+
Werder Bremen feiert den 2:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. Noch spricht aber kaum einer vom geschafften Klassenerhalt.

Der schwierige Umgang mit dem 2:1 gegen Frankfurt

Systematisch gerettet, aber fast keiner will es sagen

Bremen - Das Weserstadion war schon ziemlich leer, nur in einigen Logen herrschte noch Betrieb – und in einer gab Jerome Gondorf dem vereinseigenen Fernsehen ein interessantes Interview, das über die Anzeigetafel übertragen wurde.

Vom Abstiegskampf, so der Werder-Profi nach dem 2:1 (1:0)-Sieg gegen Eintracht Frankfurt, „haben wir uns verabschiedet, dafür spielen wir einfach viel zu konstant“. So forsch hatte sich kein anderer Bremer nach dem beeindruckenden Spiel geäußert, obwohl Werders Vorsprung auf den Relegationsplatz jetzt sechs Spieltage vor Schluss stolze zehn Punkte beträgt. Es war offenbar eine klare Vorgabe der sportlichen Leitung gewesen, die Gondorf als nicht einsatzfähiger Spieler auf der Tribüne wohl nicht mitbekommen hatte.

„Rein rechnerisch sind wir noch nicht gerettet. Etwas anderes darf ich ja nicht sagen“, ließ Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein nach der Partie mit einem breiten Grinsen tief blicken. Natürlich fühlen sich die Bremer durchaus in Sicherheit, aber sie wollen auch keinen Motivationsabfall und damit kein Austrudeln der Saison riskieren. Dann könnte es zum einen tatsächlich noch gefährlich werden, das ist anderen Clubs schließlich schon mal passiert – schöne Grüße zum Beispiel nach Stuttgart. Und zum anderen soll der neue Werder-Geist noch mehr gestärkt werden.

Werder mit breiterem Fundament als vor einem Jahr

„Es geht nicht mehr nur um die Tabelle, sondern um die Gier, jedes Spiel gewinnen zu wollen“, betonte Mittelfeldspieler Thomas Delaney. Die letzten Spiele seien auch für die neue Saison wegweisend. Und damit meinte Delaney ganz und gar nicht die vielleicht noch mögliche Qualifikation für das internationale Geschäft. „Ich spreche nicht von Europa. Das haben wir schon mal gemacht, das war ein Fehler.“

Vor einem Jahr war das gewesen. Werder hatte nach einer stolzen Serie von elf Spielen ohne Niederlage Blut geleckt und verlor dann im Saisonendspurt drei Mal in Folge. Futsch war Europa, futsch war die Euphorie, futsch das Vertrauen in die eigene Stärke, die allerdings nicht so ein breites Fundament besitzt wie jetzt. Vor zwölf Monaten waren es eine starke Defensive, ein gutes Umschaltspiel und individuelle Klasse, die das Punktekonto ansteigen ließen. Diesmal ist es anders: Werder hat sich systematisch gerettet – mit gehobener Fußball-Kultur und großer Flexibilität.

„Das war ein hochklassiges Spiel“, schwärmte Trainer Florian Kohfeldt nach der Partie: „Riesenkompliment an die Jungs, wie sie immer wieder Lösungen gefunden haben.“ Der Coach wusste am Ende gar nicht mehr, wie oft im Spiel das System gewechselt worden war. Aber das habe er nicht allein von außen so entschieden, sondern das komme auch aus der Mannschaft heraus. Und es war eine vorab abgesprochene Reaktion auf das Spiel der Gäste. Denn auch Eintracht-Coach Niko Kovac hatte seiner Mannschaft mehrere Systemwechsel verordnet. Die Frankfurter bewiesen durchaus, dass sie zu Recht vom Einzug in die Champions League träumen dürfen.

Aber: Werder hielt mal wieder auf Augenhöhe dagegen – wie das schon bei den Siegen gegen andere Spitzenteams wie Dortmund und Schalke geklappt hatte. Die Führung von Zlatko Junuzovic (28.) kam zwar überraschend, weil die Bremer nach gutem Beginn etwas nachgelassen hatten, aber unverdient war sie auch nicht. Frankfurt schlug nach der Pause zwar durch Luka Jovic zurück (53.), aber ein Eigentor von David Abraham (79.) nach einer Hereingabe von Junuzovic brachte die Bremer wieder auf die Siegerstraße.

Kohfeldt: „Einen Sieg brauchen wir noch für den sicheren Klassenerhalt“

„Wir hatten heute sicher auch das Spielglück“, gestand Sportchef Frank Baumann und meinte damit nicht nur die Entstehung des Siegtreffers. Frankfurt ließ viele sehr gute Chancen liegen – oder besser gesagt: Werder-Keeper Jiri Pavlenka reagierte mal wieder mehrfach glänzend. Aber auch Werder hatte beste Gelegenheiten, weswegen der Dreier keineswegs unverdient war.

Riesenjubel im ausverkauften Weserstadion, große Freude bei Spielern und Verantwortlichen, aber eben auch ein sofort mahnender Trainer. „Der direkte Abstieg ist jetzt vom Tisch. Bei der Relegation bin ich aber noch vorsichtig. Einen Sieg brauchen wir noch für den sicheren Klassenerhalt“, betonte Kohfeldt, lehnte weitere Gedanken über die Bremer Möglichkeiten in der Liga aber rigoros ab: „Ich lasse mich auf keine tabellarischen Spielchen ein.“ Damit meinte er die Anspielungen auf die internationalen Ränge. Und da machte übrigens auch Gondorf in seinem Logen-Interview nicht mit und bezeichnete Platz neun als gute Sache.

Schon gelesen?

Einzelkritik: Delaney duelliert sich ohne Ende

Ohne Moisander, ohne Augustinsson - die Viererkette zerbröselt

Pavlenka und Hradecky - strahlender Sieger und großer Verlierer

Fotostrecke: Eigentor entscheidet Oster-Spiel

Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © imago
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare