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Werder um Theodor Gebre Selassie (l.) und Maximilian Eggestein blamierte sich gegen den FC Augsburg.

0:3-Blamage gegen FC Augsburg

Werder desolat: Das war‘s wohl für Nouri

Bremen - Schlimmer geht es nicht mehr, der SV Werder ist am Tiefpunkt angekommen: Im Heimspiel gegen den FC Augsburg kassierte der Bundesligist eine verdiente 0:3 (0:2)-Pleite.

Für Alexander Nouri dürfte diese Partie die letzte als Werder-Coach gewesen sein. Er konnte auch am zehnten Spieltag keinen Sieg einfahren. Nach dem glücklichen 1:0-Erfolg am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Hoffenheim hatte er auch in der Liga auf einen Befreiungsschlag gehofft, doch es folgte eine Blamage.

Gegen Augsburg offenbarten die Bremer nicht nur wie schon in der gesamten Saison Schwächen in der Offensive (erst drei Tore, 484 Minuten ohne Treffer), sondern nun auch in der Defensive. In der dieser Verfassung ist der Tabellenvorletzte ein absoluter Abstiegskandidat. Es wird spannend, wen der Club als Nachfolger von Nouri präsentieren wird. Als Kandidaten gelten Bruno Labbadia, Markus Weinzierl, Andre Schubert, Marcel Koller und U23-Coach Florian Kohfeldt.

Nouri stellt wieder offensiver auf als im Pokal

Nach der Mauertaktik im Pokal gegen Hoffenheim (1:0) hatte Nouri wesentlich offensiver aufgestellt – besonders bemerkenswert dabei: Trotz des Startelf-Comebacks von Max Kruse durfte auch Ishak Belfodil von Beginn an ran. Im Mittelfeld bekam Maximilian Eggestein den Vorzug vor Philipp Bargfrede. Hinten wurde von Vierer- auf Dreierkette umgestellt. Dabei kehrte Lamine Sane ins Abwehrzentrum zurück, er war gegen Hoffenheim geschont worden. Neben ihm verteidigten Niklas Moisander und etwas überraschend Robert Bauer, der Milos Veljkovic auf die Bank verdrängte.

Werder wurde quasi von Beginn an zum Ballbesitz gezwungen, denn Augsburg wollte die Kugel nicht. Das ist das System der Schwaben, sie wollen nur Kontern. Haben sie den Ball, wird er weit nach vorne geschlagen. Dort lauert dann ein Alfred Finnbogason, der nach acht Minuten aus sehr guter Position am starken Jiri Pavlenka scheiterte. Werder wurde erst nach einer halben Stunde (!) gefährlich, als es Maximilian Eggestein aus der Distanz probierte. FCA-Keeper Marvin Hitz war aber zur Stelle.

Zwei Werder-Albträume auf einem Bild: Michael Gregoritsch (r.) und Alfred Finnbogason schossen die Bremer ab.

Genauso wie wenig später bei einem etwas harmloseren Versuch von Kruse. Apropos Kruse: Der Startelf-Rückkehrer hatte große Schwierigkeiten, ins Spiel zu finden, konnte kaum Akzente setzen. Werder spielte insgesamt viel zu langsam, hatte nach vorne überhaupt keinen Plan. Im offensiven Mittelfeld enttäuschten Thomas Delaney und Zlatko Junuzovic. Belfodil tauchte als Stürmer nach gutem Beginn total ab, weil er auch kaum Bälle bekam.

Augsburg war wesentlich zielstrebiger. So nagelte Daniel Baier die Kugel aus 15 Metern an die Latte (39.). Das hätte ein Weckruf für die Bremer Abwehr sein müssen, doch fast alle Defensivspieler schliefen beim nächsten FCA-Angriff. Theodor Gebre Selassie trabte nur zurück, auf der rechten Seite ließ Bauer Gegenspieler Philipp Max flanken - und in der Mitte wurde Michael Gregoritsch weder von Delaney noch von Ludwig Augustinsson entscheidend gestört. Der Ex-Hamburger konnte mühelos zum 1:0 einköpfen (40.).

Finnbogason erhöht noch vor der Pause

Ein Schock so kurz vor der Pause, aber es kam noch schlimmer. Nach einem Foul von Niklas Moisander an Finnbogason zeigte der Unparteiische Sören Storks auf den Elfmeterpunkt. Der Video-Schiedsrichter in Köln schaute noch mal kurz drauf, war aber der gleichen Meinung. Moisander hatte Finnbogason am linken Fuß erwischt. Der Gefoulte trat selbst zum Strafstoß an und verwandelte sicher zum 2:0 (45.+1).

Die Werder-Fans im mit 42.100 Zuschauern ausverkauften Weserstadion waren bedient, mit einem gellenden Pfeifkonzert schickten sie die Mannschaft in die Pause. Nouri reagierte, brachte Izet Hajrovic und Florian Kainz für Bauer und Eggestein. Dazu wechselte der Coach auf ein 4:2:3:1-System. Die erste Chance hatten trotzdem sofort wieder die Gäste, Gregoritsch köpfte eine Hereingabe von Max an den Außenpfosten (49.).

Fans fordern „Nouri raus“

Doch Werder wurde besser, die Einwechslungen von Kainz und Hajrovic zeigten Wirkung. Endlich war Tempo im Bremer Spiel. Sane hatte nach Belfodil-Vorarbeit die erste Gelegenheit zum Anschlusstreffer, sein Abschluss war aber zu schwach (57.). Die Fans fanden es trotzdem klasse, feuerten ihre Mannschaft wieder an und bliesen damit zur Aufholjagd. Die war aber ganz schnell beendet. Ausgerechnet nach einem Ballverlust des starken Kainz (gegen Rani Khedira) konterte Augsburg - und erneut Gregoritsch vollstreckte eiskalt (61.) zum 3:0.

Viele Werder-Fans waren nun restlos bedient, forderten lautstark „Nouri raus“. Denn sie mussten weitere große Chancen der Gäste sehen. Finnbogason hätte gleich mehrfach aus bester Position erhöhen können. Werder hatte sich aufgegeben. Ein Debakel drohte, doch Augsburg blieb gnädig. Nouri dürfte das kaum helfen.

Baumann kündigt Krisensitzung am Abend an

Fotostrecke: Gregoritsch und Finnbogason schießen Werder ab 

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