+
Eintracht-Trainer Niko Kovac und Werder-Coach Florian Kohfeldt stellten während der Partie mehrmals das System um.

2:1-Sieg gegen Frankfurt

Taktik-Analyse: Kohfeldt und Kovac wie die Schachspieler

Bremen - Viererkette, Fünferkette, Rochaden auf beiden Seiten: Das Duell zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt war ein Genuss für Taktikfüchse. Warum die Partie an Rasenschach erinnerte, erläutert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

„Never change a winning team“? Dieser Satz war einmal. Heute wechseln Trainer ihre Elf und ihre taktische Ausrichtung wie die Unterhosen. Die Partie zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt illustrierte, wie komplex taktische Vorgaben geworden sind. Da reicht es nicht, ein taktisches System zu beherrschen – die Trainer wenden pro Spiel drei oder vier an.

Bremen greift über die Flügel an

Werder-Coach Florian Kohfeldt griff beim 2:1-Sieg über Frankfurt auf einen taktischen Kniff zurück, den er bereits erfolgreich gegen den FC Augsburg angewandt hatte. Philipp Bargfrede agierte bei Ballbesitz als Sechser vor der Abwehr. Sobald der Gegner den Ball hatte, ließ er sich zurückfallen in die eigene Abwehr. Somit konnte Bremen in der Defensive auf eine kompakte Fünferkette setzen. Diese sollte die Passwege hinter die Abwehr schließen.

Kovac setzte auf einen ganz ähnlichen Kniff. Hier war es Makoto Hasebe, der zwischen Verteidigung und Mittelfeld pendelte. Im Mittelfeld ähnelten sich daher die Systeme beider Teams. Doch während Max Kruse bei Bremen als einziger Stürmer auflief, agierte Frankfurt mit einer Doppelspitze.

Die Grafik zeigt Bremens eigentlichen Plan, auf dem linken Flügel Überzahl zu kreieren.

In den Anfangsminuten hatte Bremen eine klare Strategie, wie sie gegen Frankfurts kompaktes Konstrukt zu Chancen kommen wollten. Werder versuchte, Überzahlen auf dem linken Flügel herzustellen. Hier sah Frankfurts System in Danny Da Costa nur einen Verteidiger vor; einen jungen und unerfahrenen dazu. Kruse und Thomas Delaney rückten immer wieder nach links, Bremen wollte hier schnell hinter die Frankfurter Abwehr spielen. Dies funktionierte in den ersten Minuten einige Male.

Das Schachspiel beginnt: Umstellungen auf beiden Seiten

In der Folge begann ein facettenreiches Schachspiel zwischen den Trainern. Kovac reagierte auf Werders Dominanz in der Anfangsphase, indem er sein System umstellte: Hasebe rückte nun auch bei gegnerischem Ballbesitz ins Mittelfeld vor, Marius Wolf rückte wiederum aus dem zentralen Mittelfeld nach Rechtsaußen. Frankfurt hatte nun zwei Spieler auf dem Flügel, war damit besser abgesichert gegen Bremens Versuche, Überzahlen zu bilden.

Dies zwang wiederum Kohfeldt zu einer Reaktion. Frankfurt eroberte sich nun nämlich auf den Flügeln eine Überzahl, die sie clever ausspielten. Sie lockten die drei Bremer Stürmer ins Pressing, spielten daraufhin die freien Stellen auf den Flügeln an. Bremen hatte zunächst Probleme, die Räume hinter den früh pressenden Stürmern zu besetzen.

Die Grafik zeigt Kovacs Reaktion, den Flügel doppelt zu besetzen und damit diese Schwachstelle zu schließen.

Nach rund einer Viertelstunde wies Kohfeldt Bargfrede an, nun auch bei gegnerischem Ballbesitz vor der Abwehr zu agieren. Die Außenstürmer zog er zurück, sodass Bremen in einem tiefen 4-1-4-1-System verteidigte. Frankfurt hatte nun zwar die Hoheit über den Ballbesitz, kam aber nur selten durch gegen Bremens kompakte Ordnung. Beide Teams neutralisierten sich.

Tore führen zu weiteren Umstellungen

In der 28. Minute ging Bremen in Führung. Eine ihrer Überladungen der linken Seite führte zum Ziel, Frankfurt schloss die Räume nicht. Nach Zlatko Junuzovics Führungstreffer stellte Kovac wieder um, beorderte Hasebe zurück in die Abwehr. Frankfurt agierte nun mit einer Dreierkette, die Außenverteidiger mutierten zu Außenstürmern. Doch gegen Bremens 4-1-4-1 kamen sie nur vereinzelt zu Chancen.

Bremen kehrte aus der Halbzeitpause ebenfalls mit einer Fünferkette zurück. Nun waren beide Teams wieder in ihrer ursprünglichen Formation zurückgekehrt: Bremens 5-2-3 gegen Frankfurts 5-3-2. Dann waren es die Frankfurter, die mit einem Konter das Tor trafen (53.) und den Gegner wieder zu einer Umstellung zwang.

Fotostrecke: Eigentor entscheidet Oster-Spiel

Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © imago
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © nordphoto
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia

Bremen agierte in der Folge wieder merklich offensiver. Junuzovic und Belfodil rückten in die vorderste Linie, Kruse agierte etwas versetzt hinter ihnen. Zu dritt liefen sie im Spielaufbau Frankfurts Dreierkette an. Im eigenen Ballbesitzspiel schufen Junuzovic und Belfodil Anspielstationen in der Tiefe. Gegen Frankfurts enges 5-3-2 fand Bremen aber lange kein Durchkommen.

Kovac fehlt am Ende der entscheidende Schachzug

Nachdem sich beide Teams lange Zeit neutralisierten, verhalf Bremen ein Glückstreffer zur Führung (79.). Eintracht-Keeper Lukas Hradecky hatte eine abgefälschte Flanke unterschätzt. Nun kippte das Spiel zugunsten von Bremen, auch weil Kovac im Taktiker-Duell keinen weiteren Schachzug nachlegen konnte.

Kovac beorderte Hasebe wieder ins Mittelfeld, stellte damit auf ein extrem offensives 4-2-4 um. Kohfeldt genügte es, seine Mannschaft zunächst in einem defensiven 5-2-3 aufzustellen. Später stellte er mit der Einwechslung von Sebastian Langkamp auf ein 5-4-1 um. Bremen verwaltete die Führung und setzte mit schnellen Kontern über Kruse entscheidende Nadelstiche.

Ein 4-3-3 hier, ein 5-3-2 dort: Die ganze taktische Umstellerei mag mehr nach einer mathematischen Forschungsarbeit klingen als nach einem Fußballspiel. Dass Bremen in diesem taktischen Duell auf Augenhöhe war, beweist abermals, wie stark sich Werder in den vergangenen Wochen entwickelt hat. So einige andere Bundesliga-Teams hatten schon ihre Probleme mit Frankfurts taktischer Finesse. Kohfeldt fand meist die richtige Antwort auf Kovacs Umstellungen. Mit taktischem Geschick und einer Portion Glück holte sich Bremen den Dreier.

Schon gelesen?

Systematisch gerettet, aber fast keiner will es sagen - der Nachbericht

Marco Friedl und der Schutz der Bayern

Einzelkritik: Delaney duelliert sich ohne Ende

Schon gesehen?

Marco Friedl über das Frankfurt-Spiel, den Bayern-Schoner und Coach Kohfeldt

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare