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Max Kruse trifft zum 1:2 Anschlusstreffer.

Gut gespielt - nicht belohnt

Enttäuscht, dezimiert, optimistisch: Werder 1:2 gegen Bayern

Bremen - Von Björn Knips und Daniel Cottäus. Nach der 1:2-Niederlage gegen die Bayern wird die Luft im Abstiegskampf dünner. Werder-Trainer Alexander Nouri schaut trotzdem optimistisch auf die nächsten Spiele.

Die Fans sangen. Und wer erst jetzt ins Weserstadion gekommen wäre, hätte glauben können: Mensch, Werder hat gegen die großen Bayern tatsächlich etwas geholt. Ganz falsch wäre diese Einschätzung auch nicht gewesen, Werder hat Optimismus getankt, aber eben keine Punkte. Wie schon vor einer Woche gegen Dortmund setzte es eine 1:2 (0:2)- Niederlage, wieder eine unglückliche. Und das gegen einen haushohen Favoriten. Respekt! 

Doch die Luft im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga wird immer dünner, der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nur noch einen Punkt – und es gibt zudem zwei schlechte Nachrichten: Claudio Pizarro und Niklas Moisander droht eine längere Pause. „Ich bin sehr enttäuscht“, meinte Sportchef Frank Baumann nach dem Spiel. Deprimiert wirkte er dabei allerdings nicht. Schließlich hatte er ja auch „viele positive Dinge gesehen“. 

Mit Leistung der Mannschaft „sehr einverstanden“

Genauso wie Trainer Alexander Nouri, der das Ergebnis zwar nicht gut fand, dafür aber mit der Leistung seiner Mannschaft „sehr einverstanden“ war: „Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, gibt Anlass zu Optimismus.“ Das gilt vor allem für die zweite Hälfte. Da war es fast ein Spiel auf Augenhöhe – und das, obwohl Werder 0:2 zurücklag und fast alle schon die nächste Klatsche gegen die Bayern erahnten. 

Es kam anders. Zwar zur Freude von Thomas Delaney, aber Werders Däne gab den fragenden Journalisten einen klaren Auftrag: „Die Überschrift für dieses Spiel muss lauten: Wir müssen schon früher so mutig spielen wie nach der Pause.“ Werder hatte sehr defensiv und zurückhaltend begonnen. Mit einer Dreierkette, die aber lange Zeit eher eine Fünferkette war. 

Verletzter Claudio Pizarro

Etwas überraschend fehlte Fin Bartels, der gegen Dortmund getroffen hatte. Doch wegen eines grippalen Infekts saß der Mittelfeldspieler zunächst nur auf der Bank. Anders als eine Woche zuvor Serge Gnabry, der trotz Magen-Darm-Problemen aufgelaufen war und dann früh runter musste. Auch diesmal konnte ein Bremer nicht lange mitwirken: Pizarro gab schon nach 18 Minuten das Signal zur Auswechslung – der linke Oberschenkel streikte. „Es sieht so aus, als würde er uns das eine oder andere Spiel fehlen“, berichtete Baumann. Für Pizarro brachte Nouri überraschend Maximilian Eggestein, der fortan als alleiniger Sechser agierte. Eine mutige Entscheidung des Trainers, aber eine durchaus richtige. Eggestein machte seine Sache gut. Den Rückstand konnte aber auch er nicht verhindern, weil die Bayern ausnahmsweise mal richtig schnell spielten. 

Erst ließ Franck Ribery am Flügel Robert Bauer und Thomas Delaney stehen, dann Arjen Robben den ohnehin überfordert wirkenden Santiago Garcia – 0:1 (30.). Ein schöner Treffer des Holländers. Dem ein noch schönerer folgen sollte, diesmal von David Alaba. Der Österreicher zirkelte einen Freistoß in den Winkel – und mehr Winkel ging da wirklich nicht. Felix Wiedwald, der den gesperrten Jaroslav Drobny ersetzte, war machtlos. Wenige Sekunden vor der Pause tat das den Bremern richtig weh. 

Die Bayern wirkten beeindruckt und ängstlich

Längst schien klar, dass Werder auch das 13. Duell mit den Bayern in Folge verlieren würde und damit einen traurigen Bundesliga-Rekord aufstellen würde. Doch da spielten die Gastgeber nicht mit, sondern plötzlich mutig auf. „Da haben wir eine Mannschaft gesehen, die weiter an sich glaubt, die noch mehr zusammenrückt“, schwärmte Nouri. Der Lohn: Der geniale Anschlusstreffer von Max Kruse (53.), übrigens sein erstes Tor im elften Spiel gegen die Bayern. Zlatko Junuzovic hatte den Ex-Nationalspieler gut in Szene gesetzt, doch noch sehenswerter war Kruses Hackentrick, der Alaba ganz alt aussehen ließ und den Bremer in völliger Freiheit vollenden lassen konnte. „Er ist ein super Spieler“, lobte Delaney den an diesem Nachmittag besten Bremer. 

Es hat nicht viel gefehlt

Die Bayern waren beeindruckt oder sogar „ein bisschen ängstlich“, wie Carlo Ancelotti später monierte. Wann hat ein Bayern-Trainer so etwas schon mal gesagt? Und dann auch noch gegen Werder? Doch Ancelotti sagte auch, dass seine Umstellungen wieder für Ordnung sorgten. Er hatte seinen völlig blassen Zehner Thomas Müller nach einer Stunde vom Platz geholt und dafür in Renato Sanches einen weiteren Sechser gebracht. Das half. Werder fand nur noch seltener die nötigen Räume. Ein strammer Schuss von Kruse neben das Tor (69.) blieb die einzige echte Chance auf den Ausgleich. Auch, weil Werder die letzten zehn Minuten praktisch in Unterzahl agieren musste. Moisander hatte sich am Oberschenkel verletzt, konnte aber nicht mehr ausgewechselt werden.

Die Fans sangen trotzdem. In den Katakomben des Weserstadions gab es dagegen viele mahnende Worte. „Wir müssen jetzt den Schalter umlegen, das werden komplett andere Spiele“, meinte Baumann mit Blick auf die nächsten Aufgaben in Augsburg und gegen Mönchengladbach: „Wir dürfen da keinen Tick nachlassen.“ Doch Nouri versprach schon: „Wir arbeiten jetzt daran, dass wir uns auch mit Punkten belohnen.“

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