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So sehen frustrierte Verlierer aus: Werders Niklas Moisander, Max Kruse (gab sein Pflichtspiel-Comeback) und Theodor Gebre Selassie (v.l.) Sonntag nach dem Schlusspfiff und dem 1:2 gegen Frankfurt – es war die vierte Pleite hintereinander für die Bremer.

1:2 gegen Frankfurt: Sonntagsschuss eines Teenies lässt Werder verzweifeln

Wieder verloren: Auch mit den Top-Stars nicht siegfähig

Bremen - Von Carsten Sander. Es war das Spiel, in dem Claudio Pizarro, Max Kruse und Serge Gnabry das erste Mal gemeinsam auftraten. Es war das Spiel, in dem auch Philipp Bargfrede nach einer gefühlten Ewigkeit ein Kurz-Comeback feierte.

Große Namen also, die am Ende dennoch nicht die waren, die das Spiel zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt prägten. In diese Rolle schlüpfte ein absoluter Nobody. Aymen Barkok, ein Bundesliga-Debütant aus der Frankfurter U19, erzielte Sonntag in der 90. Minute den 2:1-Siegtreffer für die Eintracht und verlängerte damit die Niederlagenserie des zwar personell aufgemöbelten, aber weiter nicht siegfähigen SV Werder auf nunmehr vier Partien. Alarm an der Weser!

Vor der Mitgliederversammlung am Montagabend stecken die Bremer tief in der Ergebniskrise. Und die guten Zahlen, die Geschäftsführer Klaus Filbry hinsichtlich der Club-Finanzen präsentieren wird, korrespondieren überhaupt nicht mit der sportlichen Situation. Im Plus ist bei dem Tabellen-16. auf dem Platz nämlich nichts – auch nicht nach der Rückkehr der Stars Pizarro und Kruse.

„Beide haben unser Spiel belebt, haben Elemente reingebracht, die unserem Spiel guttun“, urteilte Trainer Alexander Nouri zwar, aber Zählbares sprang dabei nicht heraus. Warum? Weil es so war, wie so oft. „Wir können in Heimspielen bald eine Platte auflegen“, sagte Sportchef Frank Baumann mit Leidensmiene, „wir zeigen gute Ansätze, schaffen es aber nicht, über 90 Minuten konsequent zu verteidigen.“

Grillitsch erzielt ersten Saisontreffer

Die guten Ansätze waren tatsächlich da. Vor allem in Halbzeit eins, als Kruse und Pizarro noch frisch waren. Da lief der Ball mitunter gefällig durch die Bremer Reihen, da ging es auch mal flott nach vorne. Und da legte Werder sogar das 1:0 vor – jedoch komplett ohne das Zutun der Rückkehrer. Niklas Moisander hatte einen Zuckerpass auf Florian Grillitsch gespielt, der Österreicher veredelte selbigen mit einer feinen Ballannahme und einem perfekten Schuss in den Winkel.

Es war ein wunderschönes Tor, das Grillitsch entsprechend bejubelte. Dabei legte er demonstrativ den Finger auf die Lippen, um alle, die ihn zuletzt kritisiert hatten, zum Schweigen aufzufordern. In diesem Moment war der Österreicher obenauf. Am Ende nicht mehr. „Wir stehen wieder ohne Punkte da. Dabei wäre heute einer verdient gewesen“, seufzte er.

Kruses "Bock" und Pizarros Pech

Gemessen an der ersten Halbzeit waren auch drei möglich. Kruse (11.), Gnabry (34.) und nochmal Kruse (36.) hatten gute Chancen vergeben. Auf der Gegenseite parierte Torhüter Felix Wiedwald Distanzschüsse von Branimir Hrgota (7.) und Marco Fabian (17.). Milos Veljkovic blockte zudem in höchster Not gegen Marco Fabian (29.). Die Szenen ließen erkennen: Es war viel los im mit 39 261 Zuschauern besetzten Weserstadion.

Frankfurt immer stärker

Werder war gut in der Partie – und stürzte dann doch wieder ab. Eintracht-Torjäger Alexander Meier, erst zur zweiten Halbzeit eingewechselt, nutzte eine Konfusion in der Bremer Abwehr zum 1:1 (52.). Die Vorlage war ausgerechnet von Grillitsch gekommen. Beim Versuch, einen Pass abzufangen, spitzelte er den Ball hinter die eigene Abwehrkette direkt zu Meier. „Das war unglücklich, da konnte ich nicht viel machen“, meinte der Bremer.

Danach lief bei Werder nur noch wenig zusammen. Pizarro und Kruse bauten körperlich erkennbar ab, kreierten aber noch eine Top-Chance, mit der Pizarro an Eintracht-Schlussmann Lukas Hradecky scheiterte (76.). Mehr kam nicht von den Bremern, die unter Druck standen und nach und nach den Überblick verloren. „Uns hat“, stellte Max Kruse fest, „die Griffigkeit gefehlt.“

Wiedwald verhinderte gegen Meier einen früheren Rückstand (57./60.), einmal rettete Theodor Gebre Selassie kurz vor der Torlinie (65.). Es waren die Aktionen, die Baumann und Nouri unterschlugen, als sie nach Abpfiff die andere Platte auflegten – die vom Glück und Pech, dem Evergreen unter Verlierern. Intro Baumann: „Auch wenn es doof klingt: Es war eine unglückliche Niederlage.“ Refrain Nouri: „Es hat das Quäntchen Glück gefehlt.“

Werder-Schock in letzter Minute

Das eigene Verschulden war aber größer als das Pech. Siehe Minute 90, als in der Abwehr erneut das große Chaos ausbrach und Werder den Ball nicht aus der Gefahrenzone bekam – inklusive eines Ballverlustes von Kruse in der Vorwärtsbewegung. „Sehr unnötig und vermeidbar“, ärgerte sich Nouri.

Aymen Barkok, 18-jähriger deutscher Jugend-Nationalspieler mit marokkanischen Wurzeln, bedankte sich und nahm Maß. Ein Schlenzer, ein Treffer – und die nächste große grün-weiße Enttäuschung war perfekt. Dennoch glaubt Alexander Nouri fest an seine Linie und die Qualität der Mannschaft: „Wir gehen mit Glauben und Überzeugung in die Spiele. Wenn du dich dann nicht belohnst, ist das zwar bitter, aber der Weg ist trotzdem richtig.“

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