gegen diese Teams besteht, dann könnte das auch schon ein Fingerzeig für die neue Saison sein.

Für Sportchef Baumann ist das alles viel zu weit gedacht. „Wir sind noch nicht gerettet. Und das ist das erste Ziel. Alles andere ist Humbug“, wählt der Ex-Profi ungewohnt deutliche Worte. Er weiß nur zu genau, wie schnell es im Fußball wieder in die andere Richtung gehen kann. Und Frankfurt ist sicherlich ein Gegner, der Werder wehtun kann.

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